02 Mai 2007

Going east again

Tja, unverhofft kommt oft. Oder so ähnlich. Ende Juni werde ich schon wieder in China sein. Und zwar zum Arbeiten. Ja, ist eine verrückte Geschichte, aber ich werde bei der Schweizerischen Handelskammer tätig sein.
Das heisst aber auch im September für 'ne Woche zurück in die Schweiz düsen, die Abschlussprüfungen ablegen und wieder zurück. Wird heftig, aber hey, hab schon Verrückteres gemacht.
In diesem Fall heisst es schon bald wieder zaijian Schweiz und ni hao China ;-)

21 August 2006

Zurück

29.7.06
Die Zeit ist einfach viel zu schnell vergangen. Ich bin jetzt wieder zurück in der Schweiz.

Mein Blog - gemäss neuem Duden korrekter "das Blog" ;-) - konnte ich nicht mehr updaten, da ich sehr wenig Zeit hatte und/oder Preise für die Computerbenutzung astronomisch hoch waren. Ich werde aber ein Buch über meine Erfahrungen in China und meine abenteuerliche Reise alleine durch Südostasien schreiben. Da gibts einen tollen Onlinedienst, da kann man sich ganz günstig ein paar Exemplar zur Erinnerung drucken lassen. Über Amazon werden die dann auch bei Bestellung verkauft. Find ich toll.
Es war eine unglaubliche Erfahrung für mich und ich werde die Zeit in Asien nie vergessen.
Viele Fotos sind jetzt auf meiner Fotoseite

Hier noch meine Lieblingsvideos aus Beijing "Sexy Beijing von Danwei TV"
Lost in translation
Looking for double happiness


-----
21.8.06
Wieder hier zu sein... Das war an dem Ganzen das schwierigste. Ich wusste, dass enorm viel Arbeit auf mich warten würde, Schulstoff nachholen und mich auf die Diplomprüfung in knapp 2 Monaten vorbereiten, eine Wohnung suchen, mich in meinem Job wieder zurechtzufinden, die Diplomarbeit anzupacken und einiges mehr. Es ist ein enormer Druck. Und doch, das ist nicht das Schlimmste am Ganzen. Am Schlimmsten ist die Einsamkeit. Die Willkommensfreude mit Family und Freunden währt halt auch nicht ewig und sobald dieser Ausnahmezustand vorbei ist kommt das Loch. Ich fühle mich einsamer als je zuvor. Wieso? Weil viele zwar sagen: "cool, du warst in China. Wie wars denn so?", sich aber eigentlich nicht wirklich dafür interessieren. Weil sie sich es halt auch gar nicht vorstellen können, sie gar keine Beziehung zu China haben. Das ist so Schade. Wenn man so viel Interessantes zu erzählen hätte, aber man gar nicht erst anfängt, weil man weiss, der Gegenüber interessiert sich nicht dafür. Das macht einsam. Aber auch weil ich auf dem Campus ständig Leute um mich herum hatte, mit denen man irgendetwas unternehmen konnte, irgendwohin, zusammen essen, lernen oder was auch immer. Hier kann man nie spontan irgendetwas unternehmen. Alle scheinen Wochen im Voraus bereits Termine zu planen. Schrecklich. Ich mach das nämlich überhaupt nicht gerne. Wenn ich Lust habe, heute ins Kino zu gehen, dann hab ich heute Lust. Und nicht vielleicht in 2 Wochen. Aber eben, scheint fast so, als muss ich auch mit so einer blöden Planung anfangen, sonst hock ich am Schluss nur alleine rum, weil niemand Zeit hat. "Hey Michaela, come down, we sitting in the sun downstairs drinking some green tea with whiskey", solche Anrufe und SMSen vermisse ich.
Ausserdem habe ich damit zu kämpfen, dass alles so steril ist, atuomatisch, viel zu geordnet, als befänden sich alle in einem kleinen Kasten über dessen Rand sie nicht hinaussehen können oder wollen. Mein Leben in Asien war so voll Intensität, voller Geräusche, Eindrücke überall. Das fehlt mir. Fühle mich irgendwie zerrissen, als ob ein Teil von mir an all den Orten in Asien geblieben ist.

