Reisterrassen von Longsheng
06:30 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Am Frühstückstisch hätte ich einen Kaffee wirklich gut gebrauchen können. Gabs aber nicht. Ist hier in China sowieso schwer zu bekommen. Dann halt Sojamilch und Grüntee. Heute stand die Besichtigung der Reisterrassen auf dem Plan. Mit einer Stunde Verspätung – der Bus war nirgends – gings die 2.5 stündige Fahrt los. Der letzte Teil der Fahrt führte in Schwindel erregender Höhe über kurvenreiche Strassen. Zum Glück bin ich mir das von den Snowboard-Ausflügen in der Schweiz gewöhnt. In Longsheng mussten wir in einen öffentlichen Bus umsteigen. Hier sind die Zhuang-, Yao- und Maionationalitäten ansässig. In China gibt es 56 Nationalitäten, wobei die Han über 90% ausmachen. Verständigen kann man sich aber in Mandarin. Was allerdings verwirrt ist die Tatsache, dass sie in ihrem Dialekt „shi“, also 10, als „si“ aussprechen, was 4 bedeutet. Als ich während der Wartezeit auf den Bus nach dem Preis für Postkarten gefragt habe, bekam ich als Antwort „si“. dies aber mit dem gekreuzten Fingerzeichen, welches 10 bedeutet. Hey, das ist doch mal ein Beispiel für eine inkongruente Nachricht. Hab also doch noch nicht alles vom Kommunikations-Unterricht vergessen ;-)
Die Reisterrassen sind nicht mit dem Bus zu erreichen. Man kann nur bis zu einem bestimmten Punkt fahren, aber dort gilt es Treppen zu steigen. Und zwar steile. Eine halbe Stunde und viele Ächz’er später waren wir alle am Gipfel angekommen. Hier hatte man eine sehr gute Aussicht über die unzähligen Terrassenfelder. Sie zählen zu den grössten zusammenhängenden Reisfeldern der Welt und wurden vor über 700 Jahren angelegt. Im Volksmund "Terrassen des Drachenknochens" genannt und ein wahres Wunderwerk.
Auf dem Weg zurück haben wir in einem kleinen Restaurant die Spezialität „Bambusreis“ gekostet. Das ist wie der Name schon sagt in einem Bambusrohr gedämpfter Reis. Um diesen zu essen, muss man das Rohr aufbrechen, darin befindet sich der klebrige leicht süsslich schmeckende Reis, den man mit den Stäbchen herausklaubt. Hmmm, himmlisch! Schade gibt’s den nicht in Beijing.
Wir sind dann die unzähligen Stufen wieder heruntergestiegen und mit dem Bus Richtung Flughafen gefahren. Theoretisch sollte unser Flugzeug um 17:40 fliegen. Aber erstens sind wir in China und zweitens heisst die Fluggesellschaft Air China. In Tat und Wahrheit wurde es nach 20 Uhr, bis die Maschine endlich abhob. Den grössten Teil vom Donnerstag haben wir also sitzend (wartender-, fahrender- und fliegenderweise) verbracht. War froh, als wir dann um die 23 Uhr endlich ankamen. Aber auch etwas traurig, dass die Ferien schon fast vorbei sind. Die Cycle China Tour fand ich toll: die Orte waren einmalig, die Gruppe super, die Hotels okay. Einzig unser Tourguide Stephanie war eine Katastrophe. Die hatte von nix eine Ahnung. Einmal ist sie sogar verloren gegangen und wir haben die Biketour alleine bewältigt. Ohne Frank und seinem Chinesisch wären wir alle ganz schön aufgeschmissen gewesen.
Das war schade. Ein guter Tourguide hätte alles noch einmaliger gestalten können.
Dennoch bin ich begeistert von der Reise zurückgekommen. Überwältigt von der Schönheit der Landschaft. Wenn ich mir die Fotos anschaue, kann ich noch immer nicht glauben, dass ich tatsächlich dort war…. Wo ai Guilin

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