30 April 2006

Ni hao Guilin!

Mein Biketrip in Guilin war angesagt! Die Infos (wo und wann wir uns treffen sollten) kamen chinatypisch – auf den letzten Drücker am Abend zuvor per E-Mail. Treffpunkt: „14th Gate waiting lounge 2nd floor no 2 terminal“, dazu noch die Flugnummer, Einfindungszeit und Mobilenummer der Ansprechsperson.
Der Flughafen ist zwar recht gross, aber wird schon schief gehen, habe ich mir gedacht. Am Samstag war ich extra noch im Silkmarket um mich noch passend auszurüsten. Einen grossen Backpack, ein paar Shirts und eine kurze Hose habe ich mir dort besorgt. Gar nicht so einfach, ganz gewöhnliche Tops zu kaufen. Hier haben Frauenkleider meistens schrille Farben, merkwürdige Schnitte, Glitzer, Perlen und alle möglichen schrecklichen Verzierungen. Gar nicht mein Geschmack. Ich habe schlussendlich noch „normale“ Tops gefunden, aber die stellten sich im Nachhinein als recht klein heraus. Auch typisch, hier gibt es oft nur Einheitsgrössen und die sind auf die Chinesen zugeschnitten. Egal, Mut zur Hässlichkeit, den habe ich ja bereits bewiesen, da kommts auf das eine oder andere „Wurst-in-der-Pelle“-Gefühl mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Ich habe dann auch noch eine Tasche für meine Schwester besorgt um die musste ich kräftig feilschen. Ein Jeans-VL Bag. Offenbar müssen die da recht aufpassen. Alle Verkäufer haben mir die Tasche nur ganz versteckt, in einem schwarzen Plastiksack oder in einer Schublade gezeigt. Nirgends war sie ausgestellt und alle haben extrem aufgepasst, dass sie dabei nicht beobachtet werden. Merkwürdig. Bei andern offen ausgestellten Artikeln, v.a. Taschen rufen einem die Verkäufer jeweils zu: Look, Gucci, Prada! Hat bestimmt damit zu tun, wie aktuell die Kollektion ist. Auf jeden Fall hatte ich die nötigsten Utensilien für morgen besorgt und habe am Abend dann alles gepackt.

Am Sonntag kurz bevor ich los wollte, ist mir dann noch eingefallen, dass ich das Wort für „Flughafen“ auf Chinesisch gar nicht wusste. Die Taxifahrer können kein Englisch und ich hatte keinen Bock wegen Verständigungsprobleme am falschen Ort zu landen. In meinem Sprachführer habe ich das merkwürdigerweise nicht gefunden. Also habe ich noch schnell Xiu Min gefragt, ob sie mir das aufnotieren kann. „Ni hao, ji chang“, und schon gings dann los mit dem Taxi Richtung Beijing Capital Airport.

Dort angekommen brauchte ich schon eine Viertelstunde um den Treffpunkt zu finden. Mit Gate 14 hatten die nämlich einfach den Eingang Nr. 14 gemeint und der 2nd Floor entpuppte sich als dieselbe Etage, wo mich der Taxifahrer abgesetzt hatte. Auf jeden Fall hab ich’s dann doch gefunden. Unsere Gruppe bestand aus 8 Leuten: Ein Pärchen (Deutscher und Chinesin, beide zwischen Ende 30, Anfang 40), ein Shanghaier (ca. Mitte 30), eine Französin (Mitte 30), eine Amerikanerin (Mitte 20), eine Peruanerin (30), ein Argentinier (Mitte 30) und ich (… ups, apropos Alter in knapp einem Monat ja auch schon 25).

Der Flug nach Guilin mit Air China war ganz okay. Wie üblich zwar mit Verspätung. Aber bei etwa 50 Minuten nicht so tragisch. Nach etwa 2.5 Stunden Flug sind wir angekommen und uff, die Luft war ganz anders als in Beijing. Feucht und warm. Genau so wie im Tropenhaus, in welchem ich vor einer Weile war. Aber sehr angenehm. Am Flughafen wurden wir von unserem Guide Stephanie abgeholt und mit einem kleinen Bus zum Hotel gebracht. Dort habe ich das Zimmer mit der Amerikanerin bezogen. Sie heisst Christin und ist Lehrerin für Erstklässler in den USA. Ausserdem redet sie wie ein Wasserfall. In China ist sie für 2 Monate zu Besuch bei ihrem Onkel. Ihre Tante hatte den Trip nach Guilin für sie gebucht. Christin hat erzählt, wie bedürftig ihre Schüler sind. Viele werden von den Eltern einfach nonstop vor den Fernseher gesetzt oder ihnen wird ein Videospiel in die Hand gedrückt. Zu Essen gibt’s Pizza, Burger, Fritten und Co. Wenn sich in den USA die Situation nicht gehörig ändern würde, wüchse eine Generation mit gravierenden Schwierigkeiten heran.

Später sind wir alle zusammen Essen gegangen. In so einer Art Open-Air-Restaurant. Da waren nur Einheimische, die uns recht doof angekuckt haben. Das Essen war sehr gut, aber auch hier äusserst ölig. Habe das Gefühl, dass ich den weiblichen „Laowai“’s (Ausländern) je nach Übergewicht ansehen kann, wie lange sie schon in China sind. Die Peruanerin ist schon ein Jahr hier und schon recht aus dem Leim gegangen. Hat sie mir auch bestätigt.

Habe mich recht lang mit Frank, dem Shanghaier unterhalten, er arbeitet bei Alcatel im Key Account Management für China Mobile. Zu ihm hatte ich sofort einen guten Draht und ich konnte auch gleich noch ein bisschen Chinesisch mit ihm üben. Die Peruanerin arbeitet bei CCTV (China Central Television) als Spanisch-Editor, Thu-Ly (die Chinesin) ist „Head of Foreign Investment Department, German Lawyer“, Karl (der Deutsche) arbeitet in irgendeiner deutschen Firma, den Namen habe ich leider vergessen, Sergio, der Argentinier, arbeitet in einer französischen Firma, Katie die Französin ist Forscherin für Procter & Gamble. Oliver, ein weiterer Deutscher arbeitet bei VW und war direkt aus Shanghai nach Guilin zur Tour gekommen. Alles sehr interessante und witzige Leute.