05 Juli 2006

Raus aus Kambodscha

Heute habe ich meine Reisetasche geleert und ein paar Kleidungsstücke gespendet. Hier fehlt es wirklich an allem. Kambodscha ist sehr anstrengend, körperlich (das Herumgesteige in den Tempeln und die kaputten Strassen) aber vorallem psychisch. Killing Fields, S-21, Minenmuseum, überall Bettler, Minenopfer... Zum Glück habe ich nichts von der Kinderprostitution mitbekommen. Der Stadtplan von Phnom Penh und der Visitors Guide von Siem Reap haben beide auf der Rückseite ein Bild eines Mannes mit einem Kind und der Überschrift: "Sex with children is a crime" Dazu eine Nummer, unter der man Verdächtige melden kann. Mir ist aufgefallen, dass es sehr viele Kinder überall hat. Ich habe dann im Lonely Planet nachgelesen, dass 40% der Bevölkerung unter 15 Jahren ist. Ein sehr bedrückendes Land. Ich habe Unmengen Souvenirs gekauft und einiges Geld gespendet um wenigstens ein bisschen zu helfen. Zu meinem grossen Unverständnis haben praktisch alle Reisenden, mit welchen ich mich unterhalten habe gesagt, sie spenden aus Prinzip nichts und Sachen abkaufen wollen sie auch nicht. Bin mit einem Tuktuk (Motorrad mit Anhänger) zum Flughafen getuckert. Vorbei am Kinderspital wo wieder sehr viele Patienten bereits am Warten waren. Vorbei an den prunkvollen Hotels ausserhalb der Stadt. Das stimmt einen wirklich nachdenklich. Es gibt so viele Touristen, die einfach wegen der Tempel hierher kommen und gar nichts vom Land sehen oder wissen wollen. Das haben mir auch schon viele Kambodschaner erzählt. Ist auch einer meiner Gründe, wieso ich in so billigen Unterkünften wohne, die befinden sich nämlich immer mitten in den einheimischen Vierteln. Da sieht man wirklich, wie die Leute leben. Am Flughafen angekommen dann ein rechtes Chaos. Der war nämlich umgezogen und erst seit heute eröffnet. Niemand wusste wo sich was befindet und ich bin etwa eine halbe Stunde mit meiner Tasche vom einen Gebäude ins andere und wieder zurück geirrt. Weil mich jeder wo anders hingeschickt hat. So mühsam. Schlussendlich hab ich aber den AirAsia Schalter gefunden und mein Ticket gekauft. Dann wollte ich zum Geldautomaten, da ich noch die 25 (!) Dollar Abfluggebühr zahlen musste. Geldautomat? Gibts hier nicht. Auf dem ganzen (kleinen) Flughafen keinen einzigen. Zum Glück hatte ich aber noch chinesische Yuan dabei, die ich wechseln konnte. Ich habe dann die beiden Kanadierinnen wieder getroffen und habe ihnen erzählt, dass das der erste Tag des neuen Flughafens sei. War irgendwie lustig. Ich war die erste Kundin überhaupt, die das Internet dort benutzt hat (der Chef ist sogar vorbei gekommen und hat mich gefragt, ob es überhaupt funkioniert). Ausserdem hab ich eine Eis gekauft, so ein