27 März 2006

„Mei you“, das Unfreundlichkeits-Syndrom

83 Punkte von 100! Juhui, das ewige Lernen zahlt sich endlich aus! Bei diesem Hörverständnis-Test habe ich schon ein paar überholt, welche schon viel länger vor mir mit Chinesisch angefangen hatten. Super, das motiviert richtig. Ist auch nötig. In zwei Wochen haben wir die Midterm-Prüfungen. Das wird heftig werden.

Ich habe jetzt aber auch einen fudao laoshi. Einen „Nachhilfe-Lehrer“. Er studiert an der Tsinghua Uni und heisst Sunzhan Kun. Auch hier gilt selber organisieren. Meine Nachbarin hatte einen Aushang beim Studentendorm gemacht, wo sie nach einem chinesischen Studenten sucht, welcher mit ihr vor allem das Mündliche üben kann. Da haben sich gleich ein paar gemeldet und zwei davon hat sie sich angeschaut. Ein Mädchen und ein Junge. Sie hat sich für das Mädchen entschieden und da sie die Nummer von ihm noch hatte, vereinbarte ich gleich einen Termin mit ihm.

Wir treffen uns jetzt zwei Mal die Woche für 1.5 Stunden und reden einfach. Nur Chinesisch. Ich lerne nicht nur etwas für meine Sprache sondern auch mehr über das chinesische Denken. Man erfährt einiges, wenn man einfach naiv fragt und das Entgegnete nicht beurteilt oder kommentiert.

Ich hatte Sunzhan Kun gebeten, mir beim nächsten Mal mehr über die verschiedenen Regionen und Städte Chinas zur erzählen. Er ist dann auch in die Bibliothek gegangen und hat mir ein Buch mitgebracht. Wir kamen dann auf Tibet zu sprechen. Ich habe ihn gefragt, wieso der Dalai Lama nicht in Tibet sein kann. Chinesen seien doch Buddhisten.

Er hat dann geantwortet, dass die meisten Chinesen nicht gross was mit Religion am Hut haben. Die Mehrheit glaubt nur an "Etwas": Marx!

Der Dalai Lama dürfe nicht nach Tibet, weil er ein von China unabhängiges Tibet will. Was Sunzhan Kun mit einem Kopfschütteln erzählt.

Er erklärte mir allerhand über die verschiedenen Provinzen Chinas. Bei Hunan erwähnte er natürlich auch, dass dort „Chairman Mao“ herkäme, „ein sehr intelligenter Mann“.

Die Zeit vergeht wie im Flug und nach jeweils 1.5 Stunden zahle ich ihm auch gleich den Lohn. 30 Yuan (5.5 CHF). Ist ein bequemer und guter Nebenerwerb für die chinesischen Studenten.

In dieser Woche bin ich zusammen mit einer Freundin aus der Klasse zur „Ladies’ Street“ gefahren. Ich habe davon im Internet gelesen. Soll eine Strasse mit Shops nur für Frauen geben. Auf den Fotos jedenfalls sah das gar nicht schlecht aus.

Naja, die Wirklichkeit war dann schon ein bisschen anders.

Es gab zwar sehr viele Kleidung dort, aber davon gefiel mir überhaupt nichts. Am meisten gestört hat mich aber die Unfreundlichkeit der Verkäuferinnen. Das ist leider nicht nur dort so. Ich habe immer gedacht, in China würde man als Kunde bestimmt besser behandelt werden als in der Schweiz. Falsch. Diese Erfahrung habe ich auf jeden Fall in den meisten Banken, Apotheken, Shoppingmalls, Kantinen, etc. gemacht. Wieso nicht weiterhin Zeitung lesen obwohl ein Kunde gerade nach einem Produkt fragt? Der Boden in Restaurants wird geputzt während man am Essen ist und allgemein wir Hilfsbereitschaft auch nicht grad gross geschrieben. „Mei you“ hat sich mehr als jeder andere Ausdruck bei mir eingeprägt. (wörtlich übersetzt:“ hat’s nicht“, heisst aber meistens ganz einfach „ich habe keine Lust auf jeglichen Aufwand“). Das Vorbereitungskomitee der Olympischen Spiele 2008 sollte den Ausdruck offiziell streichen, das nervt nämlich ziemlich.

25 März 2006

Himmlischer Frieden und höllisches Gedrängel

Heute waren wieder Salsa angesagt. Aber, Schade, es war überhaupt nicht mehr so witzig. Die müssen alle zu Hause geübt haben wie verrückt. Ich bin echt beeindruckt. Auf einmal haben sie die Schritte und den Rhythmus drauf. Womit Chinesen aber noch Probleme haben, ist die Nähe beim Salsa. Die trauen sich überhaupt nicht die Tanzpartnerin auch nur zu berühren. Wenn man normalerweise die männlichen Tanzpartner eher zum Abstand zwingen muss, hat man in China das Gefühl, die haben Angst vor einem. Kein Witz. Muss komisch anzusehen sein, aber hier gilt „komm mir ja nicht zu nahe“. Ungewohnt.