29 April 2006

Auf ins Abenteuer!

Juhui, morgen geht’s los! Nachdem wir hier keine Semester- oder Osterferien hatten, steht nun 1 Woche May holidays auf dem Plan. Ganz China wird nächste Woche unterwegs sein. So auch ich. Ich habe mich einer kleinen organisierten Tour angeschlossen. Die Mitreisenden kenne ich noch nicht. Von der Reise habe ich aus einem Heftchen erfahren und war sofort begeistert. Die Reise geht per Flugzeug in den Süden nach Guilin und Yangshuo. Dort werden wir mit dem Bike und dem Boot unterwegs sein. Die Landschaft muss ein Traum sein. 5 Tage pur!

Mozart und Henry Mintzberg in China

Zum 250. Geburtstag von Mozart veranstaltete die Tsinghua Universität abends ein klassisches Konzert. Dargeboten von Stundentinnen und Studenten. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht besonders viel von klassischer Musik, obwohl ich das jetzt gerne behaupten würde. Macht so einen intellektuellen Eindruck. Auf jeden Fall hat mich die Veranstaltung gleich interessiert.

Offenbar jedoch nicht nur mich. Der Saal war knallvoll. Ich musste die erste halbe Stunde stehend in einer Ecke gequetscht verbringen. Hätte nicht gedacht, dass Mozart hier so populär ist. Mir hat das Konzert sehr gut gefallen. Ich werde zwar nicht zum Klassikfan mutieren, aber die Musik ist ausgezeichnet zum Nachdenken. Man wird automatisch dazu inspiriert, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Eine Art bewusstes Nachdenken mithilfe der Musik. Wann nimmt man sich schon die Zeit dazu?

HenHenDiese Woche gab es ausserdem ein Vorlesungs-Highlight. Ein MBA-Student hatte mir erzählt, dass Henry Mintzberg der Tsinghua einen Besuch abstatten wird.
Henry Mintzberg ist einer der bedeutendsten Management-Theoretiker. Sein neuestes Buch heisst „Manager statt MBA“ mit dem er sich kritisch über die praxisentfernte Ausbildung äussert. Zwar habe ich das Buch nicht gelesen, aber mich darüber informiert. Klar, dass ich bei der Vorlesung auch dabei sein wollte. Da sie abends stattfand auch kein Problem.

Beim Anstehen vor dem Eingang habe ich gleich noch eine chinesische Studentin kennen gelernt. Scarlet ist hier englischer Name (was habe ich einmal über die Namenswahl der Chinesen gesagt?).Wir sind dann zusammen in den Vorlesungssaal des Managementgebäudes gegangen. Henry Mintzbergs Vortrag war sehr interessant. Vorallem die Art und Weise, wie er erzählt hat. Es handelte sich vorwiegend um Führungstheorien, aber alles einfach und einleuchtend erklärt. Das Präsentationsmedium, welches er benutzt hatte, war mir auch neu. Er hat jeweils auf gewöhnliche weisse Blätter auf seinem Tisch Modelle aufgezeichnet, diese wurden direkt auf die Wand hinter ihm projiziert. Also so, als würde eine kleine Kamera seine Hand filmen und es gleich im Hintergrund abbilden.

Am Donnerstag habe ich entdeckt, dass es auf dem Campus ein Fastfood-Restaurant gibt. Das heisst Qingqing Burger. Eine perfekte Kopie von McDonalds. Ganz schön dreist. Dieselben Menüs, Getränkebecher, Bestelltheke, Arbeitskleider der Angestellten (inkl. Mütze), Abfalleimer, Tabletts, alles sieht praktisch gleich aus wie bei McDonalds.

Unterschiedlich sind einzig das Logo, der Preis (halb so teuer) und der Geschmack. Die Burger sind hier nicht so zusammengedrückt und schmecken irgendwie frischer. Nächstes Mal werde ich Fotos von dem Restaurant machen, die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Chinesen sind Meister im Kopieren.

28 April 2006

So ein Witz

Schon fast wieder Wochenende! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug.
Diese Woche haben die Lehrer noch mal richtig Gas gegeben da die Maiferien (1 Woche) vor der Türe stehen. Pro Fach bearbeiten wir jeweils ein Buch. In 2 Fächern sind wir schon weit über die Hälfte hinaus und ein einem Fach praktisch schon fertig damit. Im Integrierten Chinesisch werden wir kurz nach den Ferien ein neues Buch bekommen. Da gibt’s dann nur noch Characters drin, also keine Lautschrift mehr. Im alten Buch waren die Übungstext und – geschichten jeweils in Hanzi (Characters) und in Pinyin (Lautschrift). Das wird ja heiter werden. Die Lehrerin hat uns auch schon gewarnt, dass vor allem wir Nicht-Asiaten über die Ferien pauken sollten, da für uns die Schrift ein grösseres Problem darstellt. Ich habe mir auch vorgenommen, die paar Tage nach meinem Velotrip fleissig zu lernen. Aber eben nachher.

Diese Woche war unsere Klasse ab Mittwoch nur noch halb so gross. Viele waren bereits abgereist um die Ferienwoche etwas zu verlängern. Bali, Ürümqi, Shanghai, Qingdao, Hainan und Tibet sind u.a. beliebte Ziele. Freue mich darauf die vielen Erlebnisse und Eindrücke der andern zu hören. Bin im Moment ein bisschen besorgt wegen meiner Velotour. Ich habe noch kein Mail mit näheren Infos betreffend Treffpunkt und –zeit erhalten. Die Organisation scheint mir zwar recht professionell, allerdings wäre ich schon froh um ein paar Infos. Muss noch einen Backpack, eine richtige Sonnenbrille (also mit Schutz, gar nicht so einfach hier) und wahrscheinlich noch andere Sachen einkaufen. Ich hoffe, die beeilen sich mal.

