10 April 2006

Geburtstagswoche und Big Spenders

Diese Woche hatten 4 Sprachstudenten Geburtstag. 3 Davon sogar am gleichen Tag. Wir haben ca. zu fünfzigst in der Pepper Farm gefeiert. Es war zwar keine rauschende Feier, aber man hat allerhand neuer Leute kennengelernt. Wir haben einem Klassengspänli, das eines der Geburtstagskinder war, einen Shot spendiert. Natürlich habe ich auch einen mitgetrunken.

Ich weiss auch nicht, aber bei der Auswahl von Drinks habe ich ein schlechtes Händchen. „Dr.Pepper Shot“ tönt doch eigentlich gut und ich dachte, da sei Dr.Pepper-Cola (das ist doch das mit dem Kirschgeschmack) drin. War es aber nicht. Vielmehr bestand der Drink aus einem undefinierbaren Mix aus Chinesischem Alkohol und einer ordentlichen Portion Tabasco. Das Shotglas wurde dann in einem Bierglas versenkt und das Ganze muss man dann auf Ex trinken. „Ganbei“ auf Chinesisch, heisst soviel wie „leeres Glas“. Uäh, sehr scheusslich! Danach habe ich nur noch Cola getrunken. Die Lust auf Alkohol war mir nämlich vergangen.

Am Donnerstag nach dem Unterricht bin ich mit Marie zum Golden Resources Shopping Mall gefahren. Das ist eines der grössten Shopping Centers auf der Welt. Wir wollten für Eni - ebenfalls ein Geburtstagskind, aber erst Ende Woche – ein Geschenk kaufen. Keine so gute Idee. Das Einkaufszentrum ist riiieeesig. So gross, dass man gar nicht weiss, wo anfangen. Das glaubt mir jetzt niemand, aber wir sind stundenlang umhergeirrt und einfach nicht fündig geworden nach einem passenden Geschenk. Es gibt sehr viele Edelboutiquen, ein ganzes Stockwerk voller Möbel, Schmuck, aber alles ziemlich teuer und auch gar nicht speziell. Wahrscheinlich auch der Grund wieso es so wenig Leute hatte. Alle Angestellten zusammengezählt waren bestimmt mehr als die Besucher selbst. Zu guter Letzt haben wir für Eni einfach eine Duftlampe gekauft. Ist wenigstens nützlich in unserem Dorm (wenn jemand auf der Etage Essen kocht oder liefern lässt, riecht mans bestimmt noch 5 Zimmer weiter). Also da hab ich doch lieber die kleinen Stores, wo man auch richtig gut feilschen kann und nicht nur so 08/15 Sachen bekommt.

Am Freitag Nachmittag war ich im Brazilian Churrascos essen. Wow, das war sehr lecker. In der Schweiz würde ich mir das wohl nie leisten. Aber hier kostet es knapp 16 CHF, für chinesische Verhältnisse viel, aber einmal ausprobieren muss einfach sein. Ein grosses Selbstbedienungs-Salatbüffet und so viel Fleisch wie man will. Der „Kellner“ kommt jeweils mit einem grossen Spiess vorbei und schneidet einem das gewünschte Stück direkt auf den Teller. Ich liebe die Restaurants hier!

Am Abend habe ich fleissig für meine Midterm-Prüfungen gelernt. Die finden nächste Woche Donnerstags und Freitags statt. In allen 3 Fächern (Hörverständnis, Mündlich und“ Integriertes Chinesisch“). Mündlich werden es ca. 15 Minuten sein, bei den andern beiden je 1h 40 Min. Auf jeden Fall geht es immer besser und Xiu Min und ich sprechen auch fast nur noch Chinesisch miteinander. Wenn auch manchmal sehr holprig.