Am Samstag stand Kultur auf dem Programm. Wir sind früh aufgestanden und zum Tian’anmen (Platz des himmlischen Friedens). Der grösste öffentliche Platz auf der Welt und Schauplatz vieler historischer Ereignisse. Hier können sich bis zu 1 Mio. Menschen versammeln. Traurige Berühmtheit hat der Platz durch die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 durch die Regierung erlangt. Auf dem Tian’anmen zu stehen war sehr eindrücklich. Wenn es auch sehr gemischte Gefühle hervorruft. Der Platz des Himmlischen Friedens, das Mao-Mausoleum, das Denkmal der Volkshelden, das Museum der chinesischen Geschichte und das Tor des himmlischen Friedens?...

Hier ein Video.

(Es war wieder einmal extrem windig. Darum das Rauschen auf dem Video. Im Frühling ist hier meistens sehr windig. Und zwar richtig windig. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, kommt man zeitweise fast nicht mehr vom Fleck. Die unzähligen Fahrräder, welche auf dem Campus geparkt wurden, fallen dann immer wie Dominosteine um.)

Da wir nun schon mal hier waren, wollten wir auch kurz beim Mausoleum vorbei. Aber, 1. sind wir in China, d.h. viele Leute, 2. an einem Samstag. Es gab eine riesige Warteschlange davor, ausserdem hätten unsere Taschen und Fotoapparate auf der andern Strassenseite irgendwo abgeben müssen. Darauf hatten wir keine Lust. Also spazierten wir durch die Touristenmengen zur Verbotenen Stadt. Der Kaiserpalast der Ming- und der Qing-Dynastie. Verboten weil es früher dem gewöhnlichen Volk nicht erlaubt war, sich in diesem Zentrum von Beijing aufzuhalten.

Aber das war einmal. Heutzutags tummeln hier sich Unmengen von Touristengruppen (alle jeweils mit der gleich farbigen Jacke und Mütze). Natürlich braucht man für den Eintritt auch ein Ticket. Ich musste lachen, als ich dieses zufällig umgedreht habe. Auf der Rückseite ist nämlich eine Nestlé Werbung. Muss ja „verboten“ viel gekostet haben. Obwohl Nestlé kann sich das hier locker leisten. Ist nämlich richtig big in China. Egal wo man Lebensmittel kauft, Nestlé ist allgegenwärtig. Und so auch hier.

Die Verbotene Stadt auf jeden Fall war wunderschön, sehr beeindruckend. Ich glaube, hier sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Das einzige, was mich richtig genervt hat, war das Gedrängel in den Gängen und vor den Tempeln. Man wird es nicht glauben, aber am schlimmsten waren die alten Leute. Die waren vorwiegend in Reisegruppen unterwegs und schupften und rammten sich ihren Weg frei, das war nicht mehr schön. Richtig rabiat. Noch schlimmer als bei der U-Bahn zur Rush Hour. Rücksichtloses Gedrängel, auch das ist typisch hier in China.

"7 Days in Tibet "oder 45h Zugfahrt?

Habe beschlossen einen persönlichen Restaurant-Guide zu schreiben. Von jedem Ort, wo das Essen richtig gut geschmeckt hat, habe ich seit Anfang an ein Visitenkärtchen mitgenommen. Da ist meist auch gleich die Wegbeschreibung drauf. Ja, ich weiss, Restaurant-Guides gibt es viele, auch z.B. im Lonely Planet (der ist hier übrigens bei den Ausländern so was wie eine „Bibel“). Aber da die Uni etwas ausserhalb liegt, taucht kaum ein Ort in der Nähe in so einen Führer auf. Obwohl sie es wert wären.

Am Freitag war ich z.B. im Ganges, ein – wie könnte es anders sein- indisches Restaurant. Ich habe noch nie so gut Indisch gegessen. Okay, war mit ca. 50 Yuan (9 CHF) ziemlich teuer. Für 30 Yuan kann man locker gut Essen gehen. Ja ja, wenn ich zurück in die Schweiz komme, werde ich einen Preisschock erleben. Habe mich schon so an die chinesischen Preise und das Feilschen gewöhnt. „Wie teuer ist das Taxi bis Wudaokou?“- „20 Yuan“ – „zu teuer, 15?“ „nein, 19“ – etc. etc.