Diese Woche mussten wir im Unterricht einen chinesischen Witz erzählen. Also auf Chinesisch. Ich hatte meinen aus einem Witzbuch. Er ist zwar recht doof, aber ich bin echt überrascht, dass wir uns mittlerweilen sogar „xiaohua“s (Chin. für "Witz") erzählen können. Meiner ist hier.

Am Sonntag bin ich sehr spät erst aufgewacht. Die meisten hatten schon gegessen und in der Kantine gabs zu der Zeit auch nix mehr. Auf Instant-Nudeln (sehr beliebt in China) hatte ich auch keine grosse Lust. Dann gabs da ja noch Lieferservice. Ein Versuch wars wert. Ich hatte mir beim letzten Besuch bei einem Curry-Restaurant einen Speisekarten-Flyer mitgenommen. Die Menüs waren abgebildet und neben dem chinesischen und japanischen Namen auch mit Nummern versehen. Ich habe unter der angegebene Nummer angerufen und der Dame auf Chinesisch erklärt, was ich genau bestellen will und wohin es soll. Ok, war gar nicht so schwer. Allerdings hat sie mich dann irgendwas zurückgefragt und das habe ich nicht verstanden. Die haben ein solches Tempo beim Sprechen drauf, no chance. Ich hab’ dann einfach meine Bestellung noch 2 Mal wiederholt und dann hat es geklappt. Wie von ihr gesagt, kam eine halbe Stunde später der Kurier und brachte das Essen. Super, war sogar das richtige. Für die Lieferung muss man auch nix extra zahlen.

Ich habe übrigens meine Liebe für asiatische Musik entdeckt. Naja, sagen wir mal so, RnB gesungen von Koreanern oder Chinesen. Es gibt z.B. einen Sänger aus Südkorea, der nennt sich „Rain“. Die Mädels hier sind verrückt nach ihm. Ich habe mir am Computer einer Freundin eine DVD über ihn angeschaut. Er muss in ganz Asien bereits ein Superstar sein. Eine Art asiatischer Justin Timberlake, vor allem wenn man seinen Tanzstyle anschaut. Die Texte sind koranisch und englisch.
Dann gibt’s da noch Wang Lee Hom. Ein chinesischer Sänger und per sofort mein persönlicher Hörverständnis-Lehrer. Jedenfalls die Musik von ihm. Rain und Wang Lee Hom haben auch einen Song zusammen, auf Englisch, Koreanisch und Chinesisch. Wen’s interessiert, der kann hier mal reinhören: Wan Mei De Hu Dong


22 April 2006

Great Wall

Habe mich kurzfristig dazu entschieden, mich dem von der Tsinghua organisierten Great Wall-Trip anzuschliessen. Kostete nur 30 Yuan, also knapp 6 CHF für Hin- und Rückfahrt inkl. Mittagessen. Samstagmorgen 08.00 Uhr gings dann los. Es waren schätzungsweise 80 Leute, alles Sprachschüler. Wir wurden mit den Tsinghua-eigenen Bussen abgeholt und zum 1.5 h entfernten Badaling gebracht. Badaling ist der touristischste Ort für einen Besuch der grossen Mauer, das hatte ich bereits gelesen. Aber wow, mit so vielen Leuten hatte ich nicht gerechnet. Auf einem kleinen Platz haben uns die Gruppenleiter entlassen und uns mitgeteilt, wir sollen in 2h wieder beim Bus sein. Ich bin dann mit ein paar Freunden auf die Mauer rauf und wir sind darauf losgelaufen. Und mit uns halb China. Es hatte sooo viele Leute. Stellenweise mussten wir – eingequetscht im Gedränge – sogar auf ein Weiterkommen warten. Ausserdem geht’s auf der Changcheng (chin. Name) ab und zu ganz schön steil bergauf. Richtig anstrengend. Eindrücklich war das alles aber auf jeden Fall. Sehr gut hat mir auch die gebirgige Umgebung gefallen. Das verleiht allem so einen mystischen Eindruck.

Ich war aber auch wieder froh, als wir wieder von der Mauer runter kamen. Badaling ist nix für Klaustrophobiker (und der grösste Teil Chinas wohl auch nicht). Fotos hier.

Der Bau der Grossen Mauer gebann übrigens vor über 2500 Jahren, als streitende Reiche ihre Territorien abgrenzten. Allerdings erfüllte sie ihren ursprünglichen Zweck nicht. Das Reich der Mitte war zeitweise so strak, dass es sich weit über die Mauer hinaus dehnte – diese verlor damit ihren Sinn. Auch hielt sie die Mandschus nicht davon ab, die Ming zu stürzen und die Qing-Dynastie zu gründen. Man kann die Mauer übrigens - entgegen Gerüchten - nicht vom Mond aus sehen.

Ein gewisser Herr mit den Initialen M.Z. hat mal behauptet: „He who doesn't reach the Great Wall is not a true man". Das ist Tourismus-Marketing.

20 April 2006

waschecht

Am Mittwoch hat Fernando (ein Kubaner, welcher ein Freund von Ricardo ist) mich zusammen mit ein paar andern zum Essen zu Hause eingeladen. Er ist Koch und hat kubanisches Essen gezaubert. Das war eine willkommene Abwechslung zum vielen Kantinenessen dieser Woche. Wir waren zu fünft und der Abend war sehr lustig aber auch interessant. Allerdings habe ich einige Mühe ihn zu verstehen. Das kubanische Spanisch hört sich für mich an, als hätten die beim Sprechen Kartoffeln im Mund. Ausserdem lassen sie bei vielen Wörtern einfach das Ende weg.
Fernando hat uns erzählt, dass er aufgrund eines Abkommens zwischen Kuba und Angola ein Jahr in Angola verbracht und in einem Hilfsprojekt als Koch gearbeitet hat. Die Geschichten, die er davon zu erzählen hat, gehen einem durch Mark und Bein.
Fernando will hier in Beijing ein Art Restaurant eröffnen. Ich werde versuchen, ihm marketingmässig dabei zu helfen (auf Deutsch: ein paar Flyers herstellen und in Unis verteilen ;-) )

