25 März 2006

Himmlischer Frieden und höllisches Gedrängel

Heute waren wieder Salsa angesagt. Aber, Schade, es war überhaupt nicht mehr so witzig. Die müssen alle zu Hause geübt haben wie verrückt. Ich bin echt beeindruckt. Auf einmal haben sie die Schritte und den Rhythmus drauf. Womit Chinesen aber noch Probleme haben, ist die Nähe beim Salsa. Die trauen sich überhaupt nicht die Tanzpartnerin auch nur zu berühren. Wenn man normalerweise die männlichen Tanzpartner eher zum Abstand zwingen muss, hat man in China das Gefühl, die haben Angst vor einem. Kein Witz. Muss komisch anzusehen sein, aber hier gilt „komm mir ja nicht zu nahe“. Ungewohnt.

Am Samstag stand Kultur auf dem Programm. Wir sind früh aufgestanden und zum Tian’anmen (Platz des himmlischen Friedens). Der grösste öffentliche Platz auf der Welt und Schauplatz vieler historischer Ereignisse. Hier können sich bis zu 1 Mio. Menschen versammeln. Traurige Berühmtheit hat der Platz durch die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 durch die Regierung erlangt. Auf dem Tian’anmen zu stehen war sehr eindrücklich. Wenn es auch sehr gemischte Gefühle hervorruft. Der Platz des Himmlischen Friedens, das Mao-Mausoleum, das Denkmal der Volkshelden, das Museum der chinesischen Geschichte und das Tor des himmlischen Friedens?...

Hier ein Video.

(Es war wieder einmal extrem windig. Darum das Rauschen auf dem Video. Im Frühling ist hier meistens sehr windig. Und zwar richtig windig. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, kommt man zeitweise fast nicht mehr vom Fleck. Die unzähligen Fahrräder, welche auf dem Campus geparkt wurden, fallen dann immer wie Dominosteine um.)

Da wir nun schon mal hier waren, wollten wir auch kurz beim Mausoleum vorbei. Aber, 1. sind wir in China, d.h. viele Leute, 2. an einem Samstag. Es gab eine riesige Warteschlange davor, ausserdem hätten unsere Taschen und Fotoapparate auf der andern Strassenseite irgendwo abgeben müssen. Darauf hatten wir keine Lust. Also spazierten wir durch die Touristenmengen zur Verbotenen Stadt. Der Kaiserpalast der Ming- und der Qing-Dynastie. Verboten weil es früher dem gewöhnlichen Volk nicht erlaubt war, sich in diesem Zentrum von Beijing aufzuhalten.

Aber das war einmal. Heutzutags tummeln hier sich Unmengen von Touristengruppen (alle jeweils mit der gleich farbigen Jacke und Mütze). Natürlich braucht man für den Eintritt auch ein Ticket. Ich musste lachen, als ich dieses zufällig umgedreht habe. Auf der Rückseite ist nämlich eine Nestlé Werbung. Muss ja „verboten“ viel gekostet haben. Obwohl Nestlé kann sich das hier locker leisten. Ist nämlich richtig big in China. Egal wo man Lebensmittel kauft, Nestlé ist allgegenwärtig. Und so auch hier.

Die Verbotene Stadt auf jeden Fall war wunderschön, sehr beeindruckend. Ich glaube, hier sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Das einzige, was mich richtig genervt hat, war das Gedrängel in den Gängen und vor den Tempeln. Man wird es nicht glauben, aber am schlimmsten waren die alten Leute. Die waren vorwiegend in Reisegruppen unterwegs und schupften und rammten sich ihren Weg frei, das war nicht mehr schön. Richtig rabiat. Noch schlimmer als bei der U-Bahn zur Rush Hour. Rücksichtloses Gedrängel, auch das ist typisch hier in China.