Sport ist Mord/Die Grosse Glocke
Am Dienstag war ich Uigurisch essen. Uigurien (Xinjiang) befindet sich ganz im Westen und ist eine autonome Region Chinas. Na, so autonom wie man von China halt sein kann.
Jedenfalls gibt’s in der Beijing Culture & Language University ein Xianjing-Restaurant.
Es gab Lammspiesse, eine Art Brot und kleine Gerichte. Schmeckt super! Sehr empfehlenswert. Falls es das in der Schweiz auch gibt. Leider auch sehr kalorienreich.
Das war dann gleich die Motivation für ein bisschen mehr Sport. Am nächsten Tag nach der Schule bin ich mit Marie aus meiner Klasse joggen gegangen. Quer durch den Campus. Die einzigen Jogger unterwegs (im Nachhinein weiss ich auch wieso). Der Campus eignet sich nicht schlecht dafür. Wir haben auch ein paar wunderschöne Orte entdeckt. Es gibt einen See mit mehreren Brücken und Flüssen und einer Art Tempel. Richtig schön. Davon mache ich bestimmt noch Fotos. Auf jeden Fall sind wir allen Ernstes eine knappe Stunde nonstop gerannt. In einem Affentempo. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, hätte ich wohl nach etwa 20 Minuten angehalten. Aber Marie war früher täglich eine Stunde joggen, so bin ich ihr halt nachgerannt. Sehr anstrengend, tat aber gut. Jedenfalls bis wir anhielten. Unsere Lungen schmerzten, als hätte sich alles zu einem Klumpen gebildet. Die Luft ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend schlecht. Ich spürte die Schmerzen noch den ganzen nächsten Tag. So bescheuert es auch klingen mag, ich werde mir fürs Joggen eine Atemmaske kaufen. Mehrer Leute laufen damit durch die Gegend. Was in Zürich Aufsehen erregen würde, ist hier nichts Besonderes. Saubere Luft, wer hat das schon einmal richtig geschätzt? Also ich tu es ab sofort.
Am Donnerstag wollte ich endlich einmal etwas Kultur anschauen. Nach der Schule sind wir also zum Great Bell Tempel gefahren. Der war ganz in der Nähe und da ich nach der Tour noch lernen wollte ideal.
Grosse Glocke? Na eher grosse Renovation. Beijing macht sich fit für die Olympiade 2008 zum Leidwesen der jetzigen Touristen. Wir haben nicht viel gesehen, nur kurz auf die Great Bell geschaut und dann wieder raus. Schade. Die Geschichte ist nämlich sehr interessant…
Die sog. „Yongle-Glocke“ ist bereits über 500 Jahre alt. Sie wiegt über 40 Tonnen und ist 6,75 m hoch mit dem weltweit größten Außendurchmesser von 3,3 m. Ihr Klang ist über 45 Km weit zu hören.
Sie wurde im Auftrag des Ming-Kaiser Chengzu Zhu Di (Beiname Yongle) gegossen. Damals sagte man, wer grosse Verdienste erworben hat, soll eine große Glocke giessen. Deshalb hat Zhu Di nach dem Umzug der Hauptstadt nach Beijing beschlossen, eine unvergleichlich grosse Glocke zu giessen. Diese existiert nun bereits seit mehr als 500 Jahren und ist nach wie vor unversehrt. Ich habe ein Foto einer Nahaufnahme auf meine Fotoseite geladen. Es wurden über 227.000 Zeichen der buddhistischen Schrift als erhabene Schrift in die Glockenwände gegossen. Auch das ist ein Rekord in China. Mit allen diesen Besonderheiten wurde diese Yongle-Glocke "König der Glocken in der Geschichte" genannt. Heutzutage wird die Glocke bei grossen wichtigen Festivals und bei außergewöhnlichen religiösen Veranstaltungen geschlagen.
Nach dem Glockentempel sind wir noch in den Wal Mart einkaufen gegangen. Ab und zu braucht man nämlich ein paar westliche Produkte. Z.B. Milch. Endlich habe ich Milch gefunden! Also das was wir unter Milch verstehen. Nicht die chinesische wässrige weisse Flüssigkeit. Sonnencreme gabs aber auch hier keine. Nur Sun-Blocker.
Übrigens könnte ich mittlerweilen ein Buch schreiben über die Besonderheiten als Nichtasiatische Frau in China. Da ist Vieles anders als für Nichtasiatische Männer in China. Aber dazu ein anders Mal mehr. Wenn ich die Zeit zum Schreiben finde. Ein sehr interessantes Thema.

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