Auf unserem Stockwerk befindet sich eine Waschmaschine oder eher Waschmaschinchen. Mit einem im Voraus bezahlten Chip wasche ich da immer meine Kleider. Zum Trocknen hänge ich sie jeweils an allen möglichen Orten in meinem Zimmer auf. Wegen der extrem trockenen Luft müssen sie da auch nicht lange bleiben. Auf jeden Fall habe ich gestern eine getrocknete Jeans zusammenlegen und in den Schrank befördern wollen. Da habe ich gemerkt, dass sich etwas in der Tasche befindet. Ich schaue nach und…. finde ca. 300 Yuan. Ziemlich zerknittert aber noch in Ordnung. Und da fiel’s mir wieder ein…Wenn ich hier in Beijing in den Ausgang gehe, gebe ich meine Tasche jeweils an der Garderobe ab und stecke mein Geld in meine Hosentasche. Da muss ich es letztes Mal vergessen haben. Jetzt erinnerte ich mir auch wieder daran, dass ich nach dem letzten Besuch im Ausgang Geld vermisst hatte.
Hey, jetzt kann ich auf jeden Fall sagen, ich hätte in China Geld gewaschen!

Die Waschmaschine hier ist übrigens nicht vergleichbar mit den uns bekannten. Das Ding wäscht nur in einer Temperatur (50 Grad), das Pulver muss man direkt zur Wäsche geben und ein Weichspüler-„Schublädchen“ gibt’s auch nicht. Habe jedes Mal das Gefühl, dass meine Kleider nach dem Waschen kleiner sind. Vielleicht liegt’s aber auch am vielen Essen. Wahrscheinlich beides zusammen.

18 April 2006

Sand in Sicht

Am Montag haben wir die Prüfungsresultate zurückbekommen. Bei einer möglichen Punktezahl von 100 habe ich im Hörverständnis 78, Mündlich 80 und integriertes Chinesich 89.
Sehr gut, bin auf jeden Fall zufrieden. Die letzten Tage vor den Prüfungen war ich nämlich nicht so motiviert zum Lernen. Freue mich auf meine Abenteuer-Ferien nächste Woche!
Hier in Beijing spielt das Wetter verrückt. Montagmorgen bin ich aufgestanden und als ich aus dem Fenster sah, war alles mit einem bräunlichen Schleier überdeckt. Sand. Die ganze Nacht hat ein starker Sandsturm getobt. Aber nicht nur in dieser Nacht. Heute am Mittwoch hat es ununterbrochen gestürmt wie verrückt, zwar hat dieser Wind viel vom Sand weggewirbel, aber angenehm wars nicht. Ich bin draussen nur mit einer Maske herumgelaufen. Habe gesehen, dass sogar auf der 20Min-Website Bilder vom Sandsturm sind.
Am Abend waren wir dann in einem russischen Restaurant. Ich war vorher noch nie Russisch essen und ja, es war gar nicht schlecht. Allerdings auch nicht so toll, dass ich dort wieder hin würde. Was noch lustig war, war das "Entertainment". Ein etwas dicklicher, glatzköpfiger Russe, der mit einem Mikrophon vor seinem Laptop stand und Karaoke sang.

Heute habe ich ausserdem herausgefunden, wie ich gesperrte Internetseiten (wie wikipedia, bbc und viel andere) in China anschauen kann. Das habe ich aus purem Zufall entdeckt. Es gibt da eine Homepage, wenn man dort die gewünschten Links eingibt, kommt man direkt zu den Seiten. Hi hi, hab doch gewusst, dass sich das System irgendwie knacken lässt ;-)

17 April 2006

Schlafender Buddha, bebender Boden, Blumen

Nach dem letzten Test ging ich zusammen mit ein paar Klassengspänli zum Jingshan Park (Kohlehügel Park) hinter der Verbotenen Stadt. Ich musste dort nämlich meine Velotour im Voraus bezahlen, dass liess sich gerade gut mit einem Ausflug verbinden. Wir sind also zu fünft dorthin gefahren und waren in dem Park. In dessen Mitte befindet sich ein künstlicher Berg, gebildet aus der Erde, welche bei der Aushebung des Wassergrabens der Verbotenen Stadt angefallen war. Hier hat sich auch der letzte Kaiser der Ming Dynastie, Chongzhen, auf der Flucht vor seinen Feinden erhängt. Den Baum haben wir aber nicht gefunden. Auf den Schildern steht zwar „Tree where emperor Chongzhen hanged“, aber wenn man dann dort ankommt, stehen mehrer Bäume und auf einmal heisst es „Place where emperor Chongzhen hanged“.
Im Park wurde mir richig bewusst, dass ich normalerweise in China permanent von viel Lärm umgeben bin. Inmitten der Ruhe dieses Parks nahm ich die Stille nämlich sehr stark wahr.

Abends bin ich in den Bananas Club gegangen. Hier federt der Tanzboden wie eine Art Trampolin. Zwar nicht so stark, dass man gleich einen Salto springen könnte aber es geht auf jeden Fall spürbar auf und ab. Je mehr die Leute herumspringen umso mehr bewegt sich der Boden. Das war witzig. Allerdings hat mir die Atmosphäre nicht so gefallen und nach einer Stunde sind wir dann weiter in eine Bar.

Am Sonntag, nach etwa 6 Stunden Schlaf, hat mich Xiu Min geweckt. Wir wollen zusammen zum Botanischen Garten in den Western Hills. Ich war zwar noch nicht so fit aber so sind wir halt los. Der Botanische Garten ist wunderschön, voller Leute, aber eine willkommene Abwechslung zum eher grauen Stadtbild. Überall blühen Bäume, Blumen (vor allem Tulpen) und die Rasen sind sattgrün. Die Luft fühlt sich sofort viel sauberer an.

