Kungfu, Kakerlaken und brauner Regen
Am Dienstag war mein zweites Wahlfach dran, Kungfu. Da kannte ich mich überhaupt nicht aus. Aber ein bisschen Sport muss bei diesem ganzen öligen Essen auch sein und wenn ich schon in China bin, dann auch chinesischer Kampfsport.
Treffpunkt war nach der Schule neben dem Sportplatz. Unterrichtet wurden wir von einer Frau. Wie schon beim Pronounciation Kurs gings los mit einer Einführung über Kungfu. Auf Chinesisch. Dieses Mal habe ich überhaupt nichts verstanden. Danach machten wir verschiedene Dreh- und Schlagübungen. Ich fands faszinierend, bei dem Kurs bleib ich sicher.
Am Freitag nach der Schule machten wir uns auf den Weg zur Wangfujing. Das ist eine Einkaufsstrasse im Zentrum. Rui hatte sich dort mit einem der „Gipsy Kings“ vom Lush verabredet. Sie wollte für ihren Freund eine Gitarre kaufen und Egbert (was habe ich bereits über die englischen Namen von Chinesen geschrieben?) wollte ihr behilflich sein. Er schleppte uns in einen kleinen Musikladen mit einer Unmenge an Gitarren und mir unbekannten Instrumenten. Faszinierend. Rui schaute sich Ewigkeiten um und fotografierte jedes potentielle Kaufobjekt. Egbert spielte Wunschkonzert. „Can you play knockin’ on heaven’s door?“ Kein Problem. Er konnte sogar „Volare“. Nachdem Rui schliesslich alles inspiziert hatte und ich ein paar Fotos von chinesischen Instrumenten gemacht hatte, gings weiter. Diesmal ohne Egbert. Der hatte noch was vor. Wir landeten auf einer Art „Foodstreet“. Etwa 100 Meter lang nur Essstände. Da gabs Lammspiesse (sehr lecker), Früchte, Süssigkeiten und (sehr eklig) Spiesse mit allem Möglichen. Kakerlaken, Maden, Seepferdchen, Heuschrecken, so was wie Minikrokodile, Froschschenkel. Hier die Fotos. Achtung, nicht kurz vor oder nach dem Essen zu Gemüte führen!
Nach dem kulinarischen Ausflug machten wir uns auf den Weg zu einem Buchladen.
Bereits mehrer Leute hatten mir unabhängig voneinander zu einem gewissen Buch namens „Wild Swans“ geraten. Eine Geschichte über eine chinesische Familie über drei Generationen. Es handelt vom wahren Leben und es geht auch ziemlich detailiert um die politische Geschichte Chinas. Bekommen kann man das Buch nur in grösseren Buchläden und auch nur wenn man danach fragt. Es ist halt nicht so gerne gesehen.
War bei mir auch so, als ich danach gefragt habe, hat die Verkäuferin wortlos eine Schublade aufgemacht, hat mir den knapp 700 seitigen Roman in die Hände gedrückt und ist verschwunden. Ich hoffe, ich finde die Zeit es zu lesen.
Auf dem Weg zurück fings an zu regnen. Regen in Beijing. Das ist auch ein Kapitel für sich. Der Regen ist dreckig. Richtig dreckig. Wenn man eine schwarze Jacke anhat, ist die innert kürzester Zeit voller brauner Flecken. Die Luft ist so verschmutzt, dass die Regentropfen auch richtig dreckig werden. Nach einem Regenschauer sind alle Autos auf der Strasse so braun, als wären sie im grössten Schlamm im Gelände herumgefahren. Das ist wirklich erschreckend. Auswirkungen der Umweltverschmutzung von Nahem. Alles Gute kommt von oben? Nicht in Beijing!

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