Man feilscht oft ziemlich lange herum obwohl es nur um ein paar wenige Yuan geht. Mein Begriff von teuer und billig hat hier andere Dimensionen angenommen. Aber nicht nur der, auch Distanzen sehe ich ganz anders. Abends mal kurz auf der anderen Stadtseite Essen gehen? Klar. Eine Stunde Weg hin und noch mal 1 Stunde zurück? Kein Problem. Hier hat halt alles ganz andere Dimensionen. Bei so einem riesen Land mit so vielen Leuten kein Wunder.

Apropos. Ich habe noch immer keine Reise für die Maiferien gebucht. In der engeren Auswahl sind im Moment Bali, Kambodscha, Tibet oder Ürümqi. Tibet war anfangs mein Favorit, das ist aus Europa auch nicht einfach zu erreichen.Von Beijing aus nach Tibet wären es nur ca. 5 Stunden Flug. Allerdings muss man sich einer Reisegruppe anschliessen und am Ende zahlt man ca. 1300 CHF. Für 7 Tage.Verhältnismässig sehr teuer.

Im Moment tendiere ich eher für Ürümqi. Eine Stadt an der Westgrenze (Nähe Kazachstan). Die Idee ist es, mit dem Zug Richtung Westen auf der Nordroute der Seidenstrasse zu fahren. Nach Ürümqi dauert die Zugfahrt 45 Stunden. Zurück würden wir dann fliegen. Abenteuerlich, eindrücklich und sehr interessant. Hier die Karte

24 März 2006

Tödlicher Unfall und chinesische Kommunikation

In dieser Woche ist ein ausländischer Tsinghua-Sprachschüler bei einem Unfall umgekommen. Das Gerücht ging bereits am nächsten Tag um. Die Schule hat am Freitag ein Infoblatt an alle abgegeben. Wie könnte es anders sein: auf Chinesisch. Das war in der Lektion mit der Lehrerin welche kein Englisch spricht. Sie hat – auf unser Nachfragen hin! – versucht, das Ganze zu erklären. Offenbar war der Sprachschüler in einen Streit verwickelt gewesen, dann noch etwas mit Alkohol und wir sollen der Polizei anrufen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Oder so ähnlich. Sehr aufschlussreich.

23 März 2006

Sport ist Mord/Die Grosse Glocke

Am Dienstag war ich Uigurisch essen. Uigurien (Xinjiang) befindet sich ganz im Westen und ist eine autonome Region Chinas. Na, so autonom wie man von China halt sein kann.

Jedenfalls gibt’s in der Beijing Culture & Language University ein Xianjing-Restaurant.

Es gab Lammspiesse, eine Art Brot und kleine Gerichte. Schmeckt super! Sehr empfehlenswert. Falls es das in der Schweiz auch gibt. Leider auch sehr kalorienreich.

Das war dann gleich die Motivation für ein bisschen mehr Sport. Am nächsten Tag nach der Schule bin ich mit Marie aus meiner Klasse joggen gegangen. Quer durch den Campus. Die einzigen Jogger unterwegs (im Nachhinein weiss ich auch wieso). Der Campus eignet sich nicht schlecht dafür. Wir haben auch ein paar wunderschöne Orte entdeckt. Es gibt einen See mit mehreren Brücken und Flüssen und einer Art Tempel. Richtig schön. Davon mache ich bestimmt noch Fotos. Auf jeden Fall sind wir allen Ernstes eine knappe Stunde nonstop gerannt. In einem Affentempo. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, hätte ich wohl nach etwa 20 Minuten angehalten. Aber Marie war früher täglich eine Stunde joggen, so bin ich ihr halt nachgerannt. Sehr anstrengend, tat aber gut. Jedenfalls bis wir anhielten. Unsere Lungen schmerzten, als hätte sich alles zu einem Klumpen gebildet. Die Luft ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend schlecht. Ich spürte die Schmerzen noch den ganzen nächsten Tag. So bescheuert es auch klingen mag, ich werde mir fürs Joggen eine Atemmaske kaufen. Mehrer Leute laufen damit durch die Gegend. Was in Zürich Aufsehen erregen würde, ist hier nichts Besonderes. Saubere Luft, wer hat das schon einmal richtig geschätzt? Also ich tu es ab sofort.

Am Donnerstag wollte ich endlich einmal etwas Kultur anschauen. Nach der Schule sind wir also zum Great Bell Tempel gefahren. Der war ganz in der Nähe und da ich nach der Tour noch lernen wollte ideal.

Grosse Glocke? Na eher grosse Renovation. Beijing macht sich fit für die Olympiade 2008 zum Leidwesen der jetzigen Touristen. Wir haben nicht viel gesehen, nur kurz auf die Great Bell geschaut und dann wieder raus. Schade. Die Geschichte ist nämlich sehr interessant…

Die sog. „Yongle-Glocke“ ist bereits über 500 Jahre alt. Sie wiegt über 40 Tonnen und ist 6,75 m hoch mit dem weltweit größten Außendurchmesser von 3,3 m. Ihr Klang ist über 45 Km weit zu hören.