In dem Garten befindet sich auch der Tempel des schlafenden Buddhas. Der ist über 5 Meter lang und liegt in einer Schlafposition umgeben von 12 kleineren Buddhas. Gemäss der Legende repräsentiert diese Szene den Buddha in seinem Sterbebett während er seinen 12 Untergebenen Ratschläge gibt. Nun, vielleicht ist er aber auch einfach müde vom Herumlaufen im Park, der ist nämlich ganz schön riesig…

Abends war ich im Propaganda, die Stimmung dort war super und so bin ich also irgendwann um 5 Uhr wieder zuhause gewesen. Auf jeden Fall haben mir am Samstag die Beine ganz schön wehgetan: Freitag stundenlanges Laufen im Jingshan Park, abends Party, Samstag stundenlanges Laufen im Botanischen Garten und abends wieder Party. Diese Woche werde ich glaub wieder ein bisschen mehr ausruhen. Ist aber schwierig, es gibt so viel zu unternehmen, und das ist auch einer der Gründe, weshalb ich die Zeit hier extrem geniesse.

14 April 2006

Midterm Exams

Ende dieser Woche fanden die Midterm-Prüfungen statt. Donnerstag war der „Integriertes Chinesisch“-Test. 6 A-4 Seiten in 1h und 40 min. Ganz schön viel. Hier mussten wir verschiedenen Sätze korrigieren, Pinyin in Hanzi (chinesische Schriftzeichen) übersetzen, Fragen beantworten und Sätze umformen. Alles (ausser dem Übersetzungsteil) in Hanzi. War ganz schön viel. Aber für dieses Fach habe ich auch am meisten gelernt. Liegt sicher auch daran, dass die Lehrerin so lustig und auf Zack ist. Die Hörverständnis-Lehrerin zum Beispiel geht mir mittlerweilen ziemlich auf den Nerv. Sie spricht kein einziges Wort Englisch und in ihren Lektionen muss sie oft Grammatik erklären. Zwar ist die viel einfach als im Deutsch, aber trotzdem müssen einige Regeln beachtet werden. Und das auf Chinesisch erklären? Dauert jeweils ewig lang und ob wir wirklich alles verstanden haben, ist die andere Frage. In dem Buch von ihrem Unterricht lässt sich da auch nichts nachlesen.

Freitag fanden dann der Hörverständnis- und der Mündlichtest statt.

Der Hörverständnistest dauerte ebenfalls 1h 40 min. Die Lehrerin liess eine Kassette laufen und wir mussten Fragen zum Gehörten beantworten oder die Texte aufschreiben. Das war alles sehr schnell. Hier war ich so lala oder auf Chinesisch „mama huhu“.

Beim Mündlichen hat jeder 10 Min. Zeit gehabt. 5 Min. Vorbereitung mit einem von 5 Testversionen und 5 Min. Prüfung mit der Lehrerin. Das war richtig tough. Das Blatt war nämlich voller chinesischer Zeichen der komplizierten Sorte, die wir entweder vorlesen oder in bestimmter Zusammenstellung Geschichten erzählen mussten. Immerhin konnten wir in der Vorbereitungszeit andere Mitschüler um Hilfe bitten. Ryan, wahrscheinlich der beste Schüler unserer Klasse half mir, indem er in der ersten Aufgabe eine ganze Reihe Wörter in die Lautschrift übersetzte. Zur gleichen Zeit schrieb ich die geforderte Geschichte auf.

Keine so gute Idee. Ryan hat nämlich eine noch viel schlimmere Handschrift als ich. Als ich also vor der Lehrerin sass und die Wörter in der korrekten Tonlage vorlesen sollte, hatte ich grosse Mühe, seine Buchstaben zu entziffern. Die Schriftzeichen selbst gehörten zu den kompliziertesten, die erkannte ich nicht von selbst. Naja, der Rest ging dann wieder besser. Die Lehrerin stellte mir ein paar Fragen auf die ich einfach antworten konnte. Ich habe bestimmt bestanden. Aber eher nicht mit wehenden Fahnen.


12 April 2006

Vom Winde verweht

In der Schweiz schneit es. Das ist die Nachricht, die ich im Moment von allen Bekannten lese. Hier in Beijing zwar nicht, zum Glück. Aber der Frühling hat sich’s auch hier wieder anders überlegt. Es ist kalt und es stürmt wie verrückt. Solche Stürme gibt es in der Schweiz nur äusserst selten. Ausserdem ist es wieder richtig eisig geworden. Seit Anfang April wurden die Heizungen abgeschaltet. In der Nacht ist es momentan um die 3 Grad „warm“. Gestern bestand mein Pyjama aus einem T-Shirt, einem Pullover, einer Strickjacke, Jogginghose und Socken. Gefroren habe ich trotzdem, obwohl ich mir die Decke bis über den Kopf gezogen hatte. In meinem Zimmer ist das Fenster nur schlecht isoliert. Vor allem bei starkem Wind zieht’s richtig. Xiu Min hat mir einen Scherenschnitt von einer Blume geschenkt, den habe ich über meinem Schreibtisch aufgehängt. Wenn es draussen richtig stürmt, „wackelt“ die Blume in meinem Zimmer jeweils hin und her. Obwohl das Fenster geschlossen ist.
Heute stürmt es dermassen, dass es beim Lernen richtig stört. Ich habe also ca. 1.5 m WC-Papier in mehreren Schichten ausgelegt und das dann im Fenster eingeklemmt. Ganz schön mühsam, aber immerhin hält es jetzt den Wind davon ab, als Ventilator in meinem Zimmer zu fungieren.

Ich bin jedenfalls froh, dass uns dieses Jahr der Sandsturm relativ verschont. Der kommt ab und zu im Frühling und fegt den Wüstensand durch die ganze Stadt. Es gibt da ein paar Bilder im Internet. Beeindruckend. Mir ist der Sturm aber lieber auf dem Bild als live. Mir wurde gesagt, dass der Sandsturm aber die letzen 2 Jahre nicht mehr so stark war.
Apropos Wetter. Ab und zu sehe ich mir die Wettervorhersage für Beijing an. Hier gibt es nicht nur „sonnig“, „bewölkt“ und „regnerisch“. Nein, je nach Tag gibt es auch „Rauch“. Diese Wetterbezeichnung habe ich auch noch nie gehört resp. gesehen. Leider beschreibt sie den Aussenzustand aber recht gut...


