25 Juni 2006

Cu Chi Tunnel

Gestern abend hab ich mich bei einem der unzaehligen Reisebueros fuer 3.5 Dollar einen Ausflug zu den Cu Chi Tunnels angemeldet. Dann bin ich in einem vietnamesischen Restaurant Essen gegangen. Die sehr sympatische Serviertochter hat mir nach meinem Nachfragen nach der Spezialitaet dann "crispy noodles" mit Huhn und Gemuese gebracht, dazu noch ein Saigon Bier (obwohl ich sehr selten Bier trinke) und schon fuehlte ich mich sehr viel wohler in dieser fremden Stadt. Uebrigens, habe recht lange nicht verstanden, ob man sie Saigon und Ho Chi Minh City nennen kann. Saigon ist der alte Name, als der Norden und der Sueden noch getrennt waren und letzterer nicht-kommunistisch. Seit der Wiedervereinigung heisst die Stadt also Ho Chi Minh City (benannt nach dem vietnamesischen Revolutionaer Ho Chi Minh). Das ist theoretisch, aber praktisch habe ich hier mehr Einheimische von Saigon als von HCMC sprechen gehoert.
Meine Unterkunft hab ich auch wieder gefunden. Und zwar bin ich wieder zum Hotel wo mich der Receptionist gestern freundlicherweise mit dem Motorrad meiner Unterkunft gebracht hatte. Er hat mich wieder erkannt und bot mir sofort an, mich nochmals dahin zu bringen. Kam mir zwar etwas doof vor, aber was solls. Mein Orientierungssinn ist sowieso nicht der beste. Und hier in dieser Stadt kommt mir sowieso alles wie ein Labyrinth vor. Mein Hotel ist recht versteckt in einer Seitengasse und davon gibts sehr viele.
Am Morgen war ich schon frueh bei dem Reisebuero (hey, habs sogar auf den ersten Anhieb gefunden). Ein kleiner Bus hat unsere Gruppe dann nach Cu Chi (sprich Kuutschi), etwa 40 km von Ho Chi Minh City entfernt, gefahren. Der Reisefuehrer war ein etwas aelterer Herr, der sehr viel ueber die Underground City wusste.
In Cu Chi befindet sich ein ca. 250 km langes Tunnelsystem. Der Bau begann zu Zeiten des franzoesischen Krieges und war waehrend des Vietnamkrieges als Untergrundstadt genutzt worden. Oben auf der Erde suchten die Amerikaner den Vietcong und unter ihnen sass er. In Tunnels, so eng, dass kein Nichtvietnamese durchpasste. Jetzt sind Teile für die Touristen erweitert worden auf 1.20 m Hoehe und 0.8 m Breite. Ist nichts fuer Klaustrophobiker. Wir sind auch in die Schaechte herabgestiegen und haben uns durch die Gaenge gemueht. Bin ja fuer viele Spaesse zu haben, daber das war wirklich beangstigend. Man ist in diesem winzigen Gang, sieht praktisch nix, es ist sehr heiss und stickig und man muss sich in einer Art Kauerposition fortbewegen, extrem anstrengend. Etwa 30 Meter bin ich drinnen herum gekrochen. Habe leise Panik in mir hochkommen gespuert. Ich war wirklich froh, als wir endlich zu einem Zwischenausgang angelangt waren. Nur raus hier! Unglaublich, dass Leute hier jahrelang gelebt hatten; Es gab Schlafräume, Lazarette, Waffenwerkstätten und Kuechen. Es ist sehr eindruecklich, was die sich alles haben einfallen lassen und wie gut durchdacht das System war; versteckte Luftloecher, Rauchabzuege und Fallen im ganzen Dschungel oberhalb. Unser Guide hat uns die mannigfachen Fallen vorgeführt, die der Vietcong erfunden hatte: Türfallen, Souvenirfalle, Dreh-, Kipp-, Wipp-, Kugel- oder Zweiwalzenfalle, unangenehm kreativ, scharfe Pfeile aus Stahl oder Bambus und sicher ungemein effektiv. Es sparte eben Munition, die knapp war.
Der Ausflug war sehr beeindruckend, das werde ich so schnell nicht vergessen. Wir haben dann auch noch im Busch Tee getrunken und Maniok (fand ich lecker) gegessen. Dann gings wieder zurueck.
Abends hab ich mich auf den Weg zu einem Restaurant, welches im Lonely Planet aufgefuehrt war, gemacht. Der freundliche Receptionist hat mir den Weg erklaert und so hab ich mich zu Fuss aufgemacht. Vielleicht kommt mir das nur so vor, aber dieses Mal haben mich sehr viel weniger Motorrad-Taxis angehauen. Um so besser.
Irgendwann hab ich aber gemerkt, dass das Restaurant doch noch recht weit entfernt war. Nun gut, bin dann auf einen Jungen mit Motorrad zugegangen, der mir einen sympathischen Eindruck gemacht hat und hab ihn nach dem Weg gefragt. Er hat mir gesagt, er wuerde mich fahren. Soweit so gut. Als ich aber nach dem Preis gefragt habe (hab meine Lektion hier schnell gelernt) hat er gesagt, er sei Student und er wolle kein Geld, aber etwas Englisch ueben. Hmmm, hab ihn nochmal gefragt, ob er sicher sei und dann hab ich eingewilligt. Hab gelernt meinem Gefuehl zu trauen. Wir sind zusammen zum ca. 10 Min entfernten "Huong Lai" gefahren. Ein Restaurant, in dem ehemalige Strassenkids im Kochen ausgebildet werden. Ich habe Nguyen (so heissen irgendwie alle hier) angeboten, ihn als Dank zu einem Drink einzuladen. Das Restaurant war recht gross und schoen eingerichtet. Ich hatte reichlich Muehe, sein Englisch zu verstehen, aber Nguyen hat vor einem Jahr die Uni abgeschlossen und arbeitet jetzt in einer japanischen Firma als Construction Supervisor, so stands auch auf seiner Visitenkarte, die er mir stolz ueberreicht hat. Als es zur Wahl des Essens kam, hat er auch in der Karte herumgeblaettert und weil ich eben vorsichtig geworden bin, hab ich ihm nochmals gesagt, dass ich ihn als Dank auf einen Drink einladen will. Was ihm unterschwellig vermitteln sollte, dass ich ihn nicht zum Essen einladen wollte, falls er sich das so vorgestellt hatte. Als die Serviertocher die Bestellung aufnahm, hat er grad fuer uns beide geordert. Das eigentlich Nudeln mit Tofu wollte, hat er vielleicht wegen der Sprachkenntnisse nicht verstanden. Es kam dann so vietnamesisches Gemuese, Fruehlingsrollen und gebratener Reis. Was solls, hat auch gut geschmeckt.
So, und jetzt die Ueberraschung als die Rechnung kam... Hab mit allem gerechnet, aber nicht damit;
Er hat alles bezahlt. War grad baff und er gelacht und gesagt, ich koenne ihn ja morgen einladen, wenn er mir den Ben Thanh Markt zeigt (darueber hatten wir vorher gesprochen). Dann haben wir uns wieder aufs Motorrad geschwungen und sind wieder in den District 1 gefahren. Hier hat er mich vor einem Internetkaffee abgeladen und ist wieder davon, das England-Fussballspiel schauen. Wirklich sehr freundlich!