30 Juni 2006

Killing Fields und S-21

Habe mich heute um 8 Uhr aus dem Bett gequaelt und eine kalte Dusche genommen. Danach hab ich meine Tasche gepackt und bin an den Tisch mit der tollen Aussicht auf den See gesessen. Waehrend des Fruehstuecks habe ich einen anderen Reisenden kennengelernt, der gerade am Lesen war. Er ist Chinesisch-Kanadier. So konnte ich gleich noch ein bisschen mein Chinesisch auffrischen, wir haben uns ueber China, Kambodscha und Thailand unterhalten. Es war sehr interessant und als er mir erzaehlt hat, dass er noch ein paar Tage in der Unterkunft bleiben wird, habe ich mich - auch in Anbetracht des ansonsten viel zu grossen Stresses - dazu entschieden, auch noch einen Tag dort zu bleiben. Er hat mir uebrigens auch dazu geraten, die Malariaprophylaxe nicht mehr einzunehmen. Ich haette das Zeug sowieso nicht mehr genommen nachdem es mir so einen Brummschaedel verursacht hat. Der junge Kamdoschaner vom Hotel hat mich dann mit dem Motorrad auf der staubigen Landstrasse (mein ganzes Gesicht war danach braun) zu den etwa 15 Km entfernten Killing Fields gebracht. Hier befinden sich die Massengraeber der durch die Khmer Rouge ermordeten Menschen. Schaetzungsweise 2 Mio Menschen fielen der Schreckensherrschaft zum Opfer. Es ist so schrecklich. Aus dem Boden wachsen die Kleider mit dem Gras an die Oberflaeche und in einer Glasvitrine befinden sich tausende Schaedel aufeinander gestapelt. Es ist schwer nachvollziehbar, was sich hier abgespielt haben muss. Spaeter am Nachmittag sollte ich eine groessere Ahnung davon bekommen.
Der Junge, leider konnte ich mir seinen Namen nicht merken, hat mich danach zu einem Markt gebracht, da es noch frueh war und das Tulum Sleng Genozid Museum wuerde den Dokumentarfilm, den ich unbedingt sehen wollte, erst um 3 Uhr zeigen.
Bin erstaunt, wie wenig Touristen ich bis jetzt gesehen habe.
Das Tuol Sleng Gefaengnis, auch S21 genannt, ist eine ehemalige Schule. Hier erhaelt man einen Eindruck der unfassbaren Greueltaten. Bevor ich nach Kambodscha kam, wusste ich nur sehr wenig darueber. Um so tiefer hat es mich getroffen, hier vor Ort zu sein und mir bewusst zu werden, was zwischen 1975 und 1979 am gleichen Ort geschehen ist. Alle Eingelieferten wurden vor der Inhaftierung fotografiert. Nur 7 von allen hier angekommenen Menschen (etwa 20'000) haben ueberlebt. Als ich vor einem Foto von einer Mutter mit ihrem Baby stand, bin ich in Traenen ausgebrochen. Auch sie sind beide umgekommen. Die wenigsten wurden erschossen, das kostete Munition. Erschlagen war die haeufigste Methode, wenn die Opfer nicht schon waehrend der unzaehligen Folterarten umgekommen waren. Man kann sich nur vor Ort ein Bild davon machen. Ich habe mir mit etwa 10 anderen Besuchern (hierhin kommen taeglich ca. 50 Leute) den Dokumentarfilm angesehen. Mir ist das Blut in den Adern gefroren, was fuer ein gebeuteltes Land. Erst der Vietnamkrieg, die unzaehligen Minen, welche noch immer eine grosse Gefahr darstellen und das Massaker an eigenen Landsleuten. Kambodscha wurde um seine Zukunft beraubt, praktisch alles Gebildeten wurden umgebracht, nur einfache Arbeiter wurden verschont. Ein Drittel der ganzen Bevoelkerung ausradiert. Das uebersteigt meine Vorstellungskraft. Ich bin wie betauebt und schwer betroffen aus Tuol Sleng Lager herausgelaufen. Draussen bettelnde Minenopfer. Mir taten all die Kambodschaner so Leid, sie alle muessen in irgendeiner Art und Weise direkt von dem Massenmord betroffen sein. Das Ganze hat ja erst vor 17 Jahren aufgehoert.
Der Junge vom Hotel hat mich wieder abgeholt und er hat noch einiges ueber Kambodscha und sein Leben erzaehlt. Zueruck im Hotel hab ich ihn auf einen Drink eingeladen und noch mehr mit ihm geredet. Er hat mir z.B. erzaehlt, dass zwar viele Laender Geld spenden, aber die Regierung sehr korrupt ist und das gleich selber einsackt. Neben dem Koenig (der hat praktisch keine Macht) gibt es einen Premierminister, welcher regiert. Allerdings wollen ihn die Kambodschaner wegen seiner Korruptionen nicht. Alle 5 Jahre koennen sie zwar waehlen, aber bei der letzten Wahl, bei der viele fuer die Opposition gestimmt haben, ging schon wieder er als Sieger hervor. Seit 15 Jahren. Ich war erstaunt ueber seine Aeusserungen und hab ihn gefragt, woher er das weiss. Er hat gesagt, er rede mit den Leuten und er hoere die Nachrichten im Radio. Das Radio sei unter amerikanischer Kontrolle, daher duerfen sie solche Dinge aeussern.
Ich hab ihm 20 Dollar gegeben. Ja, normalerweise gibt man einem Fahrer 8 Dollar, aber er hat nicht viel und war so liebenswuerdig und ich habe einiges von ihm gelernt. Ich kann mich gluecklich schaetzen, nicht wie er oder viele ander aufgewachsen zu sein.
Fuer den naechsten Tag habe ich die Busfahrt nach Siam Reap gebucht. Die kostet nur 5 Dollar (Flug waere 65 Dollar plus Flughafentaxe von ueber 20), ich sehe was von der Landschaft und kann das Geld fuer bessere Zwecke in Siam Reap spenden.

