30 April 2006

Ni hao Guilin!

Mein Biketrip in Guilin war angesagt! Die Infos (wo und wann wir uns treffen sollten) kamen chinatypisch – auf den letzten Drücker am Abend zuvor per E-Mail. Treffpunkt: „14th Gate waiting lounge 2nd floor no 2 terminal“, dazu noch die Flugnummer, Einfindungszeit und Mobilenummer der Ansprechsperson.
Der Flughafen ist zwar recht gross, aber wird schon schief gehen, habe ich mir gedacht. Am Samstag war ich extra noch im Silkmarket um mich noch passend auszurüsten. Einen grossen Backpack, ein paar Shirts und eine kurze Hose habe ich mir dort besorgt. Gar nicht so einfach, ganz gewöhnliche Tops zu kaufen. Hier haben Frauenkleider meistens schrille Farben, merkwürdige Schnitte, Glitzer, Perlen und alle möglichen schrecklichen Verzierungen. Gar nicht mein Geschmack. Ich habe schlussendlich noch „normale“ Tops gefunden, aber die stellten sich im Nachhinein als recht klein heraus. Auch typisch, hier gibt es oft nur Einheitsgrössen und die sind auf die Chinesen zugeschnitten. Egal, Mut zur Hässlichkeit, den habe ich ja bereits bewiesen, da kommts auf das eine oder andere „Wurst-in-der-Pelle“-Gefühl mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Ich habe dann auch noch eine Tasche für meine Schwester besorgt um die musste ich kräftig feilschen. Ein Jeans-VL Bag. Offenbar müssen die da recht aufpassen. Alle Verkäufer haben mir die Tasche nur ganz versteckt, in einem schwarzen Plastiksack oder in einer Schublade gezeigt. Nirgends war sie ausgestellt und alle haben extrem aufgepasst, dass sie dabei nicht beobachtet werden. Merkwürdig. Bei andern offen ausgestellten Artikeln, v.a. Taschen rufen einem die Verkäufer jeweils zu: Look, Gucci, Prada! Hat bestimmt damit zu tun, wie aktuell die Kollektion ist. Auf jeden Fall hatte ich die nötigsten Utensilien für morgen besorgt und habe am Abend dann alles gepackt.

Am Sonntag kurz bevor ich los wollte, ist mir dann noch eingefallen, dass ich das Wort für „Flughafen“ auf Chinesisch gar nicht wusste. Die Taxifahrer können kein Englisch und ich hatte keinen Bock wegen Verständigungsprobleme am falschen Ort zu landen. In meinem Sprachführer habe ich das merkwürdigerweise nicht gefunden. Also habe ich noch schnell Xiu Min gefragt, ob sie mir das aufnotieren kann. „Ni hao, ji chang“, und schon gings dann los mit dem Taxi Richtung Beijing Capital Airport.

Dort angekommen brauchte ich schon eine Viertelstunde um den Treffpunkt zu finden. Mit Gate 14 hatten die nämlich einfach den Eingang Nr. 14 gemeint und der 2nd Floor entpuppte sich als dieselbe Etage, wo mich der Taxifahrer abgesetzt hatte. Auf jeden Fall hab ich’s dann doch gefunden. Unsere Gruppe bestand aus 8 Leuten: Ein Pärchen (Deutscher und Chinesin, beide zwischen Ende 30, Anfang 40), ein Shanghaier (ca. Mitte 30), eine Französin (Mitte 30), eine Amerikanerin (Mitte 20), eine Peruanerin (30), ein Argentinier (Mitte 30) und ich (… ups, apropos Alter in knapp einem Monat ja auch schon 25).

Der Flug nach Guilin mit Air China war ganz okay. Wie üblich zwar mit Verspätung. Aber bei etwa 50 Minuten nicht so tragisch. Nach etwa 2.5 Stunden Flug sind wir angekommen und uff, die Luft war ganz anders als in Beijing. Feucht und warm. Genau so wie im Tropenhaus, in welchem ich vor einer Weile war. Aber sehr angenehm. Am Flughafen wurden wir von unserem Guide Stephanie abgeholt und mit einem kleinen Bus zum Hotel gebracht. Dort habe ich das Zimmer mit der Amerikanerin bezogen. Sie heisst Christin und ist Lehrerin für Erstklässler in den USA. Ausserdem redet sie wie ein Wasserfall. In China ist sie für 2 Monate zu Besuch bei ihrem Onkel. Ihre Tante hatte den Trip nach Guilin für sie gebucht. Christin hat erzählt, wie bedürftig ihre Schüler sind. Viele werden von den Eltern einfach nonstop vor den Fernseher gesetzt oder ihnen wird ein Videospiel in die Hand gedrückt. Zu Essen gibt’s Pizza, Burger, Fritten und Co. Wenn sich in den USA die Situation nicht gehörig ändern würde, wüchse eine Generation mit gravierenden Schwierigkeiten heran.

Später sind wir alle zusammen Essen gegangen. In so einer Art Open-Air-Restaurant. Da waren nur Einheimische, die uns recht doof angekuckt haben. Das Essen war sehr gut, aber auch hier äusserst ölig. Habe das Gefühl, dass ich den weiblichen „Laowai“’s (Ausländern) je nach Übergewicht ansehen kann, wie lange sie schon in China sind. Die Peruanerin ist schon ein Jahr hier und schon recht aus dem Leim gegangen. Hat sie mir auch bestätigt.

Habe mich recht lang mit Frank, dem Shanghaier unterhalten, er arbeitet bei Alcatel im Key Account Management für China Mobile. Zu ihm hatte ich sofort einen guten Draht und ich konnte auch gleich noch ein bisschen Chinesisch mit ihm üben. Die Peruanerin arbeitet bei CCTV (China Central Television) als Spanisch-Editor, Thu-Ly (die Chinesin) ist „Head of Foreign Investment Department, German Lawyer“, Karl (der Deutsche) arbeitet in irgendeiner deutschen Firma, den Namen habe ich leider vergessen, Sergio, der Argentinier, arbeitet in einer französischen Firma, Katie die Französin ist Forscherin für Procter & Gamble. Oliver, ein weiterer Deutscher arbeitet bei VW und war direkt aus Shanghai nach Guilin zur Tour gekommen. Alles sehr interessante und witzige Leute.