Sunday-mässiges. Da haben mir die Angestellten aber zuerst einfach Erdbeer anstatt Schokolade gegeben, weils das offenbar nicht mehr gab. Daran hab ich mich auch schon gewöhnt, wenns etwas nicht gibt, kriegt man einfach was anderes hingestellt. Ich wollte dann aber doch eine ganz andere Sorte. Das hätte ich aber lieber gelassen, weil die Maschine noch nagelneu gewesen sein muss, sodass das Eis nach einem Gemisch aus Plastik und Maschine geschmeckt hat. Alle waren ganz nervös und haben sich sehr angestrengt, wegen dieses Eröffnungstages. Beim AirAisa Check-In haben die dann sogar gesagt, wir können uns die Plätze aussuchen, da es nicht viele Leute auf dem Flug gibt. Wir haben dann auch ein Foto mit der Crew (das war ihr erster Arbeitstag überhaupt) gemacht. Die Nervosität war irgendwie ansteckend. Ohne Grund, alles ging super. Wir konnten in der ersten Reihe sitzen, sind früher als geplant abgeflogen und die Flugzeit war auch noch kürzer als sie normalerweise ist. In Kuala Lumpur hiess es wieder die Uhr umstellen. Ich habe mich von den Girls verabscheidet und einen Flug anch Kota Bharu gebucht. Der ging allerdings erst abends und so hab ich mich halt in ein Cafe gesetzt. In Malaysia fällt mir auf,dass sehr viele Frauen mit Kopftüchern herumlaufen. Ausserdem sind viele Shops (es gibt hier Mc Donalds, im Gegensatz zu Vietnam und Kambodscha) sehr westlich orientiert. Viele Gegensätze. Habe eine nettes malaysisches Pärchen angesprochen. Die haben mir gesagt, dass sie gerade kürzlich in Santa Catalina Island (stand auf meinem T-Shirt drauf) waren. Sehr witzig, ich war nämlich gar nicht dort, hab das Shirt vom Manor in Zürich. Sie haben mir ein paar Tipps gegeben, vorallem nach Penang sollte ich nach den Perhentian Islands auch noch gehen.
Auf dem Flug nach Kota Baruh war ich die einzige Frau ohne Schleier. Bin mir etwas komisch vorgekommen. Als ich auf mein Gepäck am Warten war, hab ich die einzigen Westler, die dort waren angesprochen. Ob wir uns ein Taxi teilen könnten. Da sie auch am nächsten Tag zu den Inseln wollten und noch gar keine Idee hatten, wo übernachten, hab ich Ihnen von meinem aus dem Lonely Planet erzählt. Da sind sie dann auch gleich mitgekommen. War nämlich schon mitten in der Nacht und sie hatten keinen Bock noch gross zu suchen. Das Guesthouse stellte sich dann als recht heruntergekommen heraus. Mein Zimmer war 15 RM und eine richtige Bruchbude. Toilette (Plumpsklo) und Dusche - von der ekligen Sorte - draussen. Naja, wir haben den Transfer zu den Inseln sehr früh gebucht, um 5.45, somit würden wir eh nicht viel Zeit im Guesthouse verbringen. Der Besitzer war grumpy old man wie es im Buche steht. Sogar Toilettenpapier musste man extra kaufen. Na dann gut Nacht!