29 Juni 2006

Entering Cambodia

Wieder um 6 Uhr aufstehen, Fruehstuck und per Boot zu einer schwimmenden Fischfarm und dann in ein Dorf von einer Vietnamesischen Minderheit "Cham". Sie gehoren dem islamischen Glauben an. Die Cham sehen anders aus als die meisten andern Vietnamesen. Wie erwaehnt, Fotos folgen. Ich war ziemlich muede und froh, als ich dann auf ein Speedboot Richtung Kambodscha gestiegen bin. Jetzt war ich wieder alleine unterwegs. Die Vietnamesen, die ich sofort in mein Herz geschlossen hatte, fuhren zueruck nach Saigon (ja, hier nennen sogar die Vietnamesen aus dem Norden die Stadt so, auch die Reisefuehrer. Sogar mein Flug aus China habe ich mit der Destination "Saigon" gebucht. Nur Nguyen hatte von Ho Chi Minh City gesprochen. Der Italiener und die Englaenderinnen fuhren mit einem andern, langsameren Boot zur Grenze. Ich musste etliche Papiere ausfuellen und habe zum Glueck auch meinen Ausreiseschein (bei der Einreise erhalten) sorgfaeltig aufbewahrt gehabt. Nach etwa 2 h (schwer zu schaetzen) kamen wir zur Grenze, hier mussten wir das Boot verlassen und in einem kleinen Haeuschen warten, bis der Bootsfahrer die Formalitaeten zur Ausreise erledigt hatte. Dann wieder ins Boot und nach einer kurzen Fahrt wieder raus, p[ass in Empfang nehmen und am Schalter einen Stempel einholen. Wieder zueruck ins Boot und noch mal etwa 4 Stunden Fahrt. Hab versucht zu schlafen, mit Kopfhoerer und chinesischer Musik auf dem i-Pod. Hat nicht geklappt, dafuer wars einfach zu unbequem.
Endlich, am fruehen Nachmittag Ankunft in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Und gleich ein kleiner Schock. Hier standen unzaehlige Kamdoschaner, welche mir unbedingt eine Motorradfahrt aufquatschen wollten. Puh, ich alleine mit meiner grossen Tasche, sehr erschoepft und mit Kopfweh (wahrscheinlich wegen der Malariaprophylaxe), keine Ahnung vom Land und um mich min. 10 Leute, welche gleichzeitig auf mich einreden:"Miss, Motobike, 1 Dollar, I bring you to Hotel. Miss, Motobike, 1 Dollar, you come with me!", etc. etc. Nachdem ich mitsamt dem ganzen Gefolge zum Quai hochgelaufen war, wusste ich ueberhaupt nicht mehr, wohin ich schauen oder wem ich hier trauen sollte. Zum Glueck sprach mich dann eine englische Frau an, welche mir eine Unterkunft anbot, in der sie selbst seit 2 Wochen sei. Der dazuegehoerige Fahrer wuerde mich gratis dorthin bringen. 3 Dollar pro Nacht, direkt am See. Okay, da bin ich dann auch hin. Das Lakeside Guesthaus stellte sich dann zwar als bereits ausgebucht aus, aber dasjenige daneben hatte noch ein Zimmer. Sehr klein, die 2 Fenster waren ohne Glas nur mit Vorhaengen, Dusche war darin gebaut, Kaltes Wasser, Ventilator, Moskitonetz, keine Klimaanlage (das war nicht so schlimm, mag die sowieso nicht) und das ganze stand nach Pfahlbauart im See drin. Hab es dann aber genommen, 3 Dollar war okay. Hab mir dann noch dort ein leckeres Rind-mit-Tamarindsauce-Znacht gegoennt und bin etwas durch die Gegend geschlendert. Nicht grad vertrauenserweckend. Neben den 3 Gaestehaeusern war die Gegend naemlich von eher aermeren Kambodschanern bewohnt und die Strasse ist ein staubiger, voller grosser Steiner und Schlagloecher uebersaeter Weg. Auf den Daechern habe ich einzelne Affen gesehen.
Hab ohne Erfolg versucht, meine Fotos in einem der Internetcafes hochzuladen. Die Verbindungen waren einfach zu langsam. In dem Internetcafe hab ich übrigens auch eine Vermisstenanzeige der englischen Botschaft gesehen. Die suchen seit ein paar Tagen nach einem vermissten englischen Backpacker.
Je spaeter es wurde um so schlimmer wurde mein Kopfweh auch mein Husten wurde immer staerker, resp. der Schmerz im Hals, wenn ich hustete. Leider habe ich im Internet keinerlei nuetliche Infos zum Thema Malariaprophylaxe fuer meine Reiseziele oder dieses Doxycyclin gefunden. Haette das Mittel naemlich gerne abgesetzt. Hab meiner Mutter geschrieben, ob sie das irgendwie fuer mich in Erfahrung bringen kann bis zum naechsten Morgen, da muesste ich naemlich die naechste Tablette einnehmen.
Bin dann durch die dunkle Gasse (ja, es war mir wirklich mulmig) ueber die Steine Richtung Gasthaus gestolpert und habe dabei mehr oder weniger den Atem angehalten, als mich die Einwohner alle schraeg angeguckt haben.
In meiner Bleibe angekommen habe ich dann noch mit dem sympathischen jungen Fahrer vom Nachmittag eine fruehe Tour fuer den naechsten Tag vereinbart. Ich wollte am Nachmittag mit dem Flugzeug nach Siam Reap.
Die Nacht war nicht sehr angenehm, mein Kopf haemmerte wie wild und mein Hals fuehlte sich wie innen wund an. Meine Lymphknoten waren stark angeschwollen.
Ausserdem laermten die Jungs draussen und schauten einen Film.
Ich wollte einfach nur noch einschlafen...

28 Juni 2006

Krokodilfleisch? En Guete

Schon frueh morgens gings los mit dem Bus Richtung Mekong Delta. In Mytho City sind wir auf ein Motorboot umgestiegen und auf dem Mekong herumgeschippert. In dieser Gegend gibt es 4 Inseln namens Schildkroete, Drachen, Einhorn und Phoenix. Sie beschuetzen angeblich Buddha: Zu ihren Ehren wurden die Inseln daher so genannt. Auf einer Insel haben wir eine Kokosnuss-Suessigkeiten Anlage besucht. Wir wird Kokosnuss mit Malz zu Bonbons verarbeitet. Alles ganz natuerlich und schmeckt suendhaft gut. Hab mir gleich 2 Paeckchen mitgeben lassen. Hoffe, die machen es bis in die Schweiz. Hier gibts auch Schlangen, da hab ichs mir natuerlich nicht nehmen lassen, so eine Python auf die Schultern zu nehmen. Auf der selben Insel gibt es auch viele Bienen und die Imker stellen damit u.a. Honigwein und -tee her. Haben wir natuerlich alles ausprobiert.
Auf der Einhorn Insel spaeter dann konnten wir viele Fruechte ausprobieren: Jackfruit, Drachenfrucht, Ananas, Rambutan, Saboudella, Longan und andere. Abends habe ich dann das Zimmer mit einem etwas merkwuerdigen Kanadier geteilt. Wir sind zusammen Schlange essen gegangen. Schmeckt nicht atemberaubend, aber wir wolltens halt mal ausprobieren. In der Nacht hab ich mir sehr viele Moskitostiche eingefangen. Es gab naemlich keine Netz und oben an der Wand kam durch viele Loecher das Licht auf dem Gang herein und mit ihm auch die unerwuenschten Gaeste.

28.6.
6 uhr aufstehen, Hilfe schon wieder so frueh! Heute gings zum Floating Market, hier hab ich wieder ganz viele Fotos gemacht. Wir sind auf eine kleine Reisfarm und haben gesehen, wi hier Reisnudeln und -papier hergestellt wird. Zurueck im Boot habe ich dann mit der vietnamesischen Gruppe, die mitunterwegs war, herumgealbert. Die hatten grosse Freude an meinem Vietnamesisch Woerterbuch. Ich weiss jetzt auch, was "Ich liebe dich" auf Vietnamesisch heisst: "ehm yueh ahm" (wenns eine Frau zu einem Mann sagt und "ahm yueh ehm" wenns der Mann zur Frau sagt. Wie das wohl bei gleichgeschlechtlichen Paaren heisst?) Wir haben sehr viel gelacht. Seit heute habe ich einen merkwuerdigen Husten, mein Hals fuehlt sich trocken an. Ausserdem habe ich etliche Mueckenstiche abbekommen. Aus dem Grund habe ich hab mir eine Malaria-Prophylaxe gekauft "Doxycyclin Stada", weil der Italiener und die beiden Englaenderinnen, welche neben der Gruppe Vietnamesen noch mit dabei waren, auch alle Malaria-Prophylaxe nahmen. Das Mittel, welches mir Izy und Hanna (die englischen Girls) empfohlen hatten, gab es nicht, daher hab ich halt das oben erwaehnte gekauft. Lorenzo, der Italiener hatte dasselbe, allerdings fuer ein Vielfaches des Preise da in Italien gekauft.
Naechster Stop war die Krokodilfarm auf dem Weg nach Chau Doc. Die werden hier zum Verzehr gezuechtet. Hier haben wir sogar Krokodilfleisch und ein paar Krokodileier gekauft, einfach um das mal auzuprobieren.
In Chau Doc haben wir verschiedene Tempel angeschaut. In einem wohnen Moenche und als wir angekommen sind, waren die gerade in einer Zeremonie. Ich habe zuvor noch gar nie gehoert, dass es auch weibliche buddhistische Moenche gibt. Heissen die dann Moenchinnen? Toent komisch. Diejenige, die ich getroffen habe, hatte sehr viel Freude an mir, wollte unbedingt auf ein paar Fotos und hat mir in die Backe gekniffen und allen moeglichen Kauderwelsche von sich gegeben, habe natuerlich nix verstanden. War aber sehr witzig. Kann es gar nicht erwarten, die Fotos irgendwann auf meine Seite zu laden, da sind ein paar ganz traumhafte dabei! Allerdings sind die Leitungen hier so langsam, das kann also noch ein paar Tage warten.
In einem der Tempel hat mir die eine Vietnamesin der Gruppe 3 Raeucherstaebe in die Hand gedrueckt. Ich habe ihr dann einfach alles nachgemacht und mich vor einer Buddhastatue ein paar Mal verbeugt und einen der Staebe in eine Schale gesteckt. Dann habe ich mich umgedreht und dasselbe noch zweimal vor ander Statuen gemacht. In dem Dorf gibt es offenbar sehr wenig Tourismus, wir 4 Westler wurden naemlich ganz schoen angestarrt von allen.
Abends hat das Hotel unser Krokodilfleisch und die -eier gekocht und serviert. Wie's geschmeckt hat? Die Eier waren gut, aber das Fleisch, na ja, nichts Besonderes. Ein bisschen zaeh und mit ein paar ganz kleinen Knorpel drin. Wir nicht mein Leibgericht werden. Aber war guenstig und interessant zum Ausprobieren. Dann gab's noch ein paar Bier im Dorf und dann zueruck ins Hotel. Wir waren alles recht muede nach dem intensiven Programm. Ich habe das Zimmer mit dem Italiener geteilt. War kein Problem und er hat noch ein bisschen von seinen Reisen durch Nepal und Indien erzaehlt.