Ich habe jetzt definitiv den Trip nach Guilin gebucht. Freue mich schon riesig. Muss nur noch einen Tag finden, wo ich das Geld im Reisebüro abliefern kann. Ist nämlich ganz schön weit entfernt. Im Zentrum von Beijing, hinter der verbotenen Stadt. Und eigentlich muss ich doch noch so viel lernen…?

10 April 2006

Geburtstagswoche und Big Spenders

Diese Woche hatten 4 Sprachstudenten Geburtstag. 3 Davon sogar am gleichen Tag. Wir haben ca. zu fünfzigst in der Pepper Farm gefeiert. Es war zwar keine rauschende Feier, aber man hat allerhand neuer Leute kennengelernt. Wir haben einem Klassengspänli, das eines der Geburtstagskinder war, einen Shot spendiert. Natürlich habe ich auch einen mitgetrunken.

Ich weiss auch nicht, aber bei der Auswahl von Drinks habe ich ein schlechtes Händchen. „Dr.Pepper Shot“ tönt doch eigentlich gut und ich dachte, da sei Dr.Pepper-Cola (das ist doch das mit dem Kirschgeschmack) drin. War es aber nicht. Vielmehr bestand der Drink aus einem undefinierbaren Mix aus Chinesischem Alkohol und einer ordentlichen Portion Tabasco. Das Shotglas wurde dann in einem Bierglas versenkt und das Ganze muss man dann auf Ex trinken. „Ganbei“ auf Chinesisch, heisst soviel wie „leeres Glas“. Uäh, sehr scheusslich! Danach habe ich nur noch Cola getrunken. Die Lust auf Alkohol war mir nämlich vergangen.

Am Donnerstag nach dem Unterricht bin ich mit Marie zum Golden Resources Shopping Mall gefahren. Das ist eines der grössten Shopping Centers auf der Welt. Wir wollten für Eni - ebenfalls ein Geburtstagskind, aber erst Ende Woche – ein Geschenk kaufen. Keine so gute Idee. Das Einkaufszentrum ist riiieeesig. So gross, dass man gar nicht weiss, wo anfangen. Das glaubt mir jetzt niemand, aber wir sind stundenlang umhergeirrt und einfach nicht fündig geworden nach einem passenden Geschenk. Es gibt sehr viele Edelboutiquen, ein ganzes Stockwerk voller Möbel, Schmuck, aber alles ziemlich teuer und auch gar nicht speziell. Wahrscheinlich auch der Grund wieso es so wenig Leute hatte. Alle Angestellten zusammengezählt waren bestimmt mehr als die Besucher selbst. Zu guter Letzt haben wir für Eni einfach eine Duftlampe gekauft. Ist wenigstens nützlich in unserem Dorm (wenn jemand auf der Etage Essen kocht oder liefern lässt, riecht mans bestimmt noch 5 Zimmer weiter). Also da hab ich doch lieber die kleinen Stores, wo man auch richtig gut feilschen kann und nicht nur so 08/15 Sachen bekommt.

Am Freitag Nachmittag war ich im Brazilian Churrascos essen. Wow, das war sehr lecker. In der Schweiz würde ich mir das wohl nie leisten. Aber hier kostet es knapp 16 CHF, für chinesische Verhältnisse viel, aber einmal ausprobieren muss einfach sein. Ein grosses Selbstbedienungs-Salatbüffet und so viel Fleisch wie man will. Der „Kellner“ kommt jeweils mit einem grossen Spiess vorbei und schneidet einem das gewünschte Stück direkt auf den Teller. Ich liebe die Restaurants hier!

Am Abend habe ich fleissig für meine Midterm-Prüfungen gelernt. Die finden nächste Woche Donnerstags und Freitags statt. In allen 3 Fächern (Hörverständnis, Mündlich und“ Integriertes Chinesisch“). Mündlich werden es ca. 15 Minuten sein, bei den andern beiden je 1h 40 Min. Auf jeden Fall geht es immer besser und Xiu Min und ich sprechen auch fast nur noch Chinesisch miteinander. Wenn auch manchmal sehr holprig.

Am Samstagabend fand im MIX-Club Eni’s Geburtstagsparty statt. Theoretisch. Als ich nämlich endlich den sog. VIP-room gefunden hatte, erzählte mir ein anderer Mitschüler, dass Eni mit einer Magenentzündung im Spital läge… Okay, schon mal an einer Geburtstagsparty ohne Geburtstagskind gewesen? Ich jetzt schon.
Bin dann nicht so lange geblieben, da mir das MIX nicht so gefallen hat. Es war brechend voll und die Atmosphäre war auch nicht so gut.

Heute habe ich viel Chinesisch gepaukt und mich ein bisschen über meine neue Mai-Ferien Idee informiert. Man kann mit Cycle China in einer Gruppe nach Guilin fliegen und dort mit dem Velo die Landschaft erkunden. Das muss doch toll sein! Ich ruf morgen gleich an und frage, ob die noch einen Platz frei haben.

Nach Ürümqi gehe ich nun doch nicht, da mir die Gruppe, welcher ich mich anschliessen würde, zu sehr „party people“ sind. Die würden wahrscheinlich die ganzen 45 h im Zug trinken und feiern. Das ist mir zu heftig. Bali fällt auch ins Wasser, da Rui die einzige war, die dorthin wollte, sie aber jetzt in Deutschland ist. Tibet ist mir zu teuer. Und die andern Leute, welche ich kenne, bleiben entweder in Beijing (sie bekommen Besuch) oder gehen nach Shanghai. Shanghai will ich lieber mal ein Wochenende erkunden. Hm, was gibt’s noch? Ach ja, Hainan, das sog. „Hawaii Chinas“. Aber da würde ich mich Marie anschliessen und das ist keine so gute Idee. Sie ist zwar sehr nett und lustig, gibt aber definitiv zu viel Geld aus. Die Woche mit ihr würde wahrscheinlich meine gesamte Urlaubskasse sprengen.

Sie ist mit ein paar andern Mädels unterwegs, die sind einfach von einer andern Welt. Alles Hongkong-Chinesinen. Es ist mir sowieso aufgefallen, dass recht viele Leute aus Hongkong „herunterschauen“ auf die andern Chinesen. Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann. Klar, sind viele vielleicht weniger „zivilisiert“ wie in unserem Sinne. Aber westlicher heisst noch lange nicht besser, oder?