Sie wurde im Auftrag des Ming-Kaiser Chengzu Zhu Di (Beiname Yongle) gegossen. Damals sagte man, wer grosse Verdienste erworben hat, soll eine große Glocke giessen. Deshalb hat Zhu Di nach dem Umzug der Hauptstadt nach Beijing beschlossen, eine unvergleichlich grosse Glocke zu giessen. Diese existiert nun bereits seit mehr als 500 Jahren und ist nach wie vor unversehrt. Ich habe ein Foto einer Nahaufnahme auf meine Fotoseite geladen. Es wurden über 227.000 Zeichen der buddhistischen Schrift als erhabene Schrift in die Glockenwände gegossen. Auch das ist ein Rekord in China. Mit allen diesen Besonderheiten wurde diese Yongle-Glocke "König der Glocken in der Geschichte" genannt. Heutzutage wird die Glocke bei grossen wichtigen Festivals und bei außergewöhnlichen religiösen Veranstaltungen geschlagen.

Nach dem Glockentempel sind wir noch in den Wal Mart einkaufen gegangen. Ab und zu braucht man nämlich ein paar westliche Produkte. Z.B. Milch. Endlich habe ich Milch gefunden! Also das was wir unter Milch verstehen. Nicht die chinesische wässrige weisse Flüssigkeit. Sonnencreme gabs aber auch hier keine. Nur Sun-Blocker.

Übrigens könnte ich mittlerweilen ein Buch schreiben über die Besonderheiten als Nichtasiatische Frau in China. Da ist Vieles anders als für Nichtasiatische Männer in China. Aber dazu ein anders Mal mehr. Wenn ich die Zeit zum Schreiben finde. Ein sehr interessantes Thema.

20 März 2006

Chinesischer Salsa

Die Woche ging schnell vorbei. Ohne viel Erwähnenswertes. Wir mussten sehr viel lernen und hatten auch unsere erste grosse Prüfung. Pro Tag muss ich immer noch ca. 3 Stunden lernen und um die 50 Vokabeln auswendig lernen. Das Schreiben geht mittlerweilen gut, mit dem sturen Auswendiglernen happerts halt noch ein bisschen. Vorallem bei der Motivation. Was ist denn noch so passiert? Also ich habe mir einen Berg von DVDs gekauft, Crash, Ray, Proof, Der Untergang und noch ein paar mehr. Pro Stück 8 Yuan, also 1.4 CHF. Billiger als mieten in der Schweiz.

Im Mai werden wir alle 1 Woche Ferien haben. Direkt nach den grossen Zwischenprüfungen (Hilfe!). Ich würde sehr gern nach Tibet fliegen. Mal schauen, ob sich das organisieren lässt. Morgen schaue ich mal bei einem Reisebüro vorbei. Eine andere Möglichkeit wäre auch Kambodscha. Für gute Reisvorschläge bin ich immer offen...

Freitagabend war dann der Salsakurs. Ich habe schon lange nicht mehr so heftig gelacht wie bei dieser Veranstaltung. Das Ganze nicht in einer Halle, sondern im Eingangsbereich der Sportstadiums statt, rechts und links die Toiletten. Uah, das hat richtig heftig gestunken. Aber okay. Meine Geruchssinn ist seit ich hier bin – zum guten Glück! – recht abgestumpft. Wir waren ca. 30 Frauen und ca 16 Männer. Ich war die einzige Langnase, also Nicht-Asiatin. Wie auch beim Kungfu schon. Auf jeden Fall hat uns der Lehrer dann so Grundschritte beigebracht, jedes Mal mit etwa 100 Wiederholungen. Ein kleiner Kassettenrekorder sorgte für die Musik. Musik? Als ich Carlos Vives’ „El amor de mi tierra“ (for listening to the song click on the link) hörte, musste ich wirklich lachen. Das ist ein kolumbianischer Sänger, den ich sehr mag. Aber Salsa? Nein, das Lied ist nicht mal Salsa, das ist eine Art Vallenato, der einen anderen Rhythmus hat. Aber egal, wir sind ja hier in China nicht in Lateinamerika. Immerhin war der Sound gut. Neben dem Lied hatten sie übrigens noch gerade 3 andere auf der Kassette. Dann gings immer wieder von vorne los. Kann bereits alle auswendig. Die Studenten beim Tanzen resp. „sich bewegen“ zu beobachten war einfach ein Bild für die Götter. Leider kann ich das hier nicht in Worte fassen, aber vor allem die Jungs haben sich bewegt als hätten sie Zuckungen. Und dazu noch einen Stock verschluckt. Musste mich echt zusammenreissen. Das sah so witzig aus. Besser als jedes Slapstick-Movie! Die Lehrer bildeten dann auch Paare und wir übten zusammen. Am Schluss mussten dann auch ein paar vor allen vortanzen. Ich und mein Tanzpartner auch. Keine Ahnung wieso. Wirklich gut ausgesehen hat es nämlich sicher nicht. Wir haben sogar ein kurzes Video gedreht. Einfach hier klicken.