26 Juni 2006

"Same same but different"

Heute morgen gabs Baguette zum Fruehstueck im Hotel. Freue mich uebrigens, endlich wieder Brot zu sehen, in China ist das ja eher eine Raritaet. Hier haben sich die Franzosen mit ihren Baguettes verewigt, die werden ueberall auf der Strasse verkauft. Ausserdem gabs noch einen sehr leckeren vietnamesischen Kaffee, der ganz speziell aussieht. Fotos kommen noch. Hab meine Reisetasche geschultert und in einem andern Hotel eingecheckt, das nur 8 Dollar pro Nacht gekostet hat. Dann bin ich in die Stadt gefahren und einfach mal der Nase nach herumgelaufen. Hab mir eine Stadtkarte besorgt und hey, mit Karte bin ich im "Sich-Orientieren" gar nicht so schlecht. Bin zum Hafen geschlender und habe unterwegs tonneweise Fotos geknippst, zwei Monumente von Ho Chi Minh hab ich auch noch gesehen. Ich habe fuer den naechsten Tag auch einen Mekong Delta Trip beim guenstigsten Anbieter gebucht. Da hatte ich auch schon meine Cu Chi Tunnel Tour gebucht. Fuer 3 Tage mit Bootsfahrt nach Pnohm Penh (Hauptstadt von Kambodscha). Am spaeteren Nachmittag hab ich dann mit Nguyen abgemacht gehabt. Wir sind zum Ben Thanh Market gefahren. In etwa vergleichbar mit einer kleinen Version des Silkmarkets in Beijing. Hier kann man allerlei Plunder, Markenkopien, etc. kaufen. Alllerdings war ich auf der Suche nach Souvenirs, also Spezielles aus HCMC. Das gabs allerdings nicht. Schade. Okay, dann halt Shirts. Ich brauchte dringend ein paar Shirts und mir war natuerlich sofort aufgefallen, dass die Mode hier in Vietnam meinen Geschmack sehr viel besser traf als es in China der Fall war. Wir sind also zu einem Shop gefahren und ich hab mich dort eingedeckt. 2 Shirts und ein Kleid fuer 200'000 Dong, als etwa 12 Dollar. Dann sind wir Vietnamesisch Essen gegangen und danach noch ein bisschen durch die Stadt gefahren. War sehr sympatisch und nein, er hat mir wirklich keine Avancen gemacht, sondern mich danach wieder abgesetzt und gesagt, er freue sich, wenn ich ihm mal ein E-mail schreibe.
Hab dann noch einen Dragonfruit-Shake auf einer Terrasse getrunken und dann schlafen gegangen. Die Tour wird anstrengend werden.

25 Juni 2006

Cu Chi Tunnel

Gestern abend hab ich mich bei einem der unzaehligen Reisebueros fuer 3.5 Dollar einen Ausflug zu den Cu Chi Tunnels angemeldet. Dann bin ich in einem vietnamesischen Restaurant Essen gegangen. Die sehr sympatische Serviertochter hat mir nach meinem Nachfragen nach der Spezialitaet dann "crispy noodles" mit Huhn und Gemuese gebracht, dazu noch ein Saigon Bier (obwohl ich sehr selten Bier trinke) und schon fuehlte ich mich sehr viel wohler in dieser fremden Stadt. Uebrigens, habe recht lange nicht verstanden, ob man sie Saigon und Ho Chi Minh City nennen kann. Saigon ist der alte Name, als der Norden und der Sueden noch getrennt waren und letzterer nicht-kommunistisch. Seit der Wiedervereinigung heisst die Stadt also Ho Chi Minh City (benannt nach dem vietnamesischen Revolutionaer Ho Chi Minh). Das ist theoretisch, aber praktisch habe ich hier mehr Einheimische von Saigon als von HCMC sprechen gehoert.
Meine Unterkunft hab ich auch wieder gefunden. Und zwar bin ich wieder zum Hotel wo mich der Receptionist gestern freundlicherweise mit dem Motorrad meiner Unterkunft gebracht hatte. Er hat mich wieder erkannt und bot mir sofort an, mich nochmals dahin zu bringen. Kam mir zwar etwas doof vor, aber was solls. Mein Orientierungssinn ist sowieso nicht der beste. Und hier in dieser Stadt kommt mir sowieso alles wie ein Labyrinth vor. Mein Hotel ist recht versteckt in einer Seitengasse und davon gibts sehr viele.
Am Morgen war ich schon frueh bei dem Reisebuero (hey, habs sogar auf den ersten Anhieb gefunden). Ein kleiner Bus hat unsere Gruppe dann nach Cu Chi (sprich Kuutschi), etwa 40 km von Ho Chi Minh City entfernt, gefahren. Der Reisefuehrer war ein etwas aelterer Herr, der sehr viel ueber die Underground City wusste.
In Cu Chi befindet sich ein ca. 250 km langes Tunnelsystem. Der Bau begann zu Zeiten des franzoesischen Krieges und war waehrend des Vietnamkrieges als Untergrundstadt genutzt worden. Oben auf der Erde suchten die Amerikaner den Vietcong und unter ihnen sass er. In Tunnels, so eng, dass kein Nichtvietnamese durchpasste. Jetzt sind Teile für die Touristen erweitert worden auf 1.20 m Hoehe und 0.8 m Breite. Ist nichts fuer Klaustrophobiker. Wir sind auch in die Schaechte herabgestiegen und haben uns durch die Gaenge gemueht. Bin ja fuer viele Spaesse zu haben, daber das war wirklich beangstigend. Man ist in diesem winzigen Gang, sieht praktisch nix, es ist sehr heiss und stickig und man muss sich in einer Art Kauerposition fortbewegen, extrem anstrengend. Etwa 30 Meter bin ich drinnen herum gekrochen. Habe leise Panik in mir hochkommen gespuert. Ich war wirklich froh, als wir endlich zu einem Zwischenausgang angelangt waren. Nur raus hier! Unglaublich, dass Leute hier jahrelang gelebt hatten; Es gab Schlafräume, Lazarette, Waffenwerkstätten und Kuechen. Es ist sehr eindruecklich, was die sich alles haben einfallen lassen und wie gut durchdacht das System war; versteckte Luftloecher, Rauchabzuege und Fallen im ganzen Dschungel oberhalb. Unser Guide hat uns die mannigfachen Fallen vorgeführt, die der Vietcong erfunden hatte: Türfallen, Souvenirfalle, Dreh-, Kipp-, Wipp-, Kugel- oder Zweiwalzenfalle, unangenehm kreativ, scharfe Pfeile aus Stahl oder Bambus und sicher ungemein effektiv. Es sparte eben Munition, die knapp war.
Der Ausflug war sehr beeindruckend, das werde ich so schnell nicht vergessen. Wir haben dann auch noch im Busch Tee getrunken und Maniok (fand ich lecker) gegessen. Dann gings wieder zurueck.
Abends hab ich mich auf den Weg zu einem Restaurant, welches im Lonely Planet aufgefuehrt war, gemacht. Der freundliche Receptionist hat mir den Weg erklaert und so hab ich mich zu Fuss aufgemacht. Vielleicht kommt mir das nur so vor, aber dieses Mal haben mich sehr viel weniger Motorrad-Taxis angehauen. Um so besser.
Irgendwann hab ich aber gemerkt, dass das Restaurant doch noch recht weit entfernt war. Nun gut, bin dann auf einen Jungen mit Motorrad zugegangen, der mir einen sympathischen Eindruck gemacht hat und hab ihn nach dem Weg gefragt. Er hat mir gesagt, er wuerde mich fahren. Soweit so gut. Als ich aber nach dem Preis gefragt habe (hab meine Lektion hier schnell gelernt) hat er gesagt, er sei Student und er wolle kein Geld, aber etwas Englisch ueben. Hmmm, hab ihn nochmal gefragt, ob er sicher sei und dann hab ich eingewilligt. Hab gelernt meinem Gefuehl zu trauen. Wir sind zusammen zum ca. 10 Min entfernten "Huong Lai" gefahren. Ein Restaurant, in dem ehemalige Strassenkids im Kochen ausgebildet werden. Ich habe Nguyen (so heissen irgendwie alle hier) angeboten, ihn als Dank zu einem Drink einzuladen. Das Restaurant war recht gross und schoen eingerichtet. Ich hatte reichlich Muehe, sein Englisch zu verstehen, aber Nguyen hat vor einem Jahr die Uni abgeschlossen und arbeitet jetzt in einer japanischen Firma als Construction Supervisor, so stands auch auf seiner Visitenkarte, die er mir stolz ueberreicht hat. Als es zur Wahl des Essens kam, hat er auch in der Karte herumgeblaettert und weil ich eben vorsichtig geworden bin, hab ich ihm nochmals gesagt, dass ich ihn als Dank auf einen Drink einladen will. Was ihm unterschwellig vermitteln sollte, dass ich ihn nicht zum Essen einladen wollte, falls er sich das so vorgestellt hatte. Als die Serviertocher die Bestellung aufnahm, hat er grad fuer uns beide geordert. Das eigentlich Nudeln mit Tofu wollte, hat er vielleicht wegen der Sprachkenntnisse nicht verstanden. Es kam dann so vietnamesisches Gemuese, Fruehlingsrollen und gebratener Reis. Was solls, hat auch gut geschmeckt.
So, und jetzt die Ueberraschung als die Rechnung kam... Hab mit allem gerechnet, aber nicht damit;
Er hat alles bezahlt. War grad baff und er gelacht und gesagt, ich koenne ihn ja morgen einladen, wenn er mir den Ben Thanh Markt zeigt (darueber hatten wir vorher gesprochen). Dann haben wir uns wieder aufs Motorrad geschwungen und sind wieder in den District 1 gefahren. Hier hat er mich vor einem Internetkaffee abgeladen und ist wieder davon, das England-Fussballspiel schauen. Wirklich sehr freundlich!