04 Juli 2006

Thailand oder Malaysia?

Heute habe ich fast den ganzen Tag damit verbracht, herauszufinden wie und wohin ich in Thailand reisen soll. Das Ticket nach Ko Samui ist mir mit 250 Dollar doch recht teuer, ausserdem ist das Wetter dort im Moment auch nicht so der Hammer. Habe mir den Wetterbericht fuer die kommenen Tage angeschaut. Besser siehts in der Gegend um Ko Chang oder Pattaya aus. Allerdings gibt es im Moment keine Fluege dorthin und die Busse sind mir nicht geheuer. Die Strasse ist naemlich in einem katastrophalen Zustand. Also etwa 8 Stunden Ruettelfahrt ueber Stock und Stein. Im Lonely Planet habe ich dazu uebrigens folgendes gelesen: "Bouleevard of broken Backsides. Why is the road between Siem Reap and the Thailand border at Poipet still in notoriously bad shape when its condition should be a major priority for trade and tourism? Well, it's rumoured that an unnamed airline is paying an unstated commission to an unnamed political party to indefinitely stall this road's upgrade!"
Irgendwie wusste ich langsam auch nicht mehr, wohin jetzt eigentlich. Ich wollte einfach nur Strand, Sonne und Ausspannen. In einem kleinen Cafe, wo ich meinen Reisefuehrer am Durchblaettern war, habe ich dann halt einfach die einzigen andern Gaeste, zwei Girls in meinem Alter gefragt, ob sie schon in Thailand waren. So haben wir angefangen zu quatschen und ich habe erfahren, dass sie nach Malaysia fliegen, um dort am Beach auszuspannen. Ein Ticket nach Kuala Lumpur online gebucht kostet nur gerade 45 Dollar und Malaysia muss ebenfalls traumhafte Straende haben. Ausserdem ist dort jetzt keine Regenzeit. Ich habe eigentlich ueberhaupt keine Ahnung von Malaysia, aber hey, im Moment sprechen mehr Gruende dafuer als fuer Thailand. Die Lust auf die Vollmondparty ist mir sowieso schon lange vergangen. Was ich hier alles mitbekommen habe, bricht mir das Herz und es beelendet mich seit ich angekommen bin.
Als ich schliesslich online buchen wollte, war es aber auf einmal schon zu spaet fuer den Flug von morgen. Bei Beginn der Buchung war es noch in Ordnung, aber nach einer Weile war der naechstbuchbare Flug der 6. Juli. Es gibt da eine Zeitlimite, so stand es jedenfalls dann in der Fehlermeldung. Na toll. Habe dann der Airasia angerufen, allerdings war die Leitung miserabel. Ich glaube die Dame am Telefon hat mir gesagt, ich solle einfach am Flughafen das Ticket kaufen. Das werd ich jetzt morgen einfach machen. Hatte ich, bevor die Idee mit Malaysia aufkam, eh schon als Option im Sinn, einfach an den Flughafen und schauen, was es fuer Fluege gibt.
Nach dem ganzen Hin- und Her wegen der Reise bin ich dann mit einem Motorrad zum Landminen-Museum gefahren. Es ist kein offizielles Museum, sondern wurde von Aki Ra gegruendet. Er war ein Kindersoldat der Khmer Rouge und lernte dort, wie man Minen legt und entschaerft. Jahre spaeter wurde er von den Vietnamesen gefangen und hat deren Armee unterstuetzt. Seitdem verbringt er sein Leben damit, das Land von Minen zu befreien. Er wird nicht bezahlt von der Regierung sondern er und sein "Museum" leben von Spenden. Hier wohnen uebrigens auch etlich Minenopfer. Das erste was man sieht, wenn man nach dem holprigen Schlammweg dort ankommt, sind Kinder ohne Arme, Haende oder Beine, die hier wohnen. Auch sie leben von den Spenden.
Ueberall auf dem Gelaende sind die tausenden verschiedensten Minen aufgestellt, die Aki Ra bereits entschaerft hat. Ich habe eine DVD und ein paar andere Sachen gekauft und habe noch ein paar Dollar gespendet. Ich haette so gerne noch mit Aki Ra geredet, aber auf einmal fing es sehr stark zu winden an und es war klar, dass gleich der heftige Regen eintreten wuerde. Der Fahrer hatte bereits ein paar Mal gehupt und verliess ich die kleine Anlage halt schweren Herzens. Nach kurzer Zeit fing es dann auch an richtig zu schiffen. Wir sind durch viele Schlammloecher und den Dreck gefahren und ich bin auch richtig nass geworden. Aber das war mir auch egal. Die Bilder vom Landminen Museum haben sich mir fuer immer eingepraegt.

02 Juli 2006

Angkor What?

