15 Februar 2006

Noch ein rettender Engel

Heute bin ich erst am Mittag aufgestanden. Ich war in der Nacht wegen des Jetlags aufgewacht und wegen des unbequemen B(r)ettes sehr schlecht eingeschlafen.
Ein neuer Tag mit vielen Aufgaben lag vor mir. Der Unterricht beginnt erst am 21. Februar.
Ich hatte mir vorgenommen, in der Bank of China meine Dollars in RMB zu wechseln und damit die Studiengebühr zu zahlen (ich durfte aus der Schweiz nicht mehr als ca. 400 CHF in Yuen einführen und bei Direktbegleichung des Schulgeldes in Dollars hätte ich ca. 100 Dollars verloren. Bei der Bank wollte ich auch gleich versuchen, ein Konto zu eröffnen, das erleichtert hier vieles.
Ein Internetkabel stand ebenfalls oben auf meiner Liste. Ausserdem weiteres WC-Papier, Tassen, etc.
Auf dem Weg zum Supermarkt (ich wusste eigentlich nur ungefähr in welche Richtung), wollte ich gerade aus dem Lift aussteigen, als ein Mädchen einstieg und sagte "Third floor, not exit". Ich war also aus Versehen im falschen Stock ausgestiegen. Mir war sofort der deutsche Akzent aufgefallen und so fingen wir an uns zu unterhalten. Irgendwie tauchen im Moment immer Leute aus dem Nichts auf, wenn ich sie gerade brauchen, wie schon Nethan, der Amerikaner, die Koreanerin und jetzt Rui.
Rui's Eltern sind Chinesen, sie ist jedoch in Deutschland aufgewachsen. Sie spricht bereits etwas besser Chinesisch und will sich im Sprachkurs einfach noch verbessern. Sie wollte sich ebenfalls auf den Weg zum Supermarkt machen. Und so gingen wir gemeinsam. Ohne sie wäre es überhaupt auch unmöglich gewesen, ein chinesisches Bankkonto zu eröffnen. Natürlich sprach selbst in der Bank of China niemand Englisch und alle Formulare waren ausschliesslich auf Chinesisch. Schlussendlich haben wir das irgendwie hingekriegt, was ich da genau unterschrieben habe, weiss ich aber nicht. Auf jeden Fall bin ich nun stolze Besitzerin einer Bankkarte!
Wir sind dann weiter in ein Shoppingcenter ausserhalb des Campus. Da wird alles Mögliche verkauft: kleine getrocknete Fische als Snack, lebende Kröten, eingeschweisste Hühnerfüsse, etc. Sehr interessant. So ein Einkaufszentrum ist auf jeden Fall ein Erlebnis, alles ist ausschliesslich auf Chinesisch angeschrieben. Und weit und breit nur Asiaten. Übrigens ist das überall so. Auf dem Campus habe ich bisher nur ca. 5 Nichtasiaten gesehen. So weit ich weiss, waren das alles Amerikaner, welche an der Tsinghua ein Semester Jura studieren.
Wir haben dort unseren ganzen Kram eingekauft und in so einer Art chinesisches Fastfood Restaurant gegessen, pro Person ca. 3 Franken, hat auch sehr gut geschmeckt. Gemäss Rui wars Schwein.
Ein Velo haben wir unterwegs nicht gefunden, da müssen wir halt morgen auf der anderen Seite des Campus unser Glück versuchen.
Am Abend wollten wir noch in die Kantine eine Essenskarte für mich kaufen, die braucht man hier in praktisch allen Kantinen, da geht sonst gar nichts (Rui hatte schon eine. An ihrem ersten Tag - da war ich noch nicht angekommen - hatte sie ihre Tante aus Beijing abgeholt und ihr alles Wichtige gezeigt.). Der Schalter war aber schon geschlossen und so sind wir mit ihrer Karte essen gegangen. Es gab Nudelsuppe mit Gemüse und Schweinefleisch. Und gegessen wird das Ganze mit Plastikstäbchen, gar nicht so einfach. Aber schmeckt gut und ist vorallem sehr billig. Das Essen hat uns nur 3.8 Renmin gekostet, also knapp 70 Rappen.
Soeben ist kim su-min im Zimmer vorbeikommen und hat mir einen chinesischen Glücksbringer mitgebracht, den habe ich jetzt grad an den Laptop gehängt. So bringt er vielleicht allen, die das jetzt lesen, auch noch ein wenig Glück :-)
Wir haben gleich auch noch einen Plan für Morgen aufgestellt: zweiter Versuch Velokauf, eine chinesische SIM-Card, eine Digitalkamera, ich muss mein Schulgeld noch bezahlen und Organsieren eines Wasserlieferanten. kim su-min hat heute eine Werbung auf einem Velo gesehen, wo sie anbieten, Pumpkanister zu lieferen.
Das Programm hört sich einfach an, aber glaubt mir, in China braucht man dafür Geduld, gute Schuhe, einen ganzen Tag und eine grosse Portion Humor!
Übrigens habe ich entdeckt, dass ich diesen Blog zwar bearbeiten, ihn aber nicht sehen kann. Sehr viele Internetseiten sind hier gesperrt, so auch die Bloggerseite. Ich sehe den Text also nur in einem Fenster, aber nicht auf der ganzen Blogseite. Hoffe aber, es ist einigermassen lesbar.
Hier noch zum Schluss noch eine Karte vom Campus der Tsinghua: Kein Witz, so eine ähnliche habe ich auch, um mich zu orientieren... http://map.tsinghua.edu.cn:8081/tsinghua/map.htm