Untergrundstadt des Vietcong

Also ich werde meinen zukuenftigen Enkelkindern als alte graue Grossmutter einmal definitiv viele Geschichten erzaehlen koennen. Zum Aufschreiben im Blog fehlt mir jedoch im Moment die Zeit.

Jede Minute gefaellt mir Vietnam mehr und mehr und ich erlebe sehr viel hier. Gestern war ich in den Cu Chi Tunnels, einer 200 Km langen Untergrundstadt des Vietcong (schwer beeindruckend!) und bin da auch einen Teil drin herumgekrochen, ausserdem habe ein paar nette Vietnamesen kennengelernt. Morgen geh ich zum Mekong-Delta und von dort aus -irgendwie- ueber die Grenze nach Kambodscha. Hab schon allerlei Schlechtes gehoert (Abzockerei, sehr viele bettelnde Mienenopfer, etc), aber das wird mich nicht davon abhalten, Angkor Wat zu besuchen.
Werd jetzt noch meinen letzten Tag in Ho Chi Minh City geniessen und dann gehts weiter. Schade, habe gerade angefangen, mich in die Stadt zu verlieben.

24 Juni 2006

Good mornig Vietnam

Um ca 1 Uhr morgens bin ich in Ho Chi Minh City resp. Saigon angekommen. Da war am Flughafen praktisch alles schon geschlossen. Hab dann aber draussen eines der wenigen Taxi genommen und bin Richtung Stadt gefahren. Ja, Abzocke wird hier gross geschrieben. Der Taxifahrer wollte anfangs 10 Dollar fuer die Fahrt, schlussendlich haben wir uns auf - immer noch zu hohe - 7 Dollar geeinigt. Ich hatte vorderhand in China RMB in Dollars umgetauscht, da diese neben der Landeswaehrung Dong sehr gelaeufig ist. Wie auch immer, hat mich der Taxifahrer zum Zentrum gefahren, ich wollte dort ins Backpacker Viertel. Er hat mir dann allerdings gesagt, dass um die Uhrzeit dort gar nicht mehr eingecheckt werden kann. Und er auf mehrere geschlossene Guestrooms gezeigt. Ich solle doch heute in einem Minihotel (was auch immer das ist) uebernachten fuer 20 Dollars und morgen im Backpacker Viertel was andres suchen. Habe ihm ein paar Mal gesagt, dass ich nich so viel fuer ein Hotel zahlen will. Schlussendlich hat er mich dann zu einem Hotel gebracht, wo ich 15 Dollars zahlen soll. Hab natuerlich zuerst das Zimmer angeschaut. Naja, also das war ziemlich heruntergekommen. Immerhin hatte es aber eine eigne Dusche mit warmem Wasser. Hinzu kommt, dass ich hundemuede war und gerne das WM-Spiel schauen wolte. Da hab ich halt das Zimmer genommen. "Te han min guk" ist die koreanische Variante von "Hopp Schwiz", hatte das beim letzten koreanischen Spiel von Freunden gelernt. Dieses Mal war ich aber klar nicht fuer dieses Team. Das Spiel war zwar spannend, bin aber in der Pause eingeschlafen. Am naechsten Tag hab ich dann recht schnell meine Unterkunft verlassen, nachdem sich ein paar Spinnen in meinem Necessaire eingenistet hatten. Hab in einem Hotel, welches einen anstaendigen Eindruck gemacht hat, nach einem ZImmer gefragt, die waren aber leider alle besetzt. Der Junge am Empfang hat dann aber gesagt, er koenne mich zu einem Hotel eines Freundes bringen. Okay, wieso nicht. Wir sind dann auf seinem Motorrad ein paar Hundert Meter weiter zu eben diesem Hotel gefahren. Der junge Vietnamese am Empfang war sehr nett und das Zimmer hat sehr sauber ausgesehen. Fuer 10 Dollar zwar immer noch etwas viel, aber ich wollte einfach auch mein Gepaeck loswerden und die Stadt erkunden.
Wenn Beijing die Stadt der Fahrraeder ist, ist Vietnam die Stadt der Motorraeder. Die sind einfach ueberall und kreuz und quer. Man traut sich kaum, die Strasse zu ueberqueren.Ich wurde dann auch im Sekundentakt angelabert mit "Moto bike, Miss you wanna moto bike?". Mit der Zeit etwas nervig aber immerhin waren die nicht so aufdringlich. Hab mir ein paar Buecher ueber Vietnam gekauft "Catfisch and Mandala" und "The quiet American", da mir das Land bislang noch sehr unbekannt ist. Ausserdem hab ich endlich ein suedostasisatisches Woerterbuch gefunden, mit wichtige Woerter in den ganzen Sprachen drin. So kann ich grad ein bisschen Vietnamesisch lernen.
Auf dem Weg zum Reunification Palace hab ich mich dann breitschlagen lassen und von einem Fahrer in einer Art Velo-Rikscha fahren lassen. Er hat mich zuerst zum Reunification Palace gefahren. Das sog. Zentrum und Ende des Vietnamkrieges. Ohne irgedwelche Guides und mit einem Film auf Vietamesisch bin ich alleine durch das riesengrosse Gebaeude spaziert.Dann sind wir ein einen chinesischen Tempel und auf dem Weg noch was essen gegangen. Saigon ist eine farbige, quirlige Stadt mit vielen laechelnden Menschen. Ausserdem ist es viel sauberer und stinkt weniger als Beijing. Das kannn aber auch an der Mosoon-Zeit liegen, wo es taeglich raegnet.Der letzte Stopp war das War Museum. Wahrlich nichts fuer zarte Gemueter. Hier wurden allerlei Fotos vom Vietnamkrieg ausgestellt: Soldaten, verletzte und tote Zivilisten, zerbombte Landschaften, Missbildungen wegen Agent Orange. Grauenhaft! Das hat mich alles tief getroffen. Wer einmal in dem Museum war, bekommt eine Ahnung davon wie schrecklich dieser Krieg und seine Spaetfolgen waren. Ich habe darueber zwar gelesen und Berichte gesehen, aber das ist nicht dazu im Vergleich mit einem Besuch im War Museum. Auf dem Platz stehen auch unzaehliche Panzer, Helikopter und Kriegsgeschosse, so dass man sich das wirklich alles vorstellen kann. Nach dem eindruecklichen Erlebnis sind wir dann wieder zurueck in das Viertel von meinem Hotel. Dann hatten wir noch ein ewiges Hin- und Her wegen des Fahrpreises. Schade, dass er mich uebers Ohr hauen wollte, die 4 Stunden unterwegs mit ihm waren eigentlich recht angenehm gewesen. Zu Beginn der Fahrt hatte er gesagt, er verlange 2 Dollar pro Stunde. Jetzt nach 4.5 h wollte er auf einmal 45 Dollar. Die 2 Dollar waeren nur fuer die Gegend um den Markt und nicht zum Museum, er haette zuhause ein krankes Kind, etc.,etc. Ahhh, nerv! Schlussendlich hab ich ihm nach ewigen Diskussionen 20 Dollar gegeben (ja ich weiss, viel zu viel und er hat mich an der Hauptstrasse abgeladen.Tja und nun zum naechsten Problem: Wo ist mein Hotel? Habe mit der Visitenkarte etwa eine halbe Stunde gesucht und niemand konnte mir weiterhelfen. Drum bin ich jetzt in ein Internetcafe. Nachher such ich weiter. Hab mir jetzt auch ein paar Prospekte fuer organisierte Tours zum Mekong Delta besorgt. Alleine unterwegs ist das naemlich ganz schoen muehsam.So und jetzt geh ich mein Hotel suchen...