Die Girls jedenfalls müssen alle steinreiche Eltern haben. Laufen nämlich alle nur mit Prada, Marc Jacobs (kannte ich vorher gar nicht), Gucci, etc. herum. Echte Marken, keine Fälschungen, egal ob Sonnenbrille, Gürtel, Tasche oder Geldbörse. Ich kann damit aber nicht viel anfangen und laufe weiterhin mit einigen Fakesachen herum. Wenn es mir gefällt, ist es mir egal, dass irgendwo ein Logo draufsteht. Aber ehrlich gesagt fühle ich mich schon ein wenig merkwürdig, wenn ich mit den Girls unterwegs bin. Alles dreht sich um Klamotten oder Guys oder Essen. Komme mir manchmal vor wie in so einer amerikanischen Uni-Komödie. Eine von ihnen wohnt nicht auf dem Campus sondern in einem riesigen Luxusapartment Downtown. Die andern wohnen zwar auf dem Campus aber in den Deluxe-Zimmern. Das ist für mich alles nochmals eine andere Welt in einer anderen Welt.

Und definitiv nicht meine. Die Mädels sind nämlich trotz des Geldes nicht glücklicher. Im Gegenteil, sie haben keine grossen Ziele oder Pläne, auch nicht beruflich. Wer schon alles hat, kann sich auf gar nichts mehr freuen.

Ich hatte die ganze letzte Woche nur kaltes Wasser, einen Stromausfall und gestern den ganzen Tag kein Internet. Nervt zwar ganz schön und wünsch mir ab und zu auch etwas mehr Luxus herbei, aber so lerne ich wenigstens Dinge zu schätzen. Ich freue mich jeweils riesig, wenn wir z.B. wieder warmes Wasser haben.

04 April 2006

Schussel

Das war alles sehr unerwartet gestern. Vielleicht deshalb ist mir heute Morgen etwas ziemlich Bescheuertes passiert. Ich bin erst ca. 3 Uhr schlafen gegangen und habe noch ein SMS in die Schweiz schicken wollen. Dafür muss ich aber immer die SIM-Karte wechseln. Ich habe meine Chinamobile Karte also rausgenommen und einfach in meinen Hausschuh, also so „Schlarpen“, neben dem Bett gelegt, da ich auf meinem Bett sass und die Schuhe gerade daneben standen. Dann bin ich eingeschlafen und habe die SIM-Cards nicht mehr zurück gewechselt.

Um 7.15 bin ich aufgestanden, habe mich umgezogen und bin schlaftrunken in die Hausschuhe geschlüpft. Dann habe ich Xiu Min abgeholt und wir sind zu Rui. Zur kompletten Abmeldung und Geldrückerstattung sind war mit ihr mit ihr noch ein paar Häuser weiter gelaufen zur Rezeption. Dann wieder zurück und sich von ihr verabschieden. Xiu Min ist in die Schule und ich zurück zum Dorm, da ich Nachmittagunterricht hatte. Ja genau, alles in den Hausschuhen, wo ich die SIM-Karte reingetan hatte. Im Zimmer ist mir das dann auch eingefallen. Natürlich war die Karte nicht mehr in den Schuhen. Super. Also nochmals die ganze Strecke ablaufen und alle möglichen Angestellten fragen. Ja, auf Chinesisch. Gar nicht so einfach. Verstanden haben sie mich schon, aber abgegeben wurde nichts. So hinterliess ich einfach meine Zimmernummer falls die Karte doch noch auftauchen sollte.

Gegen Mittag hatte ich noch immer nix gehört und so bin ich halt zu einer Rezeption wo die eine Angestellte ein kleines bisschen Deutsch kann. Ich wollte nämlich unbedingt meine Nummer behalten, wusste aber nicht, ob das bei einer Prepaid Karte in China möglich ist. Nach einigem Hin und Her und der regen Benutzung meiner Körpersprache und einem kleinen Chinesisch-Wörterbuch haben die dann die Hotline von China Mobile angerufen. Man kann die Nummer behalten. Allerdings muss man zu einem China Mobile Geschäft gehen mit der PIN-Karte (hat man beim Kauf bekommen) und einem Pass. Hört sich einfach an und das nächste Geschäft war am Wudaokou, also nicht so weit weg. Naja, dort haben die mir dann erzählt ich müsse zum Zhongguancun, nochmals etwa 15 Min mit dem Taxi. Lange Rede kurzer Sinn. Ich bin also dorthin, das ist ein riesiger Digitalmarkt. Irgendwie habe ich China Mobile auch gefunden und - oh Wunder - es hat geklappt. Die konnten zwar kein Englisch aber mittels meines Büchleins und Zeichensprache ist es gegangen. Ich musste nur knapp 3.50 CHF zahlen, hatte eine neue Karte mit der alten Nummer und sogar noch mit dem ursprünglichen Kredit von ca. 15 CHF drauf.

Also, ich glaube jetzt kann ich mich defintiv in China durchschlagen, egal worum es geht ;-)

Bye-bye Rui! 再见我的朋友 !

Rui ist jetzt im Flieger nach Deutschland. Gestern früh hat sie erfahren, dass sie an der Uni in Berlin zum Medizinstudium angenommen wurde. Das heisst, sie muss sich diese Woche dort vor Ort einschreiben. Habe mich zwar sehr gefreut für sie, aber das hiess natürlich auch Hals über Kopf abreisen. Mit Rui habe ich hier am meisten Zeit verbracht. Wir hatten auch den gleichen Stundenplan und sind jeden Tag zusammen zur Schule geradelt und Essen gegangen.

Gestern hat sie es also geschafft innerhalb eines Tages ihr Fahrrad zu verkaufen, ihre ganzen Sachen zu packen, die Dining Hall Karte zurückzugeben und sich vom Unterricht und dem Dorm abzumelden und was sonst noch so anfiel. Habe wirklich gestaunt!

Xiu Min und ich (wir versuchen uns jetzt nur noch auf Chinesisch zu unterhalten) haben ihr abends dann noch ein paar kleine Andenken besorgt. Ein Stoffhuhn (Die Form von China wird mit der eines Huhnes verglichen. So wie es bei der Schweiz ein Schwein ist), Nori (Algenblätter, die essen wir hier tonnenweise als Snack), eine Art „Maronni“ aus der Tüte und ohne Schale, eine Kaugummibox wo separat ein Stapel Papierstückchen für die Kaugummientsorgung drin ist (praktisch und sieht lustig aus), „Getrocknete Fische“-Snack (sie hat so Zeug gerne), Kekse und einen guten Tee. Wir sind dann zusammen mit andern Freunden etwas trinken gegangen. Eine kleine „Abschiedsrunde“ also.

Tja und heute morgen hiess es dann zaijian, byebye Rui. Du liest bestimmt den Blog mal in Deutschland. Hier in China war das ja nicht möglich. Ich bin doch „zensiert", also die Seite wird nicht angezeigt. War eine super Zeit und wir haben vieles zusammen unternommen. Danke für alles und viel Erfolg beim Medizinstudium. Komme dich sicher mal besuchen!
我想你,再见

03 April 2006

Fiesta Latina in China

Was für eine Party! Beim Salsakurs gestern sind auch Hernando und sein Freund dabei gewesen. Hernando hatte ich vor ein paar Wochen kennengelernt. Er ist Kolumbianer und war damals – ohne Englisch- oder Chinesischkenntnisse – total verloren. Ich freute mich auf jeden Fall, wieder Spanisch reden zu können und er hatte endlich jemanden um sich zu unterhalten. Eine Weile später hat er dann auch noch einen anderen Kolumbianer kennen gelernt. Dessen Eltern vertreiben Kinderspielzeuge aus China in Südamerika. Er ist schon ein Jahr hier und arbeitet in der Firma. Jedenfalls habe ich ihn gefragt, ob sie nicht ins Caribe Salsa mitkommen wollen. Ich hatte Gutes davon gehört und wollte mir das einmal anschauen. Er kannte den Club bereits und so bin ich dann mit den zwei Jungs und noch einem Freund von ihnen (Rui wollte nicht mitkommen und auch die anderen Chinesen vom Kurs liessen sich nicht überreden) kurze Zeit später losgebraust Richtung Sanlitun.

Das Caribe Salsa war super! Sehr schön eingerichtet, viele Leute (vorallem Asiaten und Latinos), eine Liveband und eine tolle Atmosphäre. Wir hatten enorm viel Spass. Die drei Jungs sind so lustig. Ich habe mich auch mit ganz vielen andern hier unterhalten (Chilenen, Brasilianer, Mexikaner) und alle hatten eine interessante Geschichte zu erzählen, wieso sie in China sind, was sie hier machen, usw. Viele sind aus Business-Gründen hier, mehrere haben bereits ein Geschäft eröffnet. Langsam habe ich aber ein riesen Sprachendurcheinander. Spanisch, Deutsch, Schweizerdeutsch, Französisch, Englisch, Chinesisch, nicht selten kommen alle Sprachen an einem Tag zum Einsatz. Da vermische ich ab und zu alles. Es gab dann so Sätze wie „Wo (Chinesisch) voy al baño (Spanisch)“. Ich merke übrigens auch, dass – zumindest mein geschriebenes - Deutsch sich zunehmends verschlechtert. Merkt man bestimmt an meinem Blog. Meine Grammatik und die Wortwahl lässt schon zu wünschen übrig. Na wenigstens habe ich eine gute Entschuldigung.

Wir haben im Caribe Salsa 2 Flaschen Tequila getrunken. Die Jungs aber mehr davon als ich, denn so um die 5 Uhr morgens hatte ich meine liebe Mühe die Truppe zusammenzuhalten und in ein Taxi zu bringen. Mit denen gehe ich aber bestimmt wieder aus, habe mich prächtig amüsiert.

01 April 2006

春天 Frühling in Beijing

Es grünt und blüht an allen Ecken und Enden. Der Frühling hat jetzt auch die „Wüstenstadt“ Beijing erreicht. Auf dem ganzen Campus wird bewässert, an- und umgepflanzt was das Zeug hält. Ich konnte also auch endlich ein paar schöne Fotos vom Campus schiessen. Es gibt hier zum Beispiel einen wunderschönen kleinen Park. Da bin ich vor dem Kungfu-Unterricht hingefahren und habe losgeknippst. Apropos Frühling, seit letzter Woche gilt in Europa ja die Sommerzeit. Hier in China kennt man das nicht. Um so besser, dann beträgt der Zeitunterschied jetzt nur noch 6 Stunden.

Für mein Zimmer habe ich mir einen Strauss Fresien gekauft. Die duften traumhaft und bringen etwas Farbe in meine karge Behausung. Verglichen mit den Zimmern der Koreanern ist das aber gar nichts. Allein die Bewohner meines Stockwerks müssen ja die halbe IKEA (ja, die gibt’s hier auch) leer geräumt haben. Rosarote Gardinen, pinke Teppiche, Posters von Audrey Hepburn (?), Türhänger, alle (un-)möglichen merkwürdigen Figürchen und Wandschmuck, alles ist zu finden. Ich frage mich, wie das alles in den knapp 12 m2 Platz findet. Die meisten haben übrigens auch Kochplatten und Kühlschränke besorgt, unglaublich. Das ist zwar praktisch, aber für meinen kurzen Aufenthalt keine Investition wert.

Ich habe eine neue Ausflugsidee. Sobald es noch etwas wärmer wird, will ich gerne auf der grossen Mauer übernachten. Am Besten bei Vollmond. Und am nächsten Tag den Sonnenaufgang bestaunen. Ich habe die Idee bereits ein paar andere Studenten schmackhaft gemacht, denn so was ist in einer Gruppe am Besten. Wir würden dann zur Mauer fahren, eine ganze Weile darauf wandern um ein gutes Plätzchen zu finden und dann in Schlafsäcken campieren. Das muss traumhaft sein! Sobald das Wetter mitspielt, will ich das auf jeden Fall auf die Beine stellen.