Nach dem Kurs sind wir dann mit ein paar andern Studenten zur Bedbar in den Hutongs gefahren. Das ist ganz versteckt in einer recht heruntergekommenen Gegend. Aber die Bar ist toll. Es gibt so Bett-ähnliche Sofas zum Sitzen und die Atmosphäre ist sehr relaxed und irgendwie mysterisch. Danach sind wir zum Workers Stadium in den Cuties Club. Da ging die Post ab. Die Musik war nicht schlecht. Abgesehen von „Crazy Frog“. Nerv! Wir feierten dort mit ein paar Koreanern und um 4.30 Uhr wollten die MBA-Studenten zur Grossen Mauer, den Sonnenaufgang anschauen. Da hatten Rui und ich aber nicht so Lust dazu. Es war nämlich saukalt und sehr windig. Die Idee ist klasse, aber da geh ich lieber in ein paar Wochen, wenns wärmer ist. Jedenfalls sind wir dann mit dem Taxi nach Hause und die Jungs zur „Changcheng“. Die haben uns dann auch ein SMS geschickt, um ca. halb 7 morgens. Sie seien jetzt angekommen. „We drink great wine on the Great Wall and wait for the sun to rise!" Wow...

12 März 2006

Krank 2

Die Bananenkugeln. Die waren schuld. Oder eher gesagt mein Leichtsinn, diese Teils am Strassenstand zu versuchen. Auf jeden Fall war wieder Wochenende und ich schon wieder krank. Eigentlich wollten wir heute einen Ausflug zu einem Tempel machen. Naja, wegen des schlechten Wetters (Schnee, Wind, Sonne, alles durcheineander) hatten wir sowieso abgesagt. Aber jetzt auch noch krank zu sein, die Krönung. Mir war den ganzen Tag richtig schwindlig. Ich fühlte mich ganz schwach und nachdem ich sehr spät nachmittags endlich Instantnudeln (was Warmes kann ja nicht schaden) gegessen hatte musste ich – sagen wir’s mal so – mir das Ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen. Dasselbe passierte auch, sobald ich etwas getrunken hatte. Ich verbrachte den Tag also im Bett und vor der WC-Schüssel. Am Sonntag wars dann besser, aber ausser zum Abendessen in einer Dining Hall bin ich auch nicht aus dem Haus raus. Ja, ja, ich bin ja selber schuld...

10 März 2006

Kungfu, Kakerlaken und brauner Regen

Am Dienstag war mein zweites Wahlfach dran, Kungfu. Da kannte ich mich überhaupt nicht aus. Aber ein bisschen Sport muss bei diesem ganzen öligen Essen auch sein und wenn ich schon in China bin, dann auch chinesischer Kampfsport.

Treffpunkt war nach der Schule neben dem Sportplatz. Unterrichtet wurden wir von einer Frau. Wie schon beim Pronounciation Kurs gings los mit einer Einführung über Kungfu. Auf Chinesisch. Dieses Mal habe ich überhaupt nichts verstanden. Danach machten wir verschiedene Dreh- und Schlagübungen. Ich fands faszinierend, bei dem Kurs bleib ich sicher.

Am Freitag nach der Schule machten wir uns auf den Weg zur Wangfujing. Das ist eine Einkaufsstrasse im Zentrum. Rui hatte sich dort mit einem der „Gipsy Kings“ vom Lush verabredet. Sie wollte für ihren Freund eine Gitarre kaufen und Egbert (was habe ich bereits über die englischen Namen von Chinesen geschrieben?) wollte ihr behilflich sein. Er schleppte uns in einen kleinen Musikladen mit einer Unmenge an Gitarren und mir unbekannten Instrumenten. Faszinierend. Rui schaute sich Ewigkeiten um und fotografierte jedes potentielle Kaufobjekt. Egbert spielte Wunschkonzert. „Can you play knockin’ on heaven’s door?“ Kein Problem. Er konnte sogar „Volare“. Nachdem Rui schliesslich alles inspiziert hatte und ich ein paar Fotos von chinesischen Instrumenten gemacht hatte, gings weiter. Diesmal ohne Egbert. Der hatte noch was vor. Wir landeten auf einer Art „Foodstreet“. Etwa 100 Meter lang nur Essstände. Da gabs Lammspiesse (sehr lecker), Früchte, Süssigkeiten und (sehr eklig) Spiesse mit allem Möglichen. Kakerlaken, Maden, Seepferdchen, Heuschrecken, so was wie Minikrokodile, Froschschenkel. Hier die Fotos. Achtung, nicht kurz vor oder nach dem Essen zu Gemüte führen!