Zaijian Beijing

An meinem letzten Abend habe ich meine Klasse zu einem Abendessen mobilisieren koennen. Das war haben wir naemlich die ganze 4 Monate noch nie gemacht. War toll und da ist bei mir auch schon ein bisschen Wehmut aufgekommen. Hab einige Leute doch schon sehr ins Herz geschlossen. Alle sehr anders als ich, aber auf ihre Art sehr liebenswert und gute Freunde von mir geworden.Kann das alles noch gar nicht realisieren. Obwohl ich mich auf meine abenteuerliche Reise freue, bin ich traurig, mein Leben hier, an welches ich mich so schnell gewöhnt haben, zu verlassen. Diese Freunde, die Dormitories, die Schule, die täglichen Velofahrten auf dem Campus, einfach das ganze verrückte und so voellig andere Leben hier. Was alles in meinem Blog steht ist nur ein kleiner Bruchteil von meine ganzen Erlebnissen hier.China ist bestimmt nicht für jeden einfach. Nicht wenige Leute hier sind mit dem Leben hier nicht klargekommen und waren oft unglücklich. Aber wer dazu bereit ist, Angewohnheiten und Bequemlichkeiten über Bord zu werfen, einen robusten Magen hat, flexibel genug ist, gerne viele ganz unterschiedliche Menschen kennenlernt und das Abenteuer nicht scheut, wird in China eine wundervolle Zeit erleben. Meine wars auf jeden Fall. Der beruehmt-beruechtigte Kultur-Schock hat mich nicht erwischt. Habe die Zeit in vollen Zuege genossen. Allerdings befuerchte ich einen Zurueck-in-der-Schweiz-Schock.

Ich werde die Tsinghua Universitaet mit um einiges ärmer an Geld und einem Teil meines Zahnes weniger verlassen, aber um viele Freundschaften, Sprachkenntnisse, ein paar Kilos Uebergepaeck, ein bisschen Weisheit und viele unbezahlbare Erinnerungen reicher.

21 Juni 2006

Vorbei mit der Lernerei

Morgens um 08:20 Uhr hatte ich meine letzte Chinesischprüfung. Mündlich. Das Hörverständnis gestern ist naja, auf Chinesisch würde ich „mama huhu“ sagen, so einigermassen gegangen. War alles sehr schnell. Hier mussten wir verschiedene Dialoge anhören und dann Fragen im Multiple Choice Verfahren ankreuzen. Auch hier nur chinesische Zeichen. Hab natürlich nicht immer alles lesen können. Am Schluss gabs dann noch zwei Geschichten, die wir so weit als möglich aufschreiben mussten. Das hab ich dann aber nicht mit den Characters geschafft, da durften wir auch die Lautschrift verwenden. Wäre sonst auch fast unmöglich gewesen.

Beim Mündlichtest habe ich ein Vorbereitungsblatt bekommen, das durfte ich 5 Min studieren. Dann musste ich verschiedene Sätze – in Characters - vorlesen, in der korrekten Betonung, eine kurze Präsentation zu einem bestimmten Thema (meins war „was sind meine Pläne für die Sommerferien) wobei man eine Vielzahl von vorgeschriebenen Ausdrücken miteinflechten musste. Das ging eigentlich ganz gut. Am Schluss hat mir die Lehrerin dann verschiedene Fragen gestellt, die ich beantworten musste.

Und dann war der ganze Spuk schon vorbei.

Ich bin jetzt nur noch 2 Tage hier an der Uni und dann geht’s los nach Vietnam.
Freitagabend werd ich ab Beijing nach Ho Chi Minh City im Norden Vietnams fliegen. Da komme ich dann nach Mitternacht an. Hoffentlich kann ich bis 3 Uhr irgendwo eine Bar mit Fernseher auftreiben, schliesslich will ich das Spiel Schweiz-Korea auf keinen Fall verpassen! Ups, also hier in China wird das Spiel um 3 Uhr ausgestrahlt, muss mich noch schlau machen, in welcher Zeitzone sich Ho Chi Minh City befindet.

Ich habe mir vorgestellt, ein paar Tage in Ho Chi Minh City zu verbringen und einen Ausflug zum Mekong Delta zu machen. Danach will ich gerne nach Siam Reap in Kambodscha reisen und den weltberühmte Tempelanlage Angkor Wat anschauen. Ausserdem will ich dort mehr über das mir so unbekannte Land und ihre Einwohner erfahre. Falls die Zeit reicht, werde ich dem Kinderspital von Beat Richner "Beatocello" (Hier ein Artikel, die darin erwähnte UNO-Tragödie hat mich tief getroffen) einen Besuch abstatten.

Ein paar Tage später dann noch etwas Ausruhen am Strand von Ko Samui in Thailand. Bis jetzt hab ich aber nur das Flugticket und Visa für Vietnam. Kann mich also spontan noch entscheiden.