Am Samstagabend fand im MIX-Club Eni’s Geburtstagsparty statt. Theoretisch. Als ich nämlich endlich den sog. VIP-room gefunden hatte, erzählte mir ein anderer Mitschüler, dass Eni mit einer Magenentzündung im Spital läge… Okay, schon mal an einer Geburtstagsparty ohne Geburtstagskind gewesen? Ich jetzt schon.
Bin dann nicht so lange geblieben, da mir das MIX nicht so gefallen hat. Es war brechend voll und die Atmosphäre war auch nicht so gut.

Heute habe ich viel Chinesisch gepaukt und mich ein bisschen über meine neue Mai-Ferien Idee informiert. Man kann mit Cycle China in einer Gruppe nach Guilin fliegen und dort mit dem Velo die Landschaft erkunden. Das muss doch toll sein! Ich ruf morgen gleich an und frage, ob die noch einen Platz frei haben.

Nach Ürümqi gehe ich nun doch nicht, da mir die Gruppe, welcher ich mich anschliessen würde, zu sehr „party people“ sind. Die würden wahrscheinlich die ganzen 45 h im Zug trinken und feiern. Das ist mir zu heftig. Bali fällt auch ins Wasser, da Rui die einzige war, die dorthin wollte, sie aber jetzt in Deutschland ist. Tibet ist mir zu teuer. Und die andern Leute, welche ich kenne, bleiben entweder in Beijing (sie bekommen Besuch) oder gehen nach Shanghai. Shanghai will ich lieber mal ein Wochenende erkunden. Hm, was gibt’s noch? Ach ja, Hainan, das sog. „Hawaii Chinas“. Aber da würde ich mich Marie anschliessen und das ist keine so gute Idee. Sie ist zwar sehr nett und lustig, gibt aber definitiv zu viel Geld aus. Die Woche mit ihr würde wahrscheinlich meine gesamte Urlaubskasse sprengen.

Sie ist mit ein paar andern Mädels unterwegs, die sind einfach von einer andern Welt. Alles Hongkong-Chinesinen. Es ist mir sowieso aufgefallen, dass recht viele Leute aus Hongkong „herunterschauen“ auf die andern Chinesen. Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann. Klar, sind viele vielleicht weniger „zivilisiert“ wie in unserem Sinne. Aber westlicher heisst noch lange nicht besser, oder?

Die Girls jedenfalls müssen alle steinreiche Eltern haben. Laufen nämlich alle nur mit Prada, Marc Jacobs (kannte ich vorher gar nicht), Gucci, etc. herum. Echte Marken, keine Fälschungen, egal ob Sonnenbrille, Gürtel, Tasche oder Geldbörse. Ich kann damit aber nicht viel anfangen und laufe weiterhin mit einigen Fakesachen herum. Wenn es mir gefällt, ist es mir egal, dass irgendwo ein Logo draufsteht. Aber ehrlich gesagt fühle ich mich schon ein wenig merkwürdig, wenn ich mit den Girls unterwegs bin. Alles dreht sich um Klamotten oder Guys oder Essen. Komme mir manchmal vor wie in so einer amerikanischen Uni-Komödie. Eine von ihnen wohnt nicht auf dem Campus sondern in einem riesigen Luxusapartment Downtown. Die andern wohnen zwar auf dem Campus aber in den Deluxe-Zimmern. Das ist für mich alles nochmals eine andere Welt in einer anderen Welt.

Und definitiv nicht meine. Die Mädels sind nämlich trotz des Geldes nicht glücklicher. Im Gegenteil, sie haben keine grossen Ziele oder Pläne, auch nicht beruflich. Wer schon alles hat, kann sich auf gar nichts mehr freuen.

Ich hatte die ganze letzte Woche nur kaltes Wasser, einen Stromausfall und gestern den ganzen Tag kein Internet. Nervt zwar ganz schön und wünsch mir ab und zu auch etwas mehr Luxus herbei, aber so lerne ich wenigstens Dinge zu schätzen. Ich freue mich jeweils riesig, wenn wir z.B. wieder warmes Wasser haben.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Immer wieder informativ!

11:29 PM  

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