Wieder frueh aufstehen. Heute waren die Tempel von Angkor auf dem Programm. Eine Riesen Tempelanlage oder eher Stadt mit unzaehligen Tempeln inmitten des Dschungels. Unglaublich. In einem der Tempel wurde auch Tomb Raider gedreht. Dieser Tempel wird mehr und mehr von der Natur umschlungen und zerstoert. Die Wurzeln der riesigen Baeume graben sich in die Mauern und verschieben das Gestein. Es ist ein atemberaubender Anblick. Leider habe ich den Tomb Raider Film nicht gesehen, jetzt muss ich das aber wohl noch nachholen, wenn mich das Fernweh packt. Habe mittlerweilen 3 CDs mit Fotos von meiner Reise durch Vietnam und Kambodscha, da sind ein paar sensationelle Bilder darunter. Mal schauen, wann ich die hochladen kann. Wie bereits erwaehnt, ist das hier nicht so einfach. Ein paar davon sind jetzt aber auf der Flickr-Seite.
Am naechsten Tag bin ich schon vor 5 Uhr morgens aufgestanden und mit dem Motorrad zu Angkor Wat, dem bekanntesten der Tempel und eines der Weltwunder, gefahren. Hier wollte ich naemlich den Sonnenaufgang bestaunen. Leider war der Himmel aber sehr bewoelkt und somit auch keinen richtig spektakulaeren Sonnenaufgang vor dem noch spektakulaereren Angkor Wat. Aber nicht so schlimm, der Tempel allein laesst einen schon aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. Habe mehrer Stunden dort verbracht und bin durch die ganze Anlage geklettert. Man kommt sich uebrigens hier vor wie in einem Indiana Jones Film. Ueberall diese wunderschoenen mystischen Tempel inmitten des Dschungels, in denen man nach Lust und Laune herumklettern kann und immer wieder Neues entdeckt. Aber es ist recht anstrengend und ab und zu regnet es auf einmal. Hier ist im Moment ja die Monsoon Zeit.
Mein Husten ist immer noch nicht besser geworden. Also habe ich mich dazue entschlossen, nach der Tempeltour bei einem Arzt vorbeizugehen. Mak, mein Fahrer, hat mich bei einem Spital abgesetzt. Drinnen wurde ich dann auch von einem Arzt in Empfang genommen, der praktisch kein Englisch sprach. Ich habe ein paar Mal gehustet und er hat mir in den Hals geschaut. Dieses Ding, mit dem die Aerzte jeweils die Zunge runterdruecken, wenn sie einem in den Rachen schauen, hat er dann uebrigens aus Versehen fast in die saubere Schale zu den anderen Instrumenten zurueck gelegt. Versehen oder wollte er es eigentlich in die Schale zu den andern zureucklegen und hat sich im letzten Moment besinnt, dass das vor den Augen einer westlichen Touristin doch nicht so gut ist? Wie auch immer, das Ganze war mir gar nicht geheuer. Und als er dann noch sagte, er wolle mir Blut abenehmen. Habe ich gesagt, auf gar keinen Fall!
Seine Diagnose war Bronchitis und Pharyngitis. Er hat mir 4 (!) Medikamente verschrieben. Als ich ihm gesagt habe, dass ich das etwas viel faende, hat er mich nicht verstanden. Am Empfang habe ich dann gefragt, wie teuer die Medis denn seien. 30 Dollar fuer alle 4. (Uebrigens wird hier in Kambodscha wie auch schon in Vietnam der Dollar gleich wie Riel resp. Dong akzeptiert. Ich zahle mal in Dollar und mal in der Inlaendischen Waehrung). Also habe ich gesagt, ich wolle das mit den Medis noch abklaeren und im Moment nur die Konsultation bezahlen. Die war dann 5 Dollar. Langsam beginne ich mich wirklich darueber zu nerven, hier als wandelndes Portemonnaie angesehen zu werden. Alle versuchen irgendwie moeglichst viel Geld zu bekommen.
Hab die Gebuehr dann schnaubend bezahlt und bin ins naechste Internetcafe. Dort hab ich per Skype meinem Hausarzt angerufen, ihm meine Situation erklaert und ihm das Rezept vorgelesen. Eines der Medikamente ist in Europa gar nicht erhaeltlich, ein Antibiotika-Hammer, also sehr starkes Zeug. Auch von den andern hat er mir abgeraten (Stacef, Pnedisolon und Lysopain). Einzig das Mucomyst soll ich besorgen. Das hab ich dann auch getan und ich hoffe, dass der Husten bald besser wird.

