20 März 2006

Chinesischer Salsa

Die Woche ging schnell vorbei. Ohne viel Erwähnenswertes. Wir mussten sehr viel lernen und hatten auch unsere erste grosse Prüfung. Pro Tag muss ich immer noch ca. 3 Stunden lernen und um die 50 Vokabeln auswendig lernen. Das Schreiben geht mittlerweilen gut, mit dem sturen Auswendiglernen happerts halt noch ein bisschen. Vorallem bei der Motivation. Was ist denn noch so passiert? Also ich habe mir einen Berg von DVDs gekauft, Crash, Ray, Proof, Der Untergang und noch ein paar mehr. Pro Stück 8 Yuan, also 1.4 CHF. Billiger als mieten in der Schweiz.

Im Mai werden wir alle 1 Woche Ferien haben. Direkt nach den grossen Zwischenprüfungen (Hilfe!). Ich würde sehr gern nach Tibet fliegen. Mal schauen, ob sich das organisieren lässt. Morgen schaue ich mal bei einem Reisebüro vorbei. Eine andere Möglichkeit wäre auch Kambodscha. Für gute Reisvorschläge bin ich immer offen...

Freitagabend war dann der Salsakurs. Ich habe schon lange nicht mehr so heftig gelacht wie bei dieser Veranstaltung. Das Ganze nicht in einer Halle, sondern im Eingangsbereich der Sportstadiums statt, rechts und links die Toiletten. Uah, das hat richtig heftig gestunken. Aber okay. Meine Geruchssinn ist seit ich hier bin – zum guten Glück! – recht abgestumpft. Wir waren ca. 30 Frauen und ca 16 Männer. Ich war die einzige Langnase, also Nicht-Asiatin. Wie auch beim Kungfu schon. Auf jeden Fall hat uns der Lehrer dann so Grundschritte beigebracht, jedes Mal mit etwa 100 Wiederholungen. Ein kleiner Kassettenrekorder sorgte für die Musik. Musik? Als ich Carlos Vives’ „El amor de mi tierra“ (for listening to the song click on the link) hörte, musste ich wirklich lachen. Das ist ein kolumbianischer Sänger, den ich sehr mag. Aber Salsa? Nein, das Lied ist nicht mal Salsa, das ist eine Art Vallenato, der einen anderen Rhythmus hat. Aber egal, wir sind ja hier in China nicht in Lateinamerika. Immerhin war der Sound gut. Neben dem Lied hatten sie übrigens noch gerade 3 andere auf der Kassette. Dann gings immer wieder von vorne los. Kann bereits alle auswendig. Die Studenten beim Tanzen resp. „sich bewegen“ zu beobachten war einfach ein Bild für die Götter. Leider kann ich das hier nicht in Worte fassen, aber vor allem die Jungs haben sich bewegt als hätten sie Zuckungen. Und dazu noch einen Stock verschluckt. Musste mich echt zusammenreissen. Das sah so witzig aus. Besser als jedes Slapstick-Movie! Die Lehrer bildeten dann auch Paare und wir übten zusammen. Am Schluss mussten dann auch ein paar vor allen vortanzen. Ich und mein Tanzpartner auch. Keine Ahnung wieso. Wirklich gut ausgesehen hat es nämlich sicher nicht. Wir haben sogar ein kurzes Video gedreht. Einfach hier klicken.

Nach dem Kurs sind wir dann mit ein paar andern Studenten zur Bedbar in den Hutongs gefahren. Das ist ganz versteckt in einer recht heruntergekommenen Gegend. Aber die Bar ist toll. Es gibt so Bett-ähnliche Sofas zum Sitzen und die Atmosphäre ist sehr relaxed und irgendwie mysterisch. Danach sind wir zum Workers Stadium in den Cuties Club. Da ging die Post ab. Die Musik war nicht schlecht. Abgesehen von „Crazy Frog“. Nerv! Wir feierten dort mit ein paar Koreanern und um 4.30 Uhr wollten die MBA-Studenten zur Grossen Mauer, den Sonnenaufgang anschauen. Da hatten Rui und ich aber nicht so Lust dazu. Es war nämlich saukalt und sehr windig. Die Idee ist klasse, aber da geh ich lieber in ein paar Wochen, wenns wärmer ist. Jedenfalls sind wir dann mit dem Taxi nach Hause und die Jungs zur „Changcheng“. Die haben uns dann auch ein SMS geschickt, um ca. halb 7 morgens. Sie seien jetzt angekommen. „We drink great wine on the Great Wall and wait for the sun to rise!" Wow...