Nach dem kulinarischen Ausflug machten wir uns auf den Weg zu einem Buchladen.

Bereits mehrer Leute hatten mir unabhängig voneinander zu einem gewissen Buch namens „Wild Swans“ geraten. Eine Geschichte über eine chinesische Familie über drei Generationen. Es handelt vom wahren Leben und es geht auch ziemlich detailiert um die politische Geschichte Chinas. Bekommen kann man das Buch nur in grösseren Buchläden und auch nur wenn man danach fragt. Es ist halt nicht so gerne gesehen.

War bei mir auch so, als ich danach gefragt habe, hat die Verkäuferin wortlos eine Schublade aufgemacht, hat mir den knapp 700 seitigen Roman in die Hände gedrückt und ist verschwunden. Ich hoffe, ich finde die Zeit es zu lesen.

Auf dem Weg zurück fings an zu regnen. Regen in Beijing. Das ist auch ein Kapitel für sich. Der Regen ist dreckig. Richtig dreckig. Wenn man eine schwarze Jacke anhat, ist die innert kürzester Zeit voller brauner Flecken. Die Luft ist so verschmutzt, dass die Regentropfen auch richtig dreckig werden. Nach einem Regenschauer sind alle Autos auf der Strasse so braun, als wären sie im grössten Schlamm im Gelände herumgefahren. Das ist wirklich erschreckend. Auswirkungen der Umweltverschmutzung von Nahem. Alles Gute kommt von oben? Nicht in Beijing!

06 März 2006

"Entschuldigung, darf ich Sie kurz küssen?"

Nach 4 Stunden Chinesisch hatte ich heute noch mein Wahlfach „Chinese Pronounciation“. Kann mir sicher nicht schaden. Die Töne richtig hinzukriegen ist bei mir immer noch eine richtige Mundakrobatik. Ist aber im Chinesisch essentiell. Sonst wird’s nicht nur unverständlich sondern richtig peinlich. Z.B. kann aus „wen“ (fragen) mit der falschen Betonung „küssen“ werden. Na, viel Spass beim „Entschuldigung, darf ich sie kurz etwas fragen?“

Anderes Beispiel: "Shui jiao yi wan duo shao qian?" - "Wieviel kostet eine Schüssel Maultaschen?" kann bei falscher Aussprache enden als "Wie viel kostet eine Nacht mit Ihnen?"
Oft unterscheiden sich Wörter auch nur durch ein Summen oder ein Lüftchen über der Zahnreihe. Genug Gründe für mich, mich beim Pronounciation-Kurs anzumelden.

War aber nix für mich. Die Lehrerin hat ca. eine halbe Stunde auf Chinesisch erzählt (ich glaube, es ging um die verschiedenen Dialekte in China und wer nun wen versteht und welche Dialekte sich komplett unterscheiden), da habe ich nur ganz ganz wenig verstanden. Ziemlich entmutigend. Dann habe ich aber mitgekriegt, dass ich praktisch die einzige 1-er Level Studentin dort war, die andern waren – sowieso alles Koreaner – 3-er oder 4-er Levels, d.h. mit viel höheren Chinesischkenntnissen. Na gute Nacht. Es gab dann noch ein paar Übungen, wo wir verschiedene Laute überdeutlich ausprechen musst. War hilfreich, hat mich aber trotzdem nicht mehr überzeugt. You can drop the elective course and get back your money before 5 pm on Monday. Okay, dann mach ich das doch.

Am Abend habe ich mich mit einem Freund von einem Freund von einem Freund verabredet. Kannte nur seinen Namen und seine Telefonnummer. Ausserdem wusste ich, dass er für die Credit Suisse hier ein halbes Jahr in Beijing war. „Komm doch mit der U-Bahn zum Donghzhimen, ist das in Ordnung?“ „Ok“. Obwohl, Donghzhimen war war ganz im Osten, die Tsingua ganz im Westen und ich war noch nie mit der Beijinger U-Bahn gefahren…

Ich ging extra eine Stunde vor dem Treffen los. Das war auch gut so, denn ich brauchte genau 60 Min. bis ich dort war. Ging alles aber ganz einfach. Ich bin wirklich beeindruckt von der Beijinger U-Bahn. Es geht schnell, man findet sich gut zurecht und es ist sauber. Viel besser als in Paris, und viel besser als mit dem Bus unterwegs zu sein.