01 Juli 2006

Mit dem Bus nach Siem Reap

Zwar ist seit gestern das Kopfweh weg, dafuer wird mein Husten, den ich seit ein paar Tagen habe, immer schlimmer. Habe heute ein letztes Mal im 'No Problem' gefruehstueckt und bin dann mit dem Jungen zum Phnom Wat gefahren. Ich wollte schliesslich noch ein bisschen was sehen, bevors dann nach Siam Reap weiterging. Phnom Wat ist eine Pagode auf einem kleinen Huegel, sie gab der Hauptstadt Kambodschas ihren Namen. In dem Park rundherum sieht man mehrere Affen und sehr viele Bettler. Minenopfer ohne Arme oder Beine, verbrannte Gesichter, Blinde, Kinder und vieles Beelendendes mehr. Es ist eine Tragoedie. Ich habe ein paar von ihnen etwas Geld gegeben, im Buddhismus ist das Geldspenden auch eine gute Sache. Also nicht so, dass einfach nur die reichen Touristen angehauen werden. Apropos Touristen. Hier ist ja Monsun Zeit und ja, es hat praktisch gar keine Auslaender hier. Nachdem ich mir die Gegend angschaut hatte und noch einen Teil von meinem Geld losgeworden war, sind wir dann zur Busstation gefahren. Hier hab ich den eher Klapperkisten-maessigen Bus nach Siem Reap genommen. Drinnen waren vorallem Khmer, aber auch 3 Amerikaner. Die Fahrt ging erstaunlich gut und ich habe viel von der Gegend gesehen. In Siem Reap dann - erwartungsgemaess - dasselbe Spiel wie bei meiner Ankunft in der Hauptstadt... tonnenweise junge Leute, die einem eine Fahrt oder eine Unterkunft andrehen wollen. Dieses Mal hat's mich eigentlich nicht gross gestoert. Habe mich spontan fuer einen sympathischen Fahrer entschieden, welcher mich zum Garden Inn gebracht hatte. Die hatten dort aber kein Zimmer mit Dusche/WC mehr sondern nur ohne fuer 3 Dollar. Dann haben sie mich halt zum Popular gebracht. Das war mich gar nicht so sympathisch, aber okay, fuer 5 Dollar war das Zimmer in Ordnung. Kaum dort angekommen, hab ich meinen Reisefuehrer aufgeschlagen, eigentlich auf der Suche nach einem Restauranttipp und siehe da, unter Entertainment bin ich aus purem Zufall auf das Konzert von Beatocello gestossen. Da haette ich sowieso gerne mal hin wollen. Nun wollte es der Zufall auch, dass das Konzert jeweils Samstags 19:15 Uhr stattfindet. Es war Samstag, 19:00 Uhr. Perfekt, haett ich es im Voraus geplant, haette es sicher nicht geklappt. Also, wieder aus dem Zimmer raus und unten einen Fahrer zum Kinderspital organisieren. Nach einer kurzen Fahrt kamen wir auch schon im Kantha Bopha Kinderspital an. Vorne auf der Buehne sass Beat Richner mit seinem Cello. Alle Kinder werden hier gratis behandelt. 95% der Khmer koennten es sich sonst auch gar nicht leisten, in das Spital zu kommen. Korruption ist ein sehr grosses Problem im Gesundheitssektor. Mit der Gratisbehandlung fuer alle wird das unterbunden. Aber eben, es kostet halt immens viel Geld. Beat Richner erzaehlte von seiner Arbeit, spielte ein paar Lieder und rief zur Spende auf: Die Jungen sollen Blut spenden, die Alten Geld. Die in der Mitte beides. Habe bis jetzt zwar noch nie Blut gespendet, aber werde versuchen das in den naechsten Tagen nachzuholen. Habe nach der wirklich sehr interessanten Vorstellung ein Buch und eine DVD (Hilfe, meine Tasch quillt bald ueber) ueber die Arbeit von Beat Richner gekauft. Eigentlich haette ich gerne ein paar Worte mit ihm gewechselt, da haetten wir auch beide mal wieder Schweizerdeutsch reden koennen. Allerdings wurde er von ein paar penetranten Franzosen in eine Diskussion nach der andern verwickelt. Da bin ich dann halt gegangen. Schade, aber vielleicht ergibt sich ja noch eine andere Gelegenheit.

