Xiu Kamikaze
Schule ist immer noch schwierig.
Ich musste heute lachen, als ich gehört habe, dass mehrere Studenten (eigentlich warens nur Studentinnen) mit dem Taxi zum Unterricht fahren. Sehr witzig. Klar, es ist eiskalt hier und mit dem Fahrrad auch wegen der Massen von anderen Fahrern eine mühsame Angelegenheit. Trotzdem dauert es nicht länger als 15 Minuten und so ein bisschen Frühsport kann doch nicht schaden, oder? Diese arrogante Schweizerin mit ihrer Freundin (die sind zusammen hierher gekommen) und ein paar Amerikanerinnen lassen sich lieber morgens chauffieren. Naja, jeder wie er will. Ich werde die Möglichkeit wahrscheinlich im Frühling bei den Sandstürmen in Betracht ziehen.
Apropos Fahrrad. Gestern hat’s schliesslich den vorhersehbaren „Rumms“ gegeben. Xiu Min ist eine Kamikaze-Velofahrerin. Die schaut weder links noch rechts beim Abbiegen noch sonst irgendwie in ihre unmittelbare Umgebung beim Strassenverkehr. In China Russisches Roulette. Hier gilt das Recht des Stärkeren, und man muss seine Augen und Ohren immer in Alarmbereitschaft halten. Das hat Xiu Min nicht gepeilt, obwohl Rui und ich ihr das schon 100 Mal gesagt hatten. Wer nicht hören will muss fühlen.
Auf dem Weg zum Abendessen war sie wieder einmal die Rampe vom Einstellplatz heruntergebrettert, direkt in die Strasse hinein. „Rumms“. Ich habe es wie in Zeitlupe gesehen, als ein Auto genau in sie reinfuhr. Zum Glück hatte der Fahrer gebremst und Xiu Min ist nicht einmal hingefallen, obwohl er sie auf der vollen Breitseite erwischt hat.
Eine Szene wie in einem Slapstick-Movie. Nach dem Schreck mussten wir alle lachen. Ausser Xiu Min. Irgendwie gab sie auf jeden Fall dem Velo die Schuld und brachte es zu einen der unzähligen „Bicycle doctor“’s um ein Rad auszuwechseln. Das war aber noch vollkommen in Ordnung. Egal, hier wundert mich nicht mehr vieles. Ich hoffe aber inständig, dass Xiu aus dem kleinen Zusammenstoss gelernt hat. Vielleicht hat es das ja gebraucht. Beim nächsten Mal könnte es nämlich richtig krachen.
Ich habe Laiming Tang getroffen. Das ist ein Freund von Roy, dem Austauschstudenten an meiner Schule. Laiming studiert an der Tsinghua Universität. Er hat mir erzählt, dass die chinesischen Schüler hier alle zu viert in einem Zimmer sind und dass sie nur kaltes Wasser haben. Ihre Matratzen sind nur halb so dick wie unsere (wobei unsere ja schon die Bezeichnung Matratze nicht verdienen). Trotzdem sagt er, dass die Uni eigentlich ziemlich locker sei. Anscheinend ist die richtig grosse Büffelei nur bis und mit Highschool angesagt. Die Unis seien nicht mehr so anstrengend.
Wir sind zusammen in die Mensa essen und er hat mir noch ein paar Läden auf dem Campus gezeigt. War sehr witzig. Ich finde es auch wichtig, dass ich nicht nur mit den Lao Wie (Ausländern) zusammen bin sondern auch die Chinesen besser kennenlerne. Ich habe übrigens Laiming gefragt, ob er die Koreaner von den Chinesen unterscheiden kann. Er meint das ginge nur anhand der Kleidung. Die Koreaner kleiden sich immer sehr „fashionable“ (viele Markenkleider) und sind aufgetakelter als die Chinesen. Das stimmt wirklich.
Allein vom Gesicht her kann er die beiden Nationalitäten aber nicht auseinander halten.

1 Comments:
Chariot Kyongne Micha! Also - ähh. Ich weiss von einer mir doch ziemlich bekannten Japanerin, wie sie ihresgleichen von den Koreanern unterscheidet: "Just look the way they dress, the way they beave, the way walk..."
Ich glaube dies sagt vieles. And - apparently - she's right ;-)
Jetzt wenn es bereits um die Koreaner dermassen bestellt ist - wie reagieren die Japaner(-innen) wohl auf die Chinesen. Wahnsinn ;-)
N+
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