Wir sind dann zusammen essen gegangen und haben unsere „China-Erfahrungen“ ausgetauscht. Er wurde von einer Grossbank für ein halbes Jahr nach China geschickt. Zwischen seinem und meinem Leben sind Welten. Auf der einen Seite beneidenswert, wie luxuriös man es als Angestellter einer Schweizer Firma im Ausland hat, da wird einem der CH-Lohn bezahlt, man erhält ein teures Appartement in der Nähe des Büros, macht Ausflüge, etc. Auf der anderen Seite ist das Leben als Studi halt richtig abenteuerlich, man muss sich selber durchschlagen und lernt ganz andere Seiten Chinas kennen.
Wir haben uns auch über alles mögliche andere unterhalten. Z.B. weiss ich jetzt, dass ich die grosse Menge an DVDs, welche ich noch kaufen werde, auführen darf. Anscheinend ist ein gewisser „Eigenbedarf“ gestattet. Es darf einfach nicht den Anschein erwecken, man wolle die Ware weiterverkaufen, z.B. wenn man Filme in doppelter Ausführung dabei hat. Sehr gut, es gibt hier nämlich alle möglichen DVDs, auch von Filmen, welche noch nicht einmal in der Schweiz im Kino liefen. Da werde ich sicher zuschlagen. Der Preis? Knapp 1.50 CHF pro Stück


04 März 2006

Krank

War wohl alles ein bisschen zu viel am Samstag. Sonntags war ich nämlich richtig krank. Total erkältet. Die Kälte und vor allem die trockene Luft war wohl Schuld daran. Nix mit Sightseeing, wie es eigentlich geplant war. Bettruhe war angesagt. Ich wurde aber ganz süss umsorgt. Xiu Min kam mittags mit einem Tablett (keine Ahnung woher sie das schon wieder hatte) mit Tee, Suppe, Mandarine und Kimchi (koreanisches scharfes Gemüse, sehr lecker) vorbei. Da geht’s einem doch gleich viel besser. War eigentlich auch gar nicht schlecht, einmal einen Tag auszuruhen.

03 März 2006

Jahrgang 1981 und jetzt 26 Jahre alt?

Endlich Wochenende! Am Freitagabend waren wir bei ein paar MBA-Studenten zur Wohnungseinweihungsparty eingeladen. Die waren aus den Dormitories ausgezogen und hatten sich eine Wohnung gesucht. Man muss dazu wissen, dass die Studentenzimmer recht teuer sind, knapp 500 CHF pro Monat. Das ist in China ordentlich Schotter. Man kann somit auch ausserhalb des Campus’ eine Wohnung suchen und dabei noch Geld sparen. Allerdings ist man da wirklich für alles verantwortlich. Die Gruppe der MBA-Studenten jedenfalls hat sich zu fünft ein Penthouse gesichert, im 18. Stock mit Balkon und Traumaussicht, ausserdem einiges näher zum Zentrum. Möbel mussten sie zwar alle kaufen, kam sie pro Person aber nur auf knapp 200 CHF zu stehen. Der Vermieter will die Wohnung nachher gleich möbiliert weitervermieten, er kauft sie ihnen also nach dem Aufenthalt ab. Guter Deal. Könnte man fast neidisch werden. Aber nur fast. Zur Uni müssen sie nämlich mit dem Taxi. In der Rushhour kann das gut eine Stunde dauern. Die meisten Studis in der Wohnung haben nur 2 oder 3 Mal pro Woche Vorlesung, dann ist das okay. Aber wir mit unseren 5 Mal pro Woche, lieber nicht.

An der Party waren ca. 60 Leute, offenbar auch recht lautstark. Nach ein paar Stunden rückte nämlich die Polizei an und warf uns raus. Auch nicht anders als in der Schweiz.

Wir sind dann einfach weiter ins Alpha und dann in die Nanjing Bar.

Nächster Tag. Xiu Mins Chinesischlehrerin nahm uns mit zum Pearls Market. Mit dem Bus. Keine so gute Idee. Vorallem nach ca. 6 Stunden Schlaf, mit dem davorigen Konsum von 3 Biers und einer Whiskey-Cola. Der Verkehr ist immens, das Gehupe und die Abgase nervend. Auf dem Markt schlussendlich habe ich mir eine Tasche gekauft. Irgendso ein Fake von Fendi. Es gibt ganze Kataloge mit Taschen, Gürtel und Geldbörsen von Designern, alles ist gefakt erhältlich. Louis Vuitton, D&G, Fendi, Chanel, etc.

Abends sind wir dann richtig schön Pekingente essen gegangen. Wir wurden in einen separaten Raum geführt und auf der Drehplatte gab’s dann kăo yāo, Pekingente, und andere Köstlichkeiten.. Schmeckt ausgezeichnet!