30 Juni 2006

Killing Fields und S-21

Habe mich heute um 8 Uhr aus dem Bett gequaelt und eine kalte Dusche genommen. Danach hab ich meine Tasche gepackt und bin an den Tisch mit der tollen Aussicht auf den See gesessen. Waehrend des Fruehstuecks habe ich einen anderen Reisenden kennengelernt, der gerade am Lesen war. Er ist Chinesisch-Kanadier. So konnte ich gleich noch ein bisschen mein Chinesisch auffrischen, wir haben uns ueber China, Kambodscha und Thailand unterhalten. Es war sehr interessant und als er mir erzaehlt hat, dass er noch ein paar Tage in der Unterkunft bleiben wird, habe ich mich - auch in Anbetracht des ansonsten viel zu grossen Stresses - dazu entschieden, auch noch einen Tag dort zu bleiben. Er hat mir uebrigens auch dazu geraten, die Malariaprophylaxe nicht mehr einzunehmen. Ich haette das Zeug sowieso nicht mehr genommen nachdem es mir so einen Brummschaedel verursacht hat. Der junge Kamdoschaner vom Hotel hat mich dann mit dem Motorrad auf der staubigen Landstrasse (mein ganzes Gesicht war danach braun) zu den etwa 15 Km entfernten Killing Fields gebracht. Hier befinden sich die Massengraeber der durch die Khmer Rouge ermordeten Menschen. Schaetzungsweise 2 Mio Menschen fielen der Schreckensherrschaft zum Opfer. Es ist so schrecklich. Aus dem Boden wachsen die Kleider mit dem Gras an die Oberflaeche und in einer Glasvitrine befinden sich tausende Schaedel aufeinander gestapelt. Es ist schwer nachvollziehbar, was sich hier abgespielt haben muss. Spaeter am Nachmittag sollte ich eine groessere Ahnung davon bekommen.
Der Junge, leider konnte ich mir seinen Namen nicht merken, hat mich danach zu einem Markt gebracht, da es noch frueh war und das Tulum Sleng Genozid Museum wuerde den Dokumentarfilm, den ich unbedingt sehen wollte, erst um 3 Uhr zeigen.
Bin erstaunt, wie wenig Touristen ich bis jetzt gesehen habe.
Das Tuol Sleng Gefaengnis, auch S21 genannt, ist eine ehemalige Schule. Hier erhaelt man einen Eindruck der unfassbaren Greueltaten. Bevor ich nach Kambodscha kam, wusste ich nur sehr wenig darueber. Um so tiefer hat es mich getroffen, hier vor Ort zu sein und mir bewusst zu werden, was zwischen 1975 und 1979 am gleichen Ort geschehen ist. Alle Eingelieferten wurden vor der Inhaftierung fotografiert. Nur 7 von allen hier angekommenen Menschen (etwa 20'000) haben ueberlebt. Als ich vor einem Foto von einer Mutter mit ihrem Baby stand, bin ich in Traenen ausgebrochen. Auch sie sind beide umgekommen. Die wenigsten wurden erschossen, das kostete Munition. Erschlagen war die haeufigste Methode, wenn die Opfer nicht schon waehrend der unzaehligen Folterarten umgekommen waren. Man kann sich nur vor Ort ein Bild davon machen. Ich habe mir mit etwa 10 anderen Besuchern (hierhin kommen taeglich ca. 50 Leute) den Dokumentarfilm angesehen. Mir ist das Blut in den Adern gefroren, was fuer ein gebeuteltes Land. Erst der Vietnamkrieg, die unzaehligen Minen, welche noch immer eine grosse Gefahr darstellen und das Massaker an eigenen Landsleuten. Kambodscha wurde um seine Zukunft beraubt, praktisch alles Gebildeten wurden umgebracht, nur einfache Arbeiter wurden verschont. Ein Drittel der ganzen Bevoelkerung ausradiert. Das uebersteigt meine Vorstellungskraft. Ich bin wie betauebt und schwer betroffen aus Tuol Sleng Lager herausgelaufen. Draussen bettelnde Minenopfer. Mir taten all die Kambodschaner so Leid, sie alle muessen in irgendeiner Art und Weise direkt von dem Massenmord betroffen sein. Das Ganze hat ja erst vor 17 Jahren aufgehoert.
Der Junge vom Hotel hat mich wieder abgeholt und er hat noch einiges ueber Kambodscha und sein Leben erzaehlt. Zueruck im Hotel hab ich ihn auf einen Drink eingeladen und noch mehr mit ihm geredet. Er hat mir z.B. erzaehlt, dass zwar viele Laender Geld spenden, aber die Regierung sehr korrupt ist und das gleich selber einsackt. Neben dem Koenig (der hat praktisch keine Macht) gibt es einen Premierminister, welcher regiert. Allerdings wollen ihn die Kambodschaner wegen seiner Korruptionen nicht. Alle 5 Jahre koennen sie zwar waehlen, aber bei der letzten Wahl, bei der viele fuer die Opposition gestimmt haben, ging schon wieder er als Sieger hervor. Seit 15 Jahren. Ich war erstaunt ueber seine Aeusserungen und hab ihn gefragt, woher er das weiss. Er hat gesagt, er rede mit den Leuten und er hoere die Nachrichten im Radio. Das Radio sei unter amerikanischer Kontrolle, daher duerfen sie solche Dinge aeussern.
Ich hab ihm 20 Dollar gegeben. Ja, normalerweise gibt man einem Fahrer 8 Dollar, aber er hat nicht viel und war so liebenswuerdig und ich habe einiges von ihm gelernt. Ich kann mich gluecklich schaetzen, nicht wie er oder viele ander aufgewachsen zu sein.
Fuer den naechsten Tag habe ich die Busfahrt nach Siam Reap gebucht. Die kostet nur 5 Dollar (Flug waere 65 Dollar plus Flughafentaxe von ueber 20), ich sehe was von der Landschaft und kann das Geld fuer bessere Zwecke in Siam Reap spenden.