29 April 2006

Mozart und Henry Mintzberg in China

Zum 250. Geburtstag von Mozart veranstaltete die Tsinghua Universität abends ein klassisches Konzert. Dargeboten von Stundentinnen und Studenten. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht besonders viel von klassischer Musik, obwohl ich das jetzt gerne behaupten würde. Macht so einen intellektuellen Eindruck. Auf jeden Fall hat mich die Veranstaltung gleich interessiert.

Offenbar jedoch nicht nur mich. Der Saal war knallvoll. Ich musste die erste halbe Stunde stehend in einer Ecke gequetscht verbringen. Hätte nicht gedacht, dass Mozart hier so populär ist. Mir hat das Konzert sehr gut gefallen. Ich werde zwar nicht zum Klassikfan mutieren, aber die Musik ist ausgezeichnet zum Nachdenken. Man wird automatisch dazu inspiriert, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Eine Art bewusstes Nachdenken mithilfe der Musik. Wann nimmt man sich schon die Zeit dazu?

HenHenDiese Woche gab es ausserdem ein Vorlesungs-Highlight. Ein MBA-Student hatte mir erzählt, dass Henry Mintzberg der Tsinghua einen Besuch abstatten wird.
Henry Mintzberg ist einer der bedeutendsten Management-Theoretiker. Sein neuestes Buch heisst „Manager statt MBA“ mit dem er sich kritisch über die praxisentfernte Ausbildung äussert. Zwar habe ich das Buch nicht gelesen, aber mich darüber informiert. Klar, dass ich bei der Vorlesung auch dabei sein wollte. Da sie abends stattfand auch kein Problem.

Beim Anstehen vor dem Eingang habe ich gleich noch eine chinesische Studentin kennen gelernt. Scarlet ist hier englischer Name (was habe ich einmal über die Namenswahl der Chinesen gesagt?).Wir sind dann zusammen in den Vorlesungssaal des Managementgebäudes gegangen. Henry Mintzbergs Vortrag war sehr interessant. Vorallem die Art und Weise, wie er erzählt hat. Es handelte sich vorwiegend um Führungstheorien, aber alles einfach und einleuchtend erklärt. Das Präsentationsmedium, welches er benutzt hatte, war mir auch neu. Er hat jeweils auf gewöhnliche weisse Blätter auf seinem Tisch Modelle aufgezeichnet, diese wurden direkt auf die Wand hinter ihm projiziert. Also so, als würde eine kleine Kamera seine Hand filmen und es gleich im Hintergrund abbilden.

Am Donnerstag habe ich entdeckt, dass es auf dem Campus ein Fastfood-Restaurant gibt. Das heisst Qingqing Burger. Eine perfekte Kopie von McDonalds. Ganz schön dreist. Dieselben Menüs, Getränkebecher, Bestelltheke, Arbeitskleider der Angestellten (inkl. Mütze), Abfalleimer, Tabletts, alles sieht praktisch gleich aus wie bei McDonalds.

Unterschiedlich sind einzig das Logo, der Preis (halb so teuer) und der Geschmack. Die Burger sind hier nicht so zusammengedrückt und schmecken irgendwie frischer. Nächstes Mal werde ich Fotos von dem Restaurant machen, die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Chinesen sind Meister im Kopieren.