Irgendwie kamen wir auf das Thema Alter zu sprechen. Xiu Min hatte mir einmal gesagt, sie wäre 26 Jahre alt. Allerdings merkten wir an dem Abend, dass wir das gleiche Geburtsjahr haben, nämlich 1981. Wieso das? In Korea zählt man das Alter anders. Wenn man zur geboren wird, ist man schon 1 Jahr alt. Macht also schon 1 Jahr Unterschied zu unserem System. Ausserdem zählen sie, jedes Mal, wenn ein neues Jahr anfängt, bereits automatisch ein Jahr dazu. Xiu Min ist somit seit Januar 26, obwohl sie erst im September Geburtstag hat. 27 wird sie dann im Januar des nächsten Jahres.
Nun, da bevorzuge ich doch unser Zählsystem, oder?

Martial Arts und Salsa

Wieder einmal nur auf Chinesisch war die Information der Wahlfächer angeschlagen. Die dauern jeweils ein ganzes Semester. Nach der Entzifferungsprozedur mit andern Mitschülern habe ich habe mich für Martial Arts eingetragen und für Chinese Pronounciation. Martial Arts weil ich keine Ahnung davon habe und ich wegen des fettigen Essens hier ruhig ein bisschen Sport machen sollte. Chinese Proncounciation weil das sicher auch nicht schadet, ist nämlich ganz schön zungenbrecherisch manchmal.

Bei den diversen Ständen der Uni-Vereinigungen konnte man sich ausserdem für alles möglich von Bowling, Klettern, Biken bis zu Tanzen anmelden. Da kann man sich ebenfalls für ein Semester eintragen. Die chinesischen Studenten haben mit Lautsprechern, Tanzeinlagen und Gesang für ihre Vereine geworben.

Da habe ich noch den Salsakurs gewählt. Es wäre sogar Tango oder Walzer möglich gewesen, ist aber nicht so mein Rhythmus. Der Salsakurs ist zwar nur für Anfänger, aber die haben uns auch schon angeboten mit dem Lehrer direkt zu üben. Mal schauen, wird sicher lustig. Salsa in China!

02 März 2006

Das grosse Lernen

Hilfe, im Moment dreht sich mein Kopf vor lauter Punkten und Strichen von chinesischen Zeichen. Der Unterricht ist richtig anstrengend. Zum ersten Mal in meiner „Schulkarriere“ bin ich wohl eindeutig die schlechteste Schülerin. Die Koreaner sind mir weit voraus, einige hatten auch schon Chinesischunterricht in Korea. Der Franzose hat schon seit längerem Sprachunterricht und besucht zusätzlich 2h täglich Privatstunden. Der Deutsche hinkt auch hinterher, ist aber ein Oberstreber, welcher den ganzen Tag vor den Büchern sitzt und paukt. Falls ich ihn irgendwo auf dem Campus sehe, ist er allein unterwegs. Sein einziges Ziel hier ist es die Sprache zu erlernen. So verbissen bin ich halt nicht.

Fühl mich ab und zu wie ein Dummkopf, wenn ich die Wörter mal wieder nicht richtig vorlesen kann, die auf der Wandtafel stehen.

Die Schulstunden sind auch sehr fordernd. Dauernd werden wir aufgerufen, um Fragen zu beantworten, Abschnitte vorzulesen oder ähnliches. Also nix von passiv im Stuhl sitzen und träumen. Jeden Tag gibt’s ein Diktat wo Vokabeln oder ganze Sätze vorgelesen werden und wir diese mit chinesischen Zeichen und in Pinyin schreiben müssen. Das Ganze wird dann korrigiert am nächsten Tag zurückgegeben. Mit Kommentar auf Chinesisch. Bis jetzt stand immer sehr viel bei mir drauf. Konnte aber nichts davon lesen. Ist vielleicht auch besser so. Heute jedoch war endlich ein hao drauf = gut. Das konnte ich entziffern. Mein Erfolgserlebnis.

Habe entdeckt, wie faszinierend Chinesisch (neben dem sturen Auswendiglernen) ist.
Eine sehr bildliche logische Sprache, die gewissen Einblick in die chinesische Sicht der Welt gibt. Ganz im Gegensatz zu der in meinen Augen trockenen deutschen. Beispiel: Zimmer heisst fáng jiān (fáng: Haus, jiān: Zwischenraum). Amerika ist mĕi (=schön) guó(=Land). Ein Tier ist ein dòng (beweglich) wù (Gegenstand).

Universität heisst dàxué, dà bedeutet gross, xué heisst lernen. Aha, grosses Lernen also. Dann sollte man die Tsinghua dàxué aber bitte umbenennen in Tsinghua dàdàxué. Zaijian, ich muss noch Vokabeln büffeln.