Auf jeden Fall kommt mein Lonely Planet Southeast Asia mit auf die Reise. Vor meinem Chinaaufenthalt war ich ja noch nie in Asien und habe auch sonst sehr wenig Ahnung von dem Kontinent. In China komm ich jetzt auf jeden Fall überall zurecht. Aber wie das alles in den andern Ländern so aussieht?

19 Juni 2006

Abschlussprüfungen

Die Zeit rast im Moment besonders schnell. Ich hätte tonneweise Geschichten zu erzählen, aber komme zur Zeit nicht zum Schreiben. Heute morgen hatte ich die erste Abschlussprüfung. Unsere Lehrerin hatte uns schon vorgewarnt, dass sie ganz schön tricky sein wird. Und, ja, das war sie wirklich! Ausserdem fand die Prüfung um 08 Uhr morgens statt, nachdem die Koreaner die ganze Nacht gelärmt hatten (ihr Spiel gegen Frankreich hatte um 3 Uhr morgens angefangen), war wohl keiner von uns sehr fit. Ein paar haben gleich die ganze Nacht durchgemacht und die Spiele geschaut, da es hier auch ein paar Australier und Japaner gibt (deren Team hat ebenfalls gestern Nacht gespielt). Der Test ging 1.5 Stunden und wir mussten Fragen zu einem Text beantworten, Wörter übersetzen, Fehler korrigieren und einen Aufsatz schreiben. Alles ausschliesslich mit chinesischen Characters. Ich denke schon, dass ich bestanden habe, allerdings kaum hervorragend.
So, jetzt muss ich unbedingt noch für die Prüfungen von morgen (Hörverständnis) und übermorgen (lesen und mündlich) lernen. Zaijian!
Hier übrigens noch eine kurze Filmaufnahme während des Unterrichts bei Li Laoshi: http://www.youtube.com/watch?v=kreiFJTuk0c

14 Juni 2006

Im falschen Film an der WM

Was war das denn? Um 9 Uhr habe ich noch ganz friedlich mit Xiu Minh das Korea-Togo Spiel angeschaut hier in der Uni. Um 23:30 hab war ich mit Alban, einem französischen Mitschüler, beim Wudoukou Biergarten verabredet. Wir wollten das Spiel zusammen anschauen, da ich auch sowieso anderen Schweizer hier in der Nähe kenne. Andrew wollte dann auch mitkommen und Xiu Min hab ich auch gleich mitgenommen. An meinem letzten Arbeitstag vor meiner Abreise hab ich von den Girls in meinem Büro u.a. ein Schweizer Shirt bekommen. Das hab ich natürlich angezogen und Xiu Min hab ich einen roten Regenponcho mit einem grossen weissen Kreuz drauf verpasst (thanx Sonja). Keine so gute Idee, wie sich später rausstellen sollte.

In Wudaokou angekommen standen bestimmt 20 Polizeiwagen herum und etliche Polizisten alle paar Meter. Offenbar hatte sich während des Spieles zuvor eine grosse Menschenmenge gebildet (Wudaokou ist ein richtiges Korea-Viertel), sodass nicht mal mehr die Autos passieren konnten. Daher wurde mal erst alles mit Polizisten überschwemmt, die die Menge zerstreute.
Wir haben einen Platz in der Nähe der Leinwand im Open-Air Biergarten ergattert. Die Schweizer hier zahlenmässig bei Weitem unterlegen. Vorallem hatte es Koreaner und auch recht viele Franzosen. Letztere in Nationalfarben und mit allerlei Herumgebrülle. Unter den schätzungsweise 200 Leuten hatte es vielleicht 5 Schweizer. Neben mir und Xiu Mins Poncho waren noch 2 mit roter Kleidung und Schweizerkreuz anwesend.
Das Spiel begann also und die Franzosen neben mir brüllten was das Zeug hielt. „Hopp Schwiiz“ ging da total unter. Naja, bin ja eh nicht so der Patriot aber WM ist schliesslich nur alle 4 Jahre. Und so hab ich halt auch gerufen was die Lunge hergab, mit Unterstützung von Xiu Min und Andrew. Der aber bald wieder zu seinem Lieblingsthema Politik zurückgekehrt und schon wieder davon zu erzählte begann.

Tja, und dann kam die Pause. Und der Strom ging. Kein Witz, auf einmal hatte es keinen Strom mehr im Biergarten. In den umliegenden Häusern schon. Komisch, aber nicht so schlimm. So sind war dann halt ein paar Blocks weiter ins Zub, wo das Spiel in einem Club gezeigt wurde. Da gab es viel weniger Leute und wir setzten uns in eine Reihe kurz vor der Leinwand. Falsche Platzwahl. Die Sessel vor uns war nämlich von ein paar ganz radikalen Franzosen besetzt. Kahlgeschoren und ziemlich besoffen. Mein Französisch ist ja nicht das Beste, aber ein paar krasse Schimpfworte hab ich aus verschiedenen Filmen wie La Haine auch noch mitgekriegt. Ja, so haben die dann herumgeflucht und –geschrien, sogar Alban, der ja selber Franzose ist, war es nicht mehr wohl. Die haben dann sogar die Schweizer Flagge, die neben der französischen hing, wegnehmen wollen. Davon hat sie allerdings ein anderer Typ abgehalten. Mit dem haben sich die Guys fast eine Schlägerei geliefert. Ärger machen war ihnen glaub eh wichtiger als wirklich das Spiel mitzuverfolgen. Auf jeden Fall sind Degen, Frei und Co. mit allerlei krassen Fluchwörtern belegt worden. Ich habe ziemlich schnell – auch auf Anraten von Andrew (welcher auf einmal mucksmäuschenstill geworden war und kein Wort mehr über Kommunismus oder Ähnliches verlor) und Alban mein Jäckchen zugeknöpft, sodass man das Kreuz nicht mehr gesehen hat. Ich bin nun wirklich kein Angsthase, aber es gibt da so gefährliche Mischungen (Alkohol, verletzter Stolz und Rüpelhaftigkeit), deren Explosion man lieber vermeidet. Und so hab ich auch meine Klappe gehalten.
Ganz kurz bevor das Spiel dann vorbei war, hat Alban gesagt, wir sollten jetzt besser gehen. Es würde sowieso gleich beendet sein. Er hat seine Jack genommen und damit den Regenponcho von Xiu Min bedeckt und wir haben uns aus dem Staub gemacht.

Ich verstehe ja weiss Gott nicht viel von Sport, aber was war das für eine Nacht? Beim Qualifikationsspiel gegen die Türkei mussten die Schweizer Spieler türmen, hier in China müssen wir vor den Franzosen abhauen? Ach ja, habe dann auch noch erfahren, dass der Strom im Biergarten absichtlich abgestellt wurde. Das haben uns auf jeden Fall ein paar Amerikaner noch erzählt. Genau in der Spielpause war der Strom weg und genau nach dem Spiel wurde er wieder eingeschaltet, wir sind daran vorbeigelaufen. War eine Sicherheitsmassnahme der Chinesen. „They don’t wat people to gather“, sie wollen nicht, dass sich Leute versammeln.

Komm mir vor wie im falschen Film.

12 Juni 2006

"Zhu ni sheng ri kuai le" (Happy Birthday Song auf Chinesisch)

Am Samstag haben mich Eni und Marie als Geburtstagsgeschenk zu einemVerwöhntag eingeladen. Wir haben den Tag einfach vorverlegt, da Eni am Sonntag nach X'ian reist. Mittags sind wir also zu dritt in ein Tibetisches Restaurant essen gegangen. Da gabs Yak-Rips, Gemüse, Brot und Lammsticks. Hat super geschmeckt. Danach sind wir zu einem Salon gefahren. Dort haben wir alle Maniküren und Pediküren bekommen. Ich war auch zum ersten Mal bei einer traditionellen chinesischen Massage. Das Besondere daran ist, dass man so einen weissen Baumwoll-Anzug bekommt und die Masseurin einem über dem Baumwollstoff und einem zusätzlichen Tuch „durchknetet“. War zwar nicht wirklich entspannend, aber tat gut. Dann gings noch kurz was Essen und wieder zurück zu den Dorms. Ich hab mich umgezogen und bin mit Xiu Min, Andrew und seinem Freund Marc Richtung Salsa Caribe gefahren. Das erste Mal, als ich im Salsa Caribe war, war ein Freitag und ich habe auch gehört, dass es Freitag viel besser sei als Samstag. Es hatte nicht so viele Leute. Aber naja, jetzt waren wir schon da, und so feierten wir halt zu viert. Nach einer Weile kamen dann auch noch viele andere Freunde, was mich sehr gefreut hat. Um Punkt 12 Uhr hab von einer Freundin eine ganz süsse Geburtstagskarte auf Chinesisch bekommen, eine CD mit chinesischer Musik und ein Shirt.Wir haben gefeiert, getrunken und getanzt bis es hell wurde.
Am nächsten Morgen, also am 11. hab ich Glückwunsch-Mails und -Anrufe aus der Schweiz bekommen, über die ich mich auch sehr gefreut haben. Am Abend hat mir eine Freundin hier in China sogar noch einen Geburtstagskuchen vorbeigebracht. War sehr gerührt, was für Freund ich hier in den wenigen Monaten gewonnen habe.

09 Juni 2006

Verrückte

Diese Woche fanden in China die Prüfungen zur Aufnahme in die Universitäten statt. Eine riesen Sache. Während der Prüfungstage sind die Autofahrer angehalten, das Hupen einzustellen. Und, oh Wunder, die Leute halten sich wirklich daran und unterlassen die nervigen Hupkonzerte auf der Strasse. Unsere Lehrerin hat gesagt, dass sogar die Flugzeuge eine andere Route nehmen, um die Schulen, an welchen die Prüfungen stattfinden, nicht durch den Lärm zu stören. Hört sich übertrieben an, aber wenn man darüber nachdenkt, macht das Sinn. Hier in China ist es äusserst wichtig, an welcher Universität man studiert. Das bestimmt, wie die ganze weitere Karriere aussieht. Auch hier an der Tsinghua fanden diese Aufnahmeprüfungen statt. Viele Eltern begleiteten ihre Kinder und warten stundenlang draussen. Hinzu kommt, dass alle Einzelkinder sind, was den Druck noch vergrössert. Ein Mitschüler aus Korea hat erzählt, dass das bei ihnen ganz ähnlich ist. Aufgrund des grossen Stresses bringen sich auch jedes Jahr Schüler um, da sie dem Druck einfach nicht gewachsen sind.

Am 20. Juni werde ich jetzt an dem CCTV-Programm teilnehmen. Habe sogar die Lehrerin gefragt, ob sie nicht schauen kann, dass die Prüfung nicht mit dem Termin um 10 Uhr kollidiert. Und es hat tatsächlich geklappt. Sie haben den Mündlichtest auf Dienstagmorgen gelegt, also kein Problem. Ich habe auch jemanden gefunden, der mir sehr viel helfen kann mit der Vorbereitung (nein, nicht die Botschaft, die hat das gar nicht interessiert). Beat von der Swiss Society Beijing wird mir Kuhglocken, Sennenhemden und ein Fondueset ausleihen. Ausserdem hat er mir noch Kontakte vermittelt zu Leuten, welche Trachten und ein Alphorn besitzen. Ha ha, das wird der Knaller.

Habe mich jetzt auch mehr oder wenige für eine Route für meine Reise entschieden. Beijing-Ho Chi Minh City (Saigon) in Vietnam – Siam Reap (für Angkor Wat) in Kambodscha und Ko Samui in Thailand. Werde versuchen, am 11. Juli in Ko Pha-Ngan zur Vollmondparty zu sein. Am Mittwoch habe ich versucht, die Flugpreise in einem Reisebüro zu erfahren. Ganz schön zeitraubend weil die Girls kein Englisch sprachen und meine Chinesischkenntnisse halt doch sehr beschränkt sind in Bezug auf Länder- und Städtnamen. Ho Chi Minh City haben die ja noch verstanden, aber Kambodscha? Irgendwann haben wir es aber doch auf die Reihe gekriegt und sie wollten mir später anrufen, wenn sie die Preise zusammen haben. Überlege mir aber, nur den Flug nach Vietnam zu buchen, die andern Trips jeweils vor Ort. Bin noch die verschiedenen Ticketpreise am checken. Wahrscheinlich buche ich hier online bei einem Anbieter, bei dem wir schon für Dalian gebucht haben. Nächste Woche muss ich meinen Pass wieder abholen. Ich musste mir einen zusätzlichen „Entry“ nach China holen, da mein Visum nur einen einzelnen erlaubt hat. Dann muss ich noch ein Visum für Vietnam einholen. Das für Kambodscha werde ich vor Ort besorgen. Für Thailand brauch ich keins.

Muss mir auch unbedingt noch ein paar leichte lange Hosen und grosse Shirts besorgen. „Dress as modest as possible“, das wird ich bei meinem Trip garantiert befolgen.

Komme gerade von einer „Roof Party“ auf einem der Studentengebäude zurück. Andrew hat Eni und mich eingeladen. Andrew ist ein Freak (wer hier eigentlich nicht?), der an der Topuni Columbia in New York studiert. Englische Literatur aus dem 17. Jahrhundert. Die Columbia hat einen Vertrag mit der Tsinghua, sodass es noch mehr von denen hier hat. Allerdings sind die meisten etwas schräg. Alle sind extrem intelligent, aber ein Gespräch mit denen zu führen, wo es nicht um Geschichtliches oder Politisches geht, ist relativ schwierig. Das kann mit der Zeit ermüdend sein. Aber ab und zu ist es ganz witzig mit denen. Eben dieser Andrew zum Beispiel hat erzählt, dass als er zur Einschreibung hier seinen chinesischen Namen angeben musste, sagte er „An“, da es ein einfaches Zeichen ist. Die haben ihm dann aber gesagt, der Name sei zu kurz, er müsse noch was dranhängen. Als im aber nix eingefallen ist, haben die ihn einfach „An Zedong“ getauft. Wie schräg ist das denn?

Irgendwie ist das Leben in den Grundsätzen doch überall auf der Welt ähnlich. Auch hier gibt es Verrückte, Lovestories, reiche Zicken, Ärger, Drogengeschichten, Streber, Partyleute, Bad guy, etc. Aber irgendwie passiert davon hier viel mehr und in konzentrierter Form. So kommt es mir auf jeden Fall vor.

Vorallem auf meiner Etage gibt’s da einen von der letzterwähnten Spezies. Halb Chinese, halb Ami. Schon als ich den Typ das erste Mal gesehen habe, habe ich sofort registriert, dass ich um den lieber einen grossen Bogen mache. Und ich hatte Recht. Der ist jeweils in allerlei Ärger verstrickt. Vor ein paar Tagen war ich im Zimmer (ca. Mitternacht), als auf einmal jemanden herumschreien hörte. Worum es genau ging, hab ich auch nicht verstanden, da praktisch jedes Wort „f…ck“ war. Ozzy Osborne ist nichts dagegen. Auf jeden Fall bin ich echt erschrocken, da es eine männliche Stimme war, die wirklich stocksauer über irgendetwas fluchte und mir den Eindruck gab, der Typ würde jetzt dann das ganze Haus zusammenschlagen. Jemand anders hat offenbar versucht, ihn zu beruhigen und kurz darauf, hörte ich viel Glass auf dem Boden zerbrechen. Keine Ahnung was da los war.

Der Typ lief am nächsten Tag mit einer grossen Narbe quer über die Backe herum. Ich habe einer Freundin, welche ihn kennt von dem Vorfall erzählt. Sie hat mir dann gesagt, dass ihm in der Nacht (wahrscheinlich vor dem Tumult auf dem Gang) jemand in einer Bar mit einer zerbrochenen Flasche ins Gesicht geschnitten hat. Die ca. 10 cm lange Wunde wurde mit sehr vielen Stichen genäht. Das ist ein „Gesicht verlieren“ im wahrsten Sinne des Wortes. Was für Chinesen eines der schlimmsten Dinge ist. Seine Familie erwartet von ihm, dass er den andern umbringt. Und verrückt genug wie er ist, wird er das vielleicht wirklich tun.

06 Juni 2006

WM, Reise, Geburtstag

Ach, eigentlich sollte ich schon lange fleissig am Lernen sein. Übernächste Woche beginnen die Abschlussprüfungen. Aber im Moment habe ich ganz andere Dinge im Kopf. CCTV hat mir geschrieben, dass sie mich und falls möglich weitere Bekannte von mir ins Studio einladen. Wie schon erwähnt wollen die eine kurze landestypische Darbietung aufnehmen. Von all den 32 Nationen, welche an der WM teilnehmen. Das wird dann landesweit vor den jeweiligen Spielen ausgestrahlt. Find die Idee witzig. Aber irgendwie fällt mir im Moment einfach keine interessante und machbare Darbietung ein. Haben wir denn wirklich so wenige Bräuche? Werde mich bei der CH-Botschaft, der Schweizerisch-Chinesischen Handelskammer und was es sonst noch so gibt mal informieren. Interessiert mich sowieso, wie die reagieren.

Die Aufnahmen werden am 20.06. gemacht. Dann habe ich aber vielleicht eine meiner Abschlussprüfungen. Werde das mal abchecken.
Schweizer Trachten aufzutreiben wäre natürlich auch ein Gag (xiexie Thomas für den Tipp). Hab Urs (der auch an der HWZ in der Schweiz studiert, aber in China an einer andern Uni ist) gefragt, ob er auch dabei ist. Er setzt sich jetzt in Verbindung mit Tourismus Schweiz.

Was mich aber im Moment noch mehr beschäftigt, ist die Organisation meiner Reise nach den Abschlussprüfungen. Habe mich jetzt dazu entschlossen, Vietnam, Kambodscha und Thailand zu bereisen. Alleine. Die meisten Freunde von mir gehen nämlich entweder zurück in ihre Heimat oder sie bleiben sowieso noch länger in China (beginnen mit ihrem Job oder studieren noch ein Semester hier). Habe von einer netten Schottin den Lonely Planet Southeast Asia ausgeliehen bekommen und ein anderer Mitschüler hat mir einen „Let’s go Southeast Asia“ und einen Kambodscha-Reiseführer gegeben. Werde mich mal da durchwühlen. Wird bestimmt ein unvergessliches Abenteuer. Was gibt’s sonst noch? Ah ja, nächsten Sonntag hab ich Geburtstag. Ich werde ein Viertel Jahrhundert alt. Das ist wohl der einzige Tag meiner ganzen Zeit hier, an dem ich lieber in der Schweiz wäre. Mit guten Freunden feiern und meine Family besuchen, das wär toll. Aber eben, ist halt nicht möglich. Wir haben jetzt geplant, am Samstag alle Freunde zusammenzutrommeln und im Salsa Caribe zu feiern. Am Sonntag laden mich dann Eni und Marie zum Wellnesstag mit Massage und allem drum und dran ein. Dann werden wir zu dritt den ganzen Tag in einem Spa verbringen. Freu mich schon drauf!

Ein chinesisches Sprichwort lautet: huā yŏu chóng kāi rì, rén wú zài shàonián (花有重开日, 人无再少年) - Flowers may bloom again, but a person never has the chance to be young again…

03 Juni 2006

Drachenboot-Fest 端午节

Samstagnachmittag haben ein paar Tsinghua-Studenten ein Drachenboot-Fest organisiert.

Der offizielle „Duanwu“-Festival Tag war zwar am 31. Mai, aber weil das ein Mittwoch war, haben die Studis das einfach auf Samstag verschoben.

Das Drachenbootfest am 5. Tag des 5. Monats nach dem chinesischen Mondkalender (normalerweise im Juni nach dem Gregorianischen Kalender) ist eines der traditionellen Feste Chinas und ist über 2000 Jahren alt. Es gibt verschiedene Versionen über die Herkunft dieses Brauches, davon ist die Version über das Andenken an Qu Yuan die populärste. Qu Yuan war ein berühmter patriotischer Dichter im Altertum. Als das Reich Chu von den Qin-Truppen erobert wurde und er sein letztes Werk "Huaisha" verfasst hatte, stürzte er sich am 5. Tag des 5. Mondmonats mit einem Stein in den Miluo-Fluss. Die Fischer ruderten auf dem Fluss hin und her, um nach ihm zu suchen. Damit ihn die Wassertiere nicht anknabberten, warfen die Leute Reisklösschen, Eier und andere Nahrungsmittel in den Fluss. Ein alter Arzt brachte ein Gefäss Xionghuang-Wein herbei und goss ihn in den Fluss, um die Wassertiere zu betrinken. Davon rührte die Sitte her, dass man am 5. Tag des 5. Mondmonats jedes Jahres eine Drachenboot-Regatta veranstaltet, Zongzi (in Bambus- oder Schilfblätter eingewickeltes Klebreisklößchen) isst und Xionghuang-Wein trinkt.

Die Tsinghua-Studenten uns dieses Fest erklärt und andere Arten der chinesischen Kultur vorgeführt: Tai-Chi, Kung-Fu und verschiedene Gesänge mit traditionellen Gewändern an. Das war alles sehr interessant. Bei einer Vorstellung musste ich mich aber sehr zusammenreissen um nicht laut loszulachen. Ein Student war offenbar der Enkel eines sehr berühmten Sängers der Pekinoper, darum hat er ein Stück aus eben der Oper vorgetragen. Mit extrem hoher und schriller Stimme, hilfe, meine Ohren! Habe das Video auf meine Video-Page gestellt. ;-)

Hier die Videos: Pekingoper Kungfu
Fotos auf der Flicr-Seite

Nach den Vorstellungen haben wir noch zusammen ein paar Spiele gespielt und sind dann ganz viele Zongzi essen gegangen. Leider fehlt die Zeit und der Ort um ein richtiges Drachenboot-Rennen zu organisieren. Trotzdem fand ich den Nachmittag super.

01 Juni 2006

"Da Vinci Code - DVD," a mission impossible?

Vom Shoppingvirus befallen! Heute war ich im Yashou-Markt um Souvenirs für Freunde und Familie einzukaufen. Das Verhandeln macht sehr viel mehr Spass, wenn man mit den Verkäuferinnen auf Chinesisch diskutiert. „Was, 60 Kuai, viel zu teuer! Ich bin doch Schülerin“ „Ja, aber du bist doch aus dem Ausland“ „Genau, ich brauch doch noch Geld für meinen Rückflug. Komm schon, etwas billiger, ok?“ etc. etc.

Vor dem Shoppingcenter bin ich dann der Versuchung erlegen und hab mir die DaVinci Code- und die Mission Impossible 3-DVD gekauft. Ja, ich weiss, das Risiko, dass da gar nichts drauf ist oder die im Kino gefilmt wurden, ist relativ gross. Hab aber lang mit dem Verkäufer rumgefeilscht und er hat mir ein paar Mal versichert, dass auf der DVD wirklich diese Filme drauf sind. Er machte auf mich einen vertrauenswürdigen Eindruck und so habe ich beide dann für je ca. 1.50 CHF gekauft.

Wieder zurück zuhause habe ich sie auf meinem Laptop ausprobiert und…… es waren die richtigen Filme! Allerdings auf Chinesisch. Mit chinesischem Untertitel.

Immerhin funktionieren sie. Na gut, dann hab ich ab jetzt halt neue Chinesischlehrer. Tom Hanks und Tom Cruise, ist doch auch nicht schlecht oder? ;-)