„Mei you“, das Unfreundlichkeits-Syndrom
83 Punkte von 100! Juhui, das ewige Lernen zahlt sich endlich aus! Bei diesem Hörverständnis-Test habe ich schon ein paar überholt, welche schon viel länger vor mir mit Chinesisch angefangen hatten. Super, das motiviert richtig. Ist auch nötig. In zwei Wochen haben wir die Midterm-Prüfungen. Das wird heftig werden.
Ich habe jetzt aber auch einen fudao laoshi. Einen „Nachhilfe-Lehrer“. Er studiert an der Tsinghua Uni und heisst Sunzhan Kun. Auch hier gilt selber organisieren. Meine Nachbarin hatte einen Aushang beim Studentendorm gemacht, wo sie nach einem chinesischen Studenten sucht, welcher mit ihr vor allem das Mündliche üben kann. Da haben sich gleich ein paar gemeldet und zwei davon hat sie sich angeschaut. Ein Mädchen und ein Junge. Sie hat sich für das Mädchen entschieden und da sie die Nummer von ihm noch hatte, vereinbarte ich gleich einen Termin mit ihm.
Wir treffen uns jetzt zwei Mal die Woche für 1.5 Stunden und reden einfach. Nur Chinesisch. Ich lerne nicht nur etwas für meine Sprache sondern auch mehr über das chinesische Denken. Man erfährt einiges, wenn man einfach naiv fragt und das Entgegnete nicht beurteilt oder kommentiert.
Ich hatte Sunzhan Kun gebeten, mir beim nächsten Mal mehr über die verschiedenen Regionen und Städte Chinas zur erzählen. Er ist dann auch in die Bibliothek gegangen und hat mir ein Buch mitgebracht. Wir kamen dann auf Tibet zu sprechen. Ich habe ihn gefragt, wieso der Dalai Lama nicht in Tibet sein kann. Chinesen seien doch Buddhisten.
Er hat dann geantwortet, dass die meisten Chinesen nicht gross was mit Religion am Hut haben. Die Mehrheit glaubt nur an "Etwas": Marx!
Der Dalai Lama dürfe nicht nach Tibet, weil er ein von China unabhängiges Tibet will. Was Sunzhan Kun mit einem Kopfschütteln erzählt.
Er erklärte mir allerhand über die verschiedenen Provinzen Chinas. Bei Hunan erwähnte er natürlich auch, dass dort „Chairman Mao“ herkäme, „ein sehr intelligenter Mann“.
Die Zeit vergeht wie im Flug und nach jeweils 1.5 Stunden zahle ich ihm auch gleich den Lohn. 30 Yuan (5.5 CHF). Ist ein bequemer und guter Nebenerwerb für die chinesischen Studenten.
In dieser Woche bin ich zusammen mit einer Freundin aus der Klasse zur „Ladies’ Street“ gefahren. Ich habe davon im Internet gelesen. Soll eine Strasse mit Shops nur für Frauen geben. Auf den Fotos jedenfalls sah das gar nicht schlecht aus.
Naja, die Wirklichkeit war dann schon ein bisschen anders.
Es gab zwar sehr viele Kleidung dort, aber davon gefiel mir überhaupt nichts. Am meisten gestört hat mich aber die Unfreundlichkeit der Verkäuferinnen. Das ist leider nicht nur dort so. Ich habe immer gedacht, in China würde man als Kunde bestimmt besser behandelt werden als in der Schweiz. Falsch. Diese Erfahrung habe ich auf jeden Fall in den meisten Banken, Apotheken, Shoppingmalls, Kantinen, etc. gemacht. Wieso nicht weiterhin Zeitung lesen obwohl ein Kunde gerade nach einem Produkt fragt? Der Boden in Restaurants wird geputzt während man am Essen ist und allgemein wir Hilfsbereitschaft auch nicht grad gross geschrieben. „Mei you“ hat sich mehr als jeder andere Ausdruck bei mir eingeprägt. (wörtlich übersetzt:“ hat’s nicht“, heisst aber meistens ganz einfach „ich habe keine Lust auf jeglichen Aufwand“). Das Vorbereitungskomitee der Olympischen Spiele 2008 sollte den Ausdruck offiziell streichen, das nervt nämlich ziemlich.

1 Comments:
I just look at the Mandarin book from Guido. There is a test sheet...the score is 94! I'm wondering whether the full score is 200 :P Come on and step by step, you will have a further progress! Looking forward to talking with you in Chinese when